New York meets „LA“

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Super Stimme, starke Show beim Alb Live-Konzert im Alten Rathaus: Sänger John Alexander aus NY (Zw. v.re.) hat sein Publikum in
Super Stimme, starke Show beim Alb Live-Konzert im Alten Rathaus: Sänger John Alexander aus NY (Zw. v.re.) hat sein Publikum in „LA“ mit Soul-, Jazz- und Gospel-Hits von den Sitzen gerissen. (Foto: jk)
Jutta Kriegler

Dass solche Musiker in Laichingen – von seinen Einwohnern liebevoll „LA“ genannt – zu hören sind, ist eigentlich eine Sensation. Das Publikum im Rathaussaal war begeistert am Freitag und brachte das mit seinen Zurufen an die Band auch zum Ausdruck: „Toll! Gigantisch! Phantastisch!“ Trotz trübem Wetter herrschte plötzlich „Summertime“ auf der Schwäbischen Alb – spätestens ab dem gleichnamigen Welthit von Louis Armstrong und Ella Fitzgerald –, interpretiert von dem schwarzen Vollblut-Sänger John Alexander aus New York.

Er trieb Armstrongs Wortspielereien, der den Songtext mit seinem unvergleichlichen „Dusssidoodoosidoodooo“ garnierte, auf die Spitze mit seinen experimentellen „Isssiissiiseays“ und „Waaahayaaahahays“ und „Eeehahayyeeaahs“ – so sehr, dass kaum ein verständlicher Text übrig geblieben ist. Trotzdem haben alle im Saal die Botschaft verstanden: Das Lebensgefühl der amerikanischen Südstaaten ist eine explosive Mischung aus Melancholie und überschäumendem Temperament.

Zwar kommt John Alexander nicht aus den Südstaaten, doch seine afrikanischen Wurzeln sind – ebenso wie bei den Südstaaten-Sängern – klar herauszuhören. Soul, Jazz und Gospel verbinden schwarze Musiker auf der ganzen Welt. Unvergessen sind die Hits von Stevie Wonder, Marvin Gaye, Otis Redding, Ben E. King, Toto und den Temptations – mitreißend und temperamentvoll und voller Herzenswärme. Alexanders hat diesen Songs mit seiner außergewöhnliche Stimme einen individuellen Stempel aufgedrückt. Sie ist tief und weich und dunkel, hat eine große Bandbreite und eine enorme Reichweite. Lässig ließ Alexander zwischendrin einfach mal das Miko baumeln – er hätte es gar nicht gebraucht in einer kleinen Location wie dem Laichinger Rathaussaal.

Unterstützt wurde Power-Paket Alexander von Überraschungsgast Steven Spreadley, einem Gospelsänger aus New Jersey, der gerade durch Deutschland und Frankreich tourt. Leider kam Spreadley erst gegen Ende des Konzerts voll zum Einsatz. Aber dann boten die beiden Sänger eine mitreißende Harlem Gospel-Show, bei der einer den anderen zu übertreffen versuchte. Sie rissen das Publikum von den Sitzen, aus dem Konzert wurde eine Party zum Mitsingen und Mitklatschen und Mitfeiern.

Filigran gespieltes Schlagzeug

Dass das außergewöhnliche Konzert ein musikalischer Höhepunkt in Laichingen war, lag jedoch auch an den herausragenden Musikern, die die beiden Sänger begleitet haben: Tastenkünstler Andreas Czeppel spielte den Steinway-Flügel im Alten Rathaus, als hätte er nie etwas anderes getan, Christoph Scherer brillierte mit einem filigran gespielten Schlagzeug, das klare Akzente setzte, aber dennoch den Sängern den Vortritt ließ. Und Steffen Knauss zeigte einmal mehr, warum er zu den besten Bassisten zählt, die Deutschland zu bieten hat.

Ihm und seinen Kontakten zu Spitzenmusikern und Sponsoren ist es zu verdanken, dass Sänger wie John Alexander von NY nach „LA“ gelockt werden können – mit Unterstützung der Stadtbücherei und der Volkshochschule. Das regionale Kultur-Netzwerk hat mit diesem besonderen Alb Live-Konzert bewiesen, dass Laichingen viel zu bieten hat – mehr als man bei einer Albgemeinde dieser Größenordnung vermuten würde.

Die von Steffen Knauss organisierte Konzertreihe „Alb-Live“ geht weiter: Am Donnerstag, 15. Dezember, um 20.30 Uhr spielt die Tonite Band im Laichinger Café déli – seit Jahren ein Garant für ein volles Haus. Unterstützt wird die Kernband mit bekannten Musikern aus der Region dieses Mal von Blues-Rock-Legende Werner Dannemann. Weitere Infos unter

www.alblive.info

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