Sechs Spitzenmusiker bieten orchestrale Klangfülle

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Die Kammersolisten Minsk waren schon mehrfach in Laichingen zu Gast. Ihr Auftritt am Sonntag war wieder ein festlicher Höhepunk
Die Kammersolisten Minsk waren schon mehrfach in Laichingen zu Gast. Ihr Auftritt am Sonntag war wieder ein festlicher Höhepunkt der Kammermusikstunde im Alten Rathaus. Leiter Dmitri Subow ist ein Meister am Cembalo und dirigiert nebenher auch noch sein Ensemble mit sparsamen Gesten. Am 15. und 16. Dezember ist er noch einmal als Solist in der Kammermusikstunde zu Gast und spielt dann über zwei Etappen hinweg aus dem „Wohltemperierten Klavier Band II“ von Johann Sebastian Bach. (Foto: jk)
Jutta Kriegler

Die Matinee im Alten Rathaus am Sonntagmorgen war ein Fest der Musik: Mehr als 100 Minuten lang zeigten die „Kammersolisten Minsk“ Spitzenleistungen. Mit einem Streichquartett, einem Cembalo und einer Traversflöte boten die sechs virtuosen Musiker eine orchestrale Klangfülle. Stilecht zelebrierten sie Werke aus dem Spätbarock bis hin zu einer mitreißend gespielten Sinfonie von Haydn. Danach gab es einen Sektempfang für die Musiker und die Mitglieder der West-Ost-Gesellschaft, die zahlreich zum Konzert erschienen waren.

Die Kammersolisten Minsk waren bereits vier Mal in Laichingen. Ihre Auftritte gehören für den Verein „Stunde der Kammermusik“ immer zu den Höhepunkten des Jahres. Und wieder einmal begeisterten sie mit ihrem außergewöhnlichen Können. Ein weiteres Bindeglied nach Minsk ist die „West Ost-Gesellschaft“ Laichinger Alb (WOG). Die Gruppe unterhält regen Austausch nach Neswish, das wie Minsk, die Hauptstadt, ebenfalls in Weißrussland liegt. Zwischen Laichingen und Neswish besteht eine Städtefreundschaft.

Die Musiker wurden in Laichingen nach dem Konzert zu Recht vom Publikum gefeiert. Jeder einzelne Instrumentalist verfügt über solistische Qualitäten: Dmitiri Subow, Cembalist und Leiter des Ensembles, hat sich aus verschiedenen Orchestern seiner Heimat die besten Leute herausgesucht und zu einem einzigartigen Ensemble zusammengestellt.

Perfekte Einsätze und Pausen

Sie begeistern mit einem perfekten Zusammenspiel und meistern scheinbar mühelos höchste Schwierigkeitsgrade. Die Einsätze und Pausen stimmen auf die Zehntelsekunde genau. Dadurch empfindet der Zuhörer das Klangerlebnis trotz der Komplexität der Kompositionen als Gesamtkunstwerk – zum Beispiel beim Konzert von Franz Xavier Richter (1709-1789) in E-Moll. Zwei Violinen, eine Viola und ein Violoncello verbreiten eine festliche Atmosphäre, passend zu einem edlen Barocksaal bei Kerzenschein. Doch auch im stilecht renovierten Bürgersaal des Alten Laichinger Rathauses war das Konzert ein besonderes Erlebnis. Er war voll besetzt, doch bei dieser Größe sind die Zuhörer immer noch nah dran an den Musikern – ein wichtiges Kennzeichen der „Kammermusik.“

Tragendes Element und Basis der barocken Kammermusik ist das Cembalo – ein Vorläufer des Klaviers, bei dem man deutlich heraushören kann, dass es sich um ein Saiteninstrument handelt, mit leisen feinen Klängen, von Subow meisterhaft gespielt. Eine wichtige Rolle spielt auch die Flöte, im Barock ein Solo-Star. Galina Matjukowa legte mit ihrer Traversflöte virtuose Soli hin und wippte dabei mit ihren Füßen temperamentvoll auf und ab, unter anderem bei dem Quintett in G-Dur von Johann Christian Bach (1714-1788), jüngster Sohn des legendären Johann Sebastian Bach (1685-1750).

Wie ein heiteres Zwiegespräch

Sein zweiter Sohn, Carl Philip Emanuel Bach (1414-1788), hat bei seiner Sonata zwei Violinen die Hauptrolle gegeben. Sie sollten, wie ein Zitat von ihm belegt, musikalisch einen Streit austragen, der jedoch eher wie ein heiteres Zwiegespräch wirkte, hervorragend gespielt von Elena Maltsewa und Oleg Jatsyna. Am Ende „einigen“ sich beide „Kontrahenten“ auf ein gemeinsames Motiv im Hauptsatz.

Im Finale zeigten die Kammersolisten noch einmal ihr ganzes Können in voller Besetzung mit der Sinfonie in D-Dur Nr. 104 von Joseph Haydn (1732-1809). Das Stück, ursprünglich für eine viel größere Besetzung geschrieben, wurde in einer Bearbeitung für sechs Musiker vorgetragen. Trotzdem gelang es den Kammersolisten, orchestrale Klangfülle zu erzeugen. Jeder von ihnen spielte für zwei. Der dramatische Einstieg erinnerte an Beethoven, und auch der Rest der Komposition war sehr schwungvoll, mit einem lebhaften Auf und Ab. Dabei konnten die Kammersolisten noch einmal ihre ganze Spielfreude ausleben. Erst nach minutenlangem Beifall durften die Musiker ans Buffet.

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