OKV sieht drei Wege für das Pflegezentrum

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Schwäbische Zeitung

Nach dem Gespräch, bei dem der Aufsichtsratsvorsitzende Friedhelm Werner nicht anwesend war, wurde deutlich, dass die Verantwortlichen im OKV anscheinend davon ausgehen, dass auch das Angebot des Alb-Donau-Kreises weiterhin besteht. Eigentlich hatte der Kreis dieses bis zum 31. Oktober befristet.

Die Erklärung im Wortlaut:

Bei einem Sondierungsgespräch zwischen Vertretern von OKV, Geschäftsführung Pflegezentrum, Aufsichtsrat, Gesellschaftern und Mitarbeitervertretung auf der einen und den Vorständen Armbruster und Baumann von den Zieglerschen Anstalten sowie Dr. Appel auf der anderen Seite wurde die Vorstellung skizziert, wie sich die Zieglerschen Anstalten und die Dres. Appel/Vogel eine Zukunft des Pflegezentrums vorstellen könnten.

Nach dieser Skizzierung würden die Zieglerschen Anstalten den Bereich Pflegeheim und Diakoniestation und die übergeordneten Dienste wie Küche und Verwaltung übernehmen und unabhängig vom Krankenhausbereich weiterführen. Die Verantwortung für das Krankenhaus würde bei den Dres. Appel/Vogel liegen, die das Krankenhaus führen und als Gesellschafter in die gGmbH einsteigen würden. Der OKV bliebe Immobilieneigentümer und Beteiligter.

In einem ernsthaften Gespräch in ruhiger, wertschätzender Atmosphäre wurde diese mögliche Konzeption vorgestellt und offen, auch kritisch hinterfragt. Darin wurde neu deutlich, dass die große Herausforderung, dass der "Risikobereich" im Pflegezentrum der Krankenhausbereich ist. Übereinstimmung herrschte in der Runde, dass es nun drei zumindest theoretische Möglichkeiten für die Zukunft des Pflegezentrums gibt, die sich inhaltlich, vor allem aber beim Risiko für die Beteiligten, allen voran für die Mitarbeitenden, deutlich unterscheiden.

1. Der Weg zum Alb-Donau-Kreis. Sollte dieser die ganze Einrichtung kaufen, bedeutet dies einerseits die Schließung des stationären Bereichs des Krankenhauses, zugleich aber den Ausbau der ambulanten medizinischen Angebote, die Option einer geriatrischen Abteilung und die Gründung einer gut ausgestatteten Stiftung, die langfristig großzügige diakonische Möglichkeiten sichert. Dieser Weg ist der einzige mit wenig und berechenbarem Risiko, weil mit der langjährigen Beschäftigungsgarantie für alle Mitarbeitenden, dem garantierten Stiftungskapital und der Übernahme aller Immobilien und ihrer Risiken durch einen starken, verlässlichen und dem Gemeinwohl verpflichteten Partner eine klare Zukunftsperspektive gegeben ist.

2. Der Weg entsprechend dem Vorschlag der Dres. Appel/Vogel und der Zieglerschen Anstalten. Dieser Weg, bei dem das Krankenhaus unabhängig von Pflegeheim und Diakoniestation geführt würde, setzt darauf, den Krankenhausbereich in Laichingen erhalten zu können, wobei ein chirurgischer Leistungsschwerpunkt entwickelt werden und ein weiterer Chirurg nach Laichingen geholt werden soll. Das Krankenhaus würde stärker spezialisiert und im Fall des Erfolgs ausgebaut, wobei niemand eine Garantie für den Bestand des Krankenhauses, einzelner Abteilungen oder den Erhalt der Arbeitsplätze geben kann.

Für den Bereich, den die Zieglerschen Anstalten übernehmen, gibt es Investitionszusagen und Arbeitsplatzgarantien allein für die dort beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dieser Weg ist für den dann auf sich allein gestellten Krankenhausbereich weit weniger berechenbar, weil niemand garantieren kann, ob diese Pläne so aufgehen, von den Krankenkassen in den Budgetverhandlungen akzeptiert und von den Patienten so angenommen werden wird, wie angestrebt.

Auch die Problematik der anästhesistischen Versorgung ist mit dieser Konstellation noch ungeklärt. Eine Klärung wird jedoch nötig sein, um die großen finanziellen Lasten durch niedrigere Basisfallwerte, hohen Investitionsbedarf und die stark steigenden Kosten für Mitarbeiter und Energie auszugleichen. Nicht zuletzt die notwendig deutlich höheren Mieteinnahmen für den OKV wären hier zu schultern. Für den Bereich des Krankenhauses bleiben hier klar höhere Risiken, die von OKV, Betreibern und den Mitarbeitenden zu tragen wären.

3. Der Weg nach dem Motto "Weiter wie bisher". Er wird als der riskanteste angesehen, der am Ende zum Verlust des Pflegezentrums überhaupt führen wird.

In den kommenden Tagen werden sich nun die Gremien von OKV, Pflegeheim GmbH und allen Gesellschaftern mit dieser Skizze eines möglichen Konzepts befassen und Beschlüsse fassen. Dann wird der OKV entscheiden, wie er aufgrund der eigenen Haltung und der Voten der anderen Gremien weiter vorgehen wird.

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