Projektchor fasziniert mit stilistischer Vielfalt

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Die Premiere ist voll gelungen: Der vor einem Jahr von Dirigent Helmut Hauber gegründete Projektchor „Laichinger Alb“ hat sein erstes Konzert gegeben und konnte dabei überzeugen. Die 22 Sängerinnen und Sänger boten eine großartige Leistung und sangen sich regelrecht in die Herzen der vielen Zuhörer: Sie sind in den Genuss eines herausragenden Konzertabends gekommen. Hervorragend präsentierte sich das Ensemble, das meist mehrstimmig Chormusik aus fünf Jahrhunderten vortrug und großartig in Fahrt war.

Breites Gesangsspektrum

Breit angelegt war das Spektrum der Lieder, die am Samstagabend im Cube des Laichinger Gymnasiums zu hören waren: Chormusik aus vielen musikalischen Epochen bis hin zu zeitgenössischer Chormusik von Orff, Distler und Johansen erklang. Das Ensemble überzeugte bei seinem Debüt mit vorbildlicher Artikulation, einem transparenten und ausgeglichenen Klangbild sowie einer dynamisch lebhaften, munteren Interpretation der Lieder.

Mit dem Lied „O Musica“ von Paul Peuerl eröffnete der Projektchor mit Sängern aus Laichingen und der weiteren Region ihren schönen, vielfältigen und anspruchsvollen musikalischen Reigen. Das Stück brachte gleich die große Freude der 16 Sängerinnen und sechs Sänger am Chorgesamg zum Ausdruck, ebenso wie das vierstimmige „Lob auf die Musik“ von Hugo Distler. Die Besucher erhielten erste Eindruck von der Facettenvielfalt und dem stimmlichen Umfang des Ensembles.

Blick auf den Anfang

In Erinnerung schwelgte der Chor, als er die italienische Volksweise „Villanella alla Napolitana“ von Baldassare Donati vortrug, denn mit dem Refrain „tanta tantara“ legte er vor einem Jahr in der ersten Singstunde los. Tierisch und lustig ging es dann in den komischen Humoresken zu, als gackernde Hühner im Mittelpunkt standen. Zunächst war die Madrigale „Ein Hennlein weiß“ von Antonius Scandellus gesanglich sehr gut akzentuiert zu hören: Es wurde kräftig gegackert und gekräht – aber auch in dem Lied „Das Huhn und der Karpfen“ von Hans Poser. Tierisch amüsiert ging es weiter mit einem störischen Esel und zwar in einem derben Kanon aus der Feder von Wolfgang Amadeus Mozart, mit „O du eselhafter Martin“. Dass Mozart auch sehr alberne Werke und nicht nur Opern und Sinfonien komponierte, kam in dem Lied in lustiger Weise zum Ausdruck.

Von Hass und Liebe

Was Harmonie und Dissonanz, Forte und Piano bedeuten, das erlebten die Zuhörer in dem Lied „Odi et amo“ von Carl Orff aus der „Catulli Carmina“, wobei das Ensemble um den souverän dirigierenden Chorleiter Helmut Hauber Liebes- und Hass-Gefühle gefühlvoll ausdrückte. Eine Ballade von Eduard Mörike hatte Hugo Distler in „Die traurige Krönung“ vertont, in der es schaurig-böse zugeht und in der auch gemeuchelt wird. Das Opus, reich an herber Melancholie und geheimnisvoll angelegter Tonalität, interpretierte der Chor expressiv, wobei er die unheimliche Stimmung gut erzeugte.

Aus dem 1939 verfassten „Mörike-Chorliederbuch“ sang der Projektchor dann das stimmungsvolle „Kinderlied für Agnes“, ehe er mit dem einfach gesetzten Kanon „Da pacem Domine“ von Melchior Frank und „Ich will den Herrn loben“ von Georg Phlipp Telemann geistige Musik zu Gehör brachte. Komponist Johann Sebastian Bach durfte bei der „Chormusik aus fünf Jahrhunderten“ nicht fehlen: Von ihm trug das Ensemble „Psallite Deo nostro“ freudig bewegt vor, eine herrliche fünfstimmige Chorfuge aus dem bekannten Lobpreis „Magnificat“.

Liebeslieder erklingen

Liebeslieder führten die Zuhörer dann nach Frankreich, genauer gesagt ins Elsass und nach Lothringen. Die Lieder „Jardin d’amour“ von Karl Marx und „O du schöner Rosengarten“ von Helmut Bornefeld erklangen, in denen die Rosen als Symbol der Liebe eine große Rolle spielen. An Klassischem war „Lasciate mi morire“ von Claudio Monteverdi aus der Oper „Arianna“ zu hören: Die Handlung des fünfstimmigen Klagelieds geht zurück auf die griechische Sage des Helden Theseus, der mit Hilfe der kretischen Königstochter Ariadne (Arianna) das Untier Minotaurus besiegt und ihre Liebe gewinnt. Auf der Rückfahrt nach Athen lässt Theseus jedoch seine Geliebte auf der Insel Naxos zurück.

Romantische Sehnsucht

Romantisches Sehnen und die Wonnen des Frühlings dominierten in „Rosmarin“ von Johannes Brahms, ehe ein weiteres Stück des großen deutschen Komponisten erklang: In der „Nachtwache I“ sprudelte der sechsstimmige Chorsatz vor Lebendigkeit, Leichtigkeit und ungemeiner Ausdruckskraft. Konstrastreich ist das romantische Stück mit seinen Seufzermotiven. Beeindruckend war das große Finale des Projektchors, als dieser das „Halleluja“ aus dem 1994 uraufgeführte Oratorium der dänischen Komponisten Jens Johansen erklingen ließ, in dem Timo Wahl als Solist stimmgewaltig auftrat. Extreme Stimmungen in dem Werk griff der Chor dynamisch gekonnt auf und setzte einen schönen und gelungenen Schlusspunkt unter ihr Premieren-Konzert.

Applaus und Dank

Ein langanhaltender Applaus war der Dank des Publikums für einen erfrischenden und vielfältigen Liederabend mit einem großen musikalische Bogen aus fünf Jahrhunderten in einer unglaublichen Vielfalt, Schönheit und Klangfülle mit Madrigalen, barocken und romantischen Stücken sowie zeitgenössischer Musik: Mit zum Gelingen des Konzerts trug der junge Pianist Luis Bouterwek bei, der die die Polonaise A-Dur op 40 No. 1 von Frédéric Chopin auf dem Klavier überzeugend interpretierte und dafür viel Beifall ernten durfte. Worte des Dankes entbot noch Irmgard Naumann aus Bad Urach, Vizepräsidentin des Schwäbischen Chorverbands, die in dem Projektchor selbst mitsang. Sie würdigte die Leistungen und das Engagement von Chorleiter Helmut Hauber und machte deutlich, dass Singen einfach Spaß und Freude macht.

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