Pichler zeigt: Es geht weiter

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Zwei aus der Pichler-Familie: Geschäftsführer Thomas Wagner und die ehemalige Beschäftigte Johanne Bohnacker.
Zwei aus der Pichler-Familie: Geschäftsführer Thomas Wagner und die ehemalige Beschäftigte Johanne Bohnacker. (Foto: rau)
Schwäbische Zeitung
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Es sind zweifellos die Beschäftigten gewesen, die am Freitagmittag bei der Firma Pichler im Mittelpunkt gestanden haben. Mit ein Anlass des Empfangs war aber ein eigentlich trauriger: Mit der baldigen Demontage der dortigen Webmaschinen schließt die letzte Weberei in Laichingen.

Nach vielen hundert Jahren endet in den kommenden Wochen eine rund 700-jährige Webtradition. Gezwungen zu diesem Schritt sieht sich Pichler-Geschäftsführer Thomas Wagner durch Billig-Konkurrenz aus China oder hohe Energiekosten (wir berichteten). Doch er machte auch klar am Freitag in einem aufgebauten Festzelt vor geladenen Gästen (vielen Pichler-Pensionären): „Es gilt jetzt, die Firma quasi neu zu erfinden. Die Herausforderungen sind riesig und sie werden unseren vollen Einsatz erfordern.“ Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass dieser Schritt gelingen werde. Denn Pichler stehe weiterhin für feinste und qualitativ hochwertigste Tischwäsche, nur dass diese nun eben komplett im Ausland hergestellt wird. In Laichingen verbleiben in Teilen die Konfektionierung, der Versand und die Verwaltung – das Know-how, das Pichler ausmacht. Schon der Deutsche Kaiser Wilhelm I. wurde einst mit einer Pichler-Decke beglückt und bedankte sich in Laichingen, sogar der bayerische Märchenkönig wurde aus Laichingen beliefert.

Lohnverzicht und Mehrarbeit

Dem kleinen offiziellen Festakt schloss sich für die Gäste eine Führung an. In diesen Genuss konnten am Samstag alle interessierten Laichinger kommen. Beginn des Tags der offenen Türe war um 9 Uhr, es fand auch ein Sonderverkauf statt und auch die neue Kollektion wurde präsentiert. Letztmals konnten am Samstag auch die Webmaschinen im laufenden Betrieb besichtigt werden.

Den größten Dank entrichtete Thomas Wagner seinen aktuellen (rund 80) Mitarbeitern aber auch den vielen ehemaligen. Denn sie hatten großen Anteil daran (Lohnverzicht, Mehrarbeit), dass die Firma so manche Krise (Insolvenz 2002) meistern konnte. Viele ältere Gesichter waren unter den Gästen zu erblicken, so auch das von Johanne Bohnacker, die 1945 bei Pichler begonnen hatte. Auch der heute in Bielefeld lebende Bode Wenning hatte sich nach Laichingen aufgemacht. Der Mittag zeigte: Die Pichler-Familie hält zusammen. Sie ist nun aber kleiner: Fünf Arbeitsplätze gehen wegen des Abbaus der Webmaschinen verloren.

Der heutige Tag der offenen Türe bei Pichler mit vielen Aktionen geht von 9 bis 16 Uhr.

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