OKV sucht Männer, die Männer betreuen

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Freuen sich auf die neuen Teilnehmer des neuen Qualifizierungskurses für das Angebot „OKV Zuhause“, Heike Steißlinger und Dr. G
Freuen sich auf die neuen Teilnehmer des neuen Qualifizierungskurses für das Angebot „OKV Zuhause“, Heike Steißlinger und Dr. Günter Schmid. (Foto: rau)
Johannes Rauneker

Angehörige entlasten, Pflegebedürftigen Zeit schenken: Das sind die Ziele des Angebots „OKV Zuhause“, das vor rund einem Jahr auf der Laichinger Alb eingeführt wurde. Mit Erfolg, wie der ärztliche Betreuer Günter Schmid und Heike Steißlinger vom OKV feststellen. Im Februar startet ein neuer Kurs, in dem sich Interessierte zur „ehrenamtlichen Betreuungskraft“ ausbilden lassen können. Gesucht vor allem: Männer, die anderen Männern bei „typisch männlichen“ Hobbys zur Hand gehen. Die Kosten des Kurses übernimmt die AOK.

Steuert Deutschland unaufhaltsam auf den Gau in der Pflege zu? Oder sind wir schon mittendrin? Der Laichinger Arzt Dr. Günter Schmid hegt entsprechende Befürchtungen. Und das nicht erst, seit der „Spiegel“ sich in seiner aktuellen Titelstory mit der „Pflegekatastrophe“ in der Bundesrepublik beschäftigt.

Für ein „Altern in Würde“

Schmid wie auch andere Verantwortliche beim Ortskrankenpflegeverein Laichinger Alb (OKV) haben sich dem Grundproblem – wie können immer weniger junge Menschen immer mehr Ältere versorgen? – schon vor mehr als einem Jahr zugewandt. Und gehandelt. Mit finanzieller Unterstützung der Stadt Laichingen riefen sie das Programm „OKV Zuhause“ ins Leben. Ehrenamtliche besuchen regelmäßig pflegebedürftige, oft auch demenziell erkrankte Menschen in ihren vier Wänden und betreuen diese. Sie erhalten dafür eine kleine finanzielle Entschädigung. Und neben dem zu Pflegenden profitieren davon auch dessen Angehörige. Sie werden entlastet. Unterm Strich ein Beitrag, so Schmid, für ein „Altern in Würde“.

Erfreulich: Das junge Laichinger Betreuungsangebot ist quasi ausgebucht. „Wir sind voll belegt“, sagt Heike Steißlinger, die als Koordinatorin von „OKV Zuhause“ fungiert. Das Programm zählt mittlerweile zwölf Ehrenamtliche, die zwölf pflegebedürftige Menschen auf der gesamten Laichinger Alb – in Heroldstatt wie in Westerheim oder Laichingen – betreuen. Und zwar nur betreuen. Stundenweise schenken sie den in der Regel älteren Menschen Zeit, spielen, basteln oder unterhalten sich auch nur. Zwischen zwei und vier Stunden pro Woche.

Am Samstag, 24. Februar, startet ein neuer Qualifizierungskurs in drei Einheiten für Interessierte Betreuer. Die AOK bezahlt diesen, der Kurs findet statt in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule, im Seminarraum beim OKV (Anmeldung siehe Hinweiskasten). Absolventen dürfen sich dann „ehrenamtliche Betreuungskraft“ nennen – und können mit diesem Titel in ganz vielen unterschiedlichen Bereichen tätig sein. Eine Mitarbeit als Betreuer beim OKV ist keine Pflicht.

Wer sich gezielt bei „OKV Zuhause“ einbringen möchte, der sollte dann noch einen vierten Kurstag am Samstag, 17. März, absolvieren (von 9 bis 14 Uhr); dieser Kurs ist zugeschnitten auf eben dieses spezielle Angebot auf der Laichinger Alb.

Bisher ausnahmslos Frauen

Doppelt glücklich wären Heike Steißlinger und Günter Schmid, wenn sich für den neuen Kurs nicht nur viele neue potenzielle Betreuer, sondern vor allem auch Männer anmelden würden. Denn diese sind aktuell Mangelware bei „OKV Zuhause“. Bei den zwölf Betreuern, die derzeit im Einsatz sind, handelt es sich ausnahmslos um Frauen. Und diesen falle es naturgemäß schwerer, so Heike Steißlinger, auf den Wunsch eines männlichen Pflegebedürftigen einzugehen, wenn dieser großen Spaß am Heimwerken habe beispielsweise. Solche Anfragen gebe es durchaus, sagt Steißlinger und ergänzt: „Wir wollen Männern Mut machen.“ Wobei es nichts gibt, wovor irgendjemand Angst haben müsse.

Die Betreuer können sich aufgehoben fühlen in einem Team beim OKV, dem auch Steißlinger und Schmid angehören. Beide sind auch Referenten beim neuen Kurs, der Ende Februar beginnt. Regelmäßig tauschen sich die Betreuer untereinander aus, bilden sich fort, niemand wird mit Fragen alleine gelassen. Familiär gehe es zu, so Steißlinger.

Als einzelnes Angebot wird es „OKV Zuhause“ natürlich nicht schaffen, den Pflegenotstand zu beseitigen. Aber es ist ein Baustein auf der Laichinger Alb, mit dem Älteren, Pflegebedürftigen, deren Angehörigen oder auch Einsamen der Alltag ein Stück weit erträglicher gestaltet, die Lebensqualität erhöht werden kann. Was er in der Pflege grundsätzlich anders machen würde? Günter Schmid muss nicht lange nachdenken. Er würde dafür sorgen, dass der Staat für Pflege und Betreuung zuständig ist, finanziert aus der Steuer, „so wie in den skandinavischen Ländern“ – und eben nicht durch die Krankenkassen. Denn die wollten Geld verdienen. Das sei das Hauptproblem.

Anmeldungen zum neuen Kurs für die Qualifizierung zur „ehrenamtlichen Betreuungskraft“ sind möglich bei der VHS Laichingen. Die Koordinatorin von „OKV Zuhause“, Heike Steißlinger, ist erreichbar unter 07333 / 9232400 oder 0162 / 3252119. Bürozeiten: montags von 9 bis 11 Uhr, donnerstags von 15 bis 17 Uhr. Mail:

zuhause@okv-laichinger-alb.de

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