So lustig war der Kabarettabend mit Bernd Kohlhepp alias Hämmerle

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Bernd Kohlhepp alias Hämmerle brachte die Gäste in der Kornberghalle zum Lachen.
Bernd Kohlhepp alias Hämmerle brachte die Gäste in der Kornberghalle zum Lachen. (Foto: Susanne Kuhn-Urban)
Sussane Kuhn-Urban

Sehr gut besucht ist der Kabarettabend in der Suppinger Kornberghalle am Samstag gewesen. Nach einer längeren Pause hat der Sportverein wieder einmal einen Kleinkunstabend veranstaltet – und das Publikum hat das Angebot gerne angenommen. Besucher auch aus dem Umland haben im unerwarteten Schneetreiben den Weg nach Suppingen gefunden und sich mit Bernd Kohlhepp alias Hämmerle köstlich amüsiert.

Bernd Kohlhepp ist eine Naturgewalt. Seine Präsenz durchdringt die Kornberghalle sofort, als er auf der Bühne auftaucht. Und er liebt und braucht sein Publikum: „Ich bin so froh, dass Sie da sind. Denn wenn Sie nicht da wären, wäre ich sofort wieder nach Hause nach Bempflingen gegangen.“

Er fordert seine Gäste aber auch, vor allem die in der ersten Reihe. Sie spricht er sehr gerne persönlich und direkt an mit scheinbar harmlosen Fragen. „Wie ist dein Name? Wo hast du deinen Mann kennengelernt? Wo wohnst du? Was machst du beruflich?“ Und jede noch so nichtssagende Antwort wird umgehend ins Programm eingebaut – und Kohlhepp merkt sich alle Details bis zum Ende seiner Vorstellung.

Doch auch Zuschauer in den hinteren Reihen dürfen sich nicht in Sicherheit wiegen: Sehr begeistert war Kohlhepp von der Antwort auf seine Frage: „Wie sagst du denn daheim so zu deinem Mann?“ „Dickerchen.“ „Und du zu deiner Frau?“ „Rhabarberschneckle.“ Das war für den Kabarettisten ein gefundenes Fressen und sorgte immer wieder für urkomische Showeinlagen.

Und selbst im größten Redefluss hat Kohlhepp die Lage im Blick. Als nach der Pause die Veranstaltung bereits weiter geht und eine Gruppe Helfer in die Halle kommt, unterbricht er sofort sein Programm und will von den Eintretenden wissen, warum sie so spät kämen. „Wir haben noch aufgeräumt“, sagen die. „Aber wir sind doch noch gar nicht fertig. Wie kann man da denn schon aufräumen?“, fragt Kohlhepp scheinbar fassungslos.

Nachdem Kohlhepp als seriöser Conferencier die Vorstellung eröffnet hatte, polterte ein urschwäbischer Hämmerle mit Hausanzug und dem unverwechselbaren Hämmerle-Hut auf die Bühne. Er berichtete vom Scheitern seiner Ehe und, dass er nun endlich Zeit habe, das zu tun, was er möge – und nicht immer nur das, was seine Frau überhaupt nicht wolle, dass er tue. Er weihte seine Gäste in tiefgründige philosophische Gedanken zum Thema Mann und Frau ein: Männer und Frauen seien extrem unterschiedlich. Eine Frau brauche ein Problem, ein Mann habe die Lösung.

Hämmerle lebt ab sofort in den Weiten des Internets, treibt sich gerne in „Chatrooms“ herum, was ihm den stolzen Beinamen „Old Chatterhand“ eingebracht hat. Zudem ist er modern und hat eine Uhr, durch die er mit allen Dingen vernetzt ist. So könne er über seine Uhr die heimische Kamera bedienen und schauen, ob bei ihm gerade eingebrochen wird. Sogar mit dem Google-Translator könne er sich verbinden, um mit den fremdsprachigen Einbrechern zu kommunizieren.

Doch biete die Uhr noch weitere nützliche Möglichkeiten: „Da brauche ich nur auf einen anderen Knopf drücken, dann geht der Ofen daheim an. Und dann drücke ich auf den Knopf, mit dem schalte ich den Ofen aus. Und manchmal ist es besser, ich fahr dann heim und schau, was mit dem Ofen jetzt eigentlich los ist. Vorsichtshalber habe ich immer einen Topf mit Wasser auf dem Herd stehen. Denn warmes Wasser kann man immer brauchen. Und wenn nicht, dann kann man es ja einfrieren.“

Wobei er da schon beim Internet der Dinge war: der Toaster, die Orangenpresse, der Kühlschrank – alle unterhalten sich miteinander. Nur was dabei herauskommen soll, ist nicht ganz klar. Doch er liebt seine Hausgeräte, vor allem seinen Staubsauger.Roboter. Damit der nicht so wirr hin und her fahren muss, füttert er ihn sogar mit mundgerechten Papierschnipseln.

Hämmerle singt, er tanzt, er macht derbe Witze, er beatboxt – ja er besucht sogar einen Poetryslam und erzählt eine komplizierte Soap mit all ihren menschlichen Verbindungen und Wirrungen in quasi einem Satz. Und nebenbei zieht er sich ständig um, hinter dem schwarzen Vorhang auf der Bühne: Zehn Anzüge habe er sich im Internet gekauft – mit den unterschiedlichsten Mustern – passend zu den unterschiedlichen Themen aus der vernetzten Welt, die er aufgreift. Hämmerle dichtet auch. Sein Lieblingsfrühlingsgedicht: „Wenn es im Gebüsch knackt und dich das Grausen packt, dann kann es nur eines sein: der Schwäbische Albverein.“ Oder: „Der Klarapfel – ist nicht bekannt – wurde nach Klara Pfel benannt.“

Nach prall gefüllten zwei Stunden Programm, während derer zahlreiche Lachtränen weggewischt werden mussten, versucht Hämmerle zum Ende seiner Vorstellung zu kommen. In einem mit bunten Totenköpfen gemusterten Jackett gekleidet verabschiedete sich der Kabarettist mit: „Eines Tages werden wir sterben – das ist die schlechte Nachricht. Doch an allen anderen Tagen nicht!“ Der anhaltende Beifall ließ Bernd Kohlhepp alias Hämmerle nicht gehen. Dann versuchte er es mit der charmanten Verabschiedung: „Wenn du einmal in Suppingen warst, dann brauchst du nimmer her“, doch konnten ihm das seine Besucher nicht übelnehmen und klatschten weiter.

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