Neuer ZOB: Räte sprechen von „Krüppellösung“ und „Wirrwarr“

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Blick von Norden auf die Mittelinsel, die neu in der Gartenstraße angelegt werden soll.
Blick von Norden auf die Mittelinsel, die neu in der Gartenstraße angelegt werden soll. (Foto: MABEG Kreuschner GmbH & Co. KG)
Redaktionsleiter

Mit Einschränkungen haben Laichingens Stadträte die Planungen der Verwaltung für einen neuen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in der Gartenstraße gebilligt. Nötig wird dieser wegen des neuen Bahnhofs bei Merklingen. Laichingen soll ein Knotenpunkt sein, von dem aus ÖPNV-Pendler aus dem Umland zu den abfahrenden Zügen in Merklingen gelangen. Was den Stadträten Sorgen macht: die Einmündung der Garten- in die Bahnhofstraße. Nach bisherigem Stand wird die Gartenstraße in eine Einbahnstraße umgewandelt.

„Das funktioniert an dieser Stelle auf keinen Fall“, lautete das Fazit von Reiner Fink (BWV), nachdem die Laichinger Stadtverwaltung gemeinsam mit dem beauftragten Planer Ulrich Grosse aus Tübingen am Montagabend in der Gemeinderatssitzung ihr Konzept für den neuen ZOB in der Gartenstraße vorgestellt hatten. Sein Fraktionskollege Ulrich Rößler sprach gar von einer „Krüppellösung“, mit der er sich nicht anfreunden könne. Von „Wirrwarr“ sprach Anton Wenzel (CDU).

Aktuell herrscht folgende Situation: Autos dürfen die Gartenstraße in beide Richtungen befahren, von der Pfeiferstraße im Norden und der Bahnhofstraße im Süden aus kommend. Lediglich Busse müssen immer von Norden her kommen – weil sie die Passagiere nur auf der westlichen Seite der Gartenstraße aus- und einsteigen lassen können. Fünf Haltestellen gibt es auf dieser Seite derzeit, auf östlicher Seite keine.

Neu: Busse fahren südlich ein

Was der Plan für einen neuen ZOB („Laichingen Mitte“) vorsieht: Dass eine Mittelinsel in der Gartenstraße angelegt wird, an der vier Busse halten können; zwei rechts, zwei links an der Insel. Außerdem ein Haltepunkt nördlich davon, auf Höhe des evangelischen Gemeindehauses, und einen südlich der Insel – gegenüber der Bäckerei Mangold. Vor allem die Mittelinsel hätte entscheidende Vorteile: schnellere Umsteige auf derselben; außerdem können Busse dadurch auch von Süden in die Gartenstraße einfahren. Warum? Weil die beiden links auf der Insel angeordneten Haltestellen es auch den aus der Bahnhofstraße kommenden Busfahrern ermöglichen würden, Fahrgäste ein- und aussteigen zu lassen. Weil Busse eben nur auf der rechten Seite Türen haben.

Was der Mehrzahl der Räte an dem neuen Plan nicht gefiel: Dass es auch Autofahrern künftig erlaubt sein sollte, von Süden in die Gartenstraße einzufahren; obwohl die Gartenstraße eigentlich als Einbahnstraße ausgewiesen werden soll, in die nur von Norden aus eingefahren werden darf. Zwar sollte diese Ausnahmen nur gelten für Kunden der Bäckerei Mangold, eventuell des Notariats und für Anwohner und Nutzer einer sich dort befindenden Tiefgarage; und auch sollten die Autofahrer nur ein paar wenige Meter von Süden aus in die Gartenstraße einfahren dürfen – dass dies nicht zu Problemen mit den Bussen führen werde, die beidseitig in die Gartenstraße einfahren sollen, konnte sich aber kaum ein Stadtrat vorstellen.

Fördermittel möglich

Vorgelegt worden ist den Räten am Montag die Entwurfsplanung. Noch in diesem Jahr sollten sie dieser grünes Licht geben, damit die Stadt in den Genuss von Fördermitteln aus dem Topf des LGVFG (Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz) kommen kann.

Wie es nun weitergeht? Die Verwaltung sicherte zu, die von den Räten kritisierte Ausnahme-Regelung für einfahrende Autos aus der Bahnhofstraße zu überdenken. Außerdem will sie eine Variante planen ohne die zusätzlich vorgesehene Haltestelle südlich der Mittelinsel. Denn diese würde, so die Befürchtung einiger, die Situation an der Kreuzung der Garten- und der Bahnhofstraße zusätzlich verschärfen. Bürgermeister Klaus Kaufmann will den Entwurf nach der Sommerpause zur abermaligen Abstimmung stellen.

Mit dem Konzept der überdachten Mittelinsel zeigten sich die Räte grundsätzlich einverstanden. Damit diese Platz hat, „wird der Bussteg in der Gartenstraße nach Westen aufgeweitet“, erklärte Manfred Braun vom Laichinger Bauamt, sprich: Der ZOB rückt ein paar Meter nach Westen. Dort gibt es freie Flächen, die der Stadt gehören. Eingebunden in die Planungen sind auch das Landratsamt sowie Busunternehmen.

Der neue ZOB wird seinen Preis haben: Stand heute kalkuliert die Verwaltung mit Kosten von 1,8 Millionen Euro. Diese beinhalten auch neue Kanäle und Wasserleitungen in diesem Bereich der Gartenstraße, einen neuen Straßenbelag und neue Gehwege. Quasi ein Vollausbau. Auch eine (schlafende) Ampel soll installiert werden. Funkgesteuert springt sie auf Grün, wenn Busse aus der Garten- in die stark befahrene Bahnhofstraße einbiegen wollen.

Noch ist unklar, welche Buslinien genau den neuen ZOB ansteuern werden. Klar aber sei, so Bürgermeister Kaufmann, dass der Fahrplan an die in Merklingen ankommenden und abfahrenden Züge angepasst werde. Bis das Fahrplankonzept der Bahn steht, könnten, so Kaufmann, aber noch zwei Jahre vergehen. Auch die Busse nach Blaubeuren sollen weiter am ZOB halten. Stehen soll der neue ZOB, sobald der Merklinger Bahnhof in Betrieb ist.

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