Sitzungssaal nicht barrierefrei: Werden Behinderte diskriminiert?

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 Hilde Mattheis (Zweite von rechts) sowie Sascha Teubl (rechts) und Kai Burghardt (links daneben) haben am Donnerstag das Habila
Hilde Mattheis (Zweite von rechts) sowie Sascha Teubl (rechts) und Kai Burghardt (links daneben) haben am Donnerstag das Habila-Büro am Laichinger Marktplatz besucht. Links: Sabina Kreutle und Seraph Einberger, beide von Habila. (Foto: rau)
Schwäbische Zeitung

Günstiger Wohnraum, der dazu barrierefrei ist, ist auf der Laichinger Alb Mangelware. Dies hat bei ihrem Besuch am Donnerstag die SPD-Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis bei der Laichinger Behinderteneinrichtung Habila erfahren. Sie wurde begleitet von zwei Kreistagskandidaten. Einer ist selbst betroffen von diesem Problem.

Sascha Teubl ist Speditionskaufmann aus Feldstetten. Der 49-Jährige will bei den Kommunalwahlen am 26. Mai für die SPD in den Kreistag des Alb-Donau-Kreises einziehen. Am Donnerstag informierte er sich gemeinsam mit Kai Burghardt aus Merklingen, der ebenfalls im Kreistag Platz nehmen möchte, über die Herausforderungen, vor denen die Behindertenhilfe Habila (am Laichinger Marktplatz) steht.

Teubl kennt sich aus mit den Nöten von Menschen mit Behinderungen. Seine Frau ist querschnittsgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Während sich Grundbedürfnisse wie Einkäufe oder Arztbesuche weitgehend ohne Barrieren bewältigen ließen, bereite das Schwimmen auf der Laichinger Alb große Probleme. Weder im Laichinger Kleinschwimmbecken noch im Westerheimer Albbad könnten Menschen mit Rollstuhl vernünftig am Badebetrieb teilnehmen. Im Blausteiner Bad Blau allerdings schon. Dort seien die Voraussetzungen gegeben.

Sabina Kreutle, die das Laichinger Habila-Büro leitet, berichtete von fehlendem Wohnraum für Menschen mit Behinderungen. Rund 100 von ihnen betreut die Habila auf der Laichinger Alb, manche arbeiten in der Behindertenwerkstatt in Laichingen, andere wohnen in einem Haus von Habila, bei manchen ist beides der Fall.

Hilde Mattheis, die die beiden begleitete, stach sofort ins Auge, dass aber auch bei der Habila selbst noch Nachholbedarf besteht. Sie wies auf die fehlende Rampe vor dem Laichinger Büro hin. Dieses ist nur über Stufen erreichbar. Kreutle benannte daraufhin das Problem, dass dieser Raum nur gemietet, das Anbringen einer Rampe eigentlich Sache des Eigentümers sei.

Zur Sprache kam auch der Umstand, dass Menschen mit Gehbehinderung oder im Rolli sitzend kaum die Möglichkeit haben, an Laichinger Gemeinderatssitzungen im ersten Stock des Alten Rathauses teilzunehmen. Grund: Noch immer ist der Sitzungssaal nur über Treppen erreichbar. Zwar will der Rat prüfen, dieses Problem mittels eines Treppenliftes zu lösen; ob dieser installiert wird, ist allerdings offen. Schon seit Jahren ist das Problem bekannt. Angepackt wurde es bislang noch nicht.

Hilde Mattheis fand, dass eine solche Barriere in einer Demokratie ein Unding ist.

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