Nach Bankschließungen: So war die außerordentliche Versammlung der Volksbank Laichinger Alb

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 Wolfgang Uhlmann (Aufsichtsrats-Vorsitzender, v.li.), Ralf Schiffbauer, Frank Kraaz und Sascha Ersinger gestanden vor allem Kom
Wolfgang Uhlmann (Aufsichtsrats-Vorsitzender, v.li.), Ralf Schiffbauer, Frank Kraaz und Sascha Ersinger gestanden vor allem Kommunikationsfehler ein bei der außerordentlichen Generalversammlung. (Foto: rau)
Redaktionsleiter

300 Gäste, drei Stunden und drei Verantwortliche der Volksbank Laichinger Alb auf dem Podium, die sich dafür rechtfertigen mussten, dass die drei Geschäftsstellen in Suppingen, Hohenstadt und Türkheim geschlossen wurden. Zufrieden dürften die Kritiker dieser Maßnahme zwar auch nach der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Donnerstag in der DSH nicht gewesen sein. Deutlich wurde allerdings, dass sich die Verantwortlichen die Entscheidung nicht leicht gemacht haben.

Die Stimmung war kühl, passend zu den Temperaturen in der DSH. Beifall gab’s für die Redner der Volksbank Laichinger Alb während geschlagener drei Stunden nur ein einziges Mal: erst ganz zum Schluss, kurz nachdem Wolfgang Uhlmann, der Aufsichtsratsvorsitzende der Bank, den Gästen einen schönen Nachhauseweg gewünscht hatte. Doch es war auch keine blinde Wut, die Ralf Schiffbauer, dem Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Laichinger Alb, seinem Vorstandskollegen Frank Kraaz und Prokurist Sascha Ersinger entgegenschlug. Vielmehr Enttäuschung. Diese sprach aus der Mehrzahl der Redebeiträge, zu denen die Gäste am Ende der Versammlung aufgefordert waren. Wirklich versöhnlich dürften die Parteien nach dieser „Aussprache“ nicht nach Hause gegangen sein.

Zumindest aber mit dem Gefühl, nun etwas besser verstanden zu haben, warum die Bank diese drei Geschäftsstellen zum 15. Februar geschlossen hat. Ausführlich und sachlich erläuterten die Bankvertreter, warum es aus ihrer Sicht notwendig war, in Suppingen, Hohenstadt und Türkheim die Reißleine zu ziehen.

Unterm Strich Verlustgeschäft

Ralf Schiffbauer brachte es nach der Versammlung im Gespräch mit der SZ auf den Punkt: Schon jetzt würden die drei Geschäftsstellen Verluste einfahren, stünden in den Roten Zahlen. Direkt ersichtlich war dies aus den Vorträgen zuvor allerdings nicht geworden. Zwar konnte Schiffbauer anhand von Grafiken erläutern, dass die betroffenen Geschäftsstellen jene sind, mit den deutlich geringsten Erträgen – gleichzeitig die drei kleinsten Filialen –, dass sich deren Betrieb allerdings gar nicht mehr rechnet, konnte nur erahnt werden. Oder auch nicht.

 Kritiker Walter Strohm meldete sich aus dem Publikum zu Wort.
Kritiker Walter Strohm meldete sich aus dem Publikum zu Wort. (Foto: rau)

Walter Strohm, einer der Initiatoren der Unterschriften-Aktion in Suppingen, durch die die außerordentliche Versammlung erzwungen wurde, stellte nach vielen gesehenen Folien in der „Aussprache“ fest, dass die Suppinger Filiale ja „noch Gewinn“ machen würde. Unterm Strich stimme dies jedoch nicht, so Schiffbauer später. Er hatte vor seiner Präsentation darauf hingewiesen, dass es nicht möglich sei, für jede der einzelnen Geschäftsstellen eine „Vollkostenrechnung“ zu zeigen; in einer solchen wären sämtliche Kosten dargestellt, die für eine Geschäftsstelle anfallen, inklusive aller internen Verrechnungen (Strom, EDV, Versicherungen etc.). Und nur in einer solchen kann letztlich schwarz auf weiß ein Strich gezogen werden am Schluss unter Einnahmen und Ausgaben, und sich dadurch zeigen, ob man im Plus liegt oder eben nicht.

Die drei geschlossenen Filialen haben der Bank vor allem deshalb Probleme bereitet, weil dort der Ertrag im Verhältnis zu den Kosten zu gering ausgefallen sei. Ganz anders verhält es sich offenbar in Scharenstetten. Während die laufenden Kosten in der dortigen Filiale ähnlich hoch sind wie in den drei geschlossenen Geschäftsstellen, ist das Volumen hier (40 Millionen Euro) um ein Vielfaches höher; fast drei Mal so hoch als beispielsweise in Türkheim mit 14,4 Millionen Euro (Suppingen 16,4 Millionen, Hohenstadt 17 Millionen). In der Folge fallen auch die Erträge dort deutlich üppiger aus.

 Viele Folien bekamen die rund 300 Besucher zu Gesicht; hier zu sehen die Zinsentwicklung.
Viele Folien bekamen die rund 300 Besucher zu Gesicht; hier zu sehen die Zinsentwicklung. (Foto: Rau)

Auch die Geschäftsstellen in Machtolsheim und Feldstetten erwirtschaften deutlich mehr als Suppingen & Co., wenngleich immer noch weniger als in Scharenstetten. Schiffbauer erklärt sich dieses Phänomen durch ein starkes Scharenstetter Umland, das in der Volksbankfiliale seine Geschäfte abwickelt. Scharenstetten selbst sei nämlich sogar kleiner als Suppingen.

Trotzdem äußerte Walter Strohm seine Zweifel daran, dass es betriebswirtschaftlich nicht möglich sei, zumindest einen Geldautomaten in Suppingen zu installieren. Er, wie auch die anderen Redner aus dem Publikum, wurden stets mit reichlich Applaus bedacht. Für einen Automaten seien laut Vorstandsmitglied Frank Kraaz aber mindestens 25 000 Abhebungen pro Jahr nötig. Ein Wert, der für Suppingen unerreichbar sein dürfte – bei nicht einmal 15 Besuchern, die an einem Öffnungstag zuletzt durchschnittlich die Filiale besucht hätten. Auch laut Kraaz sei es „unumgänglich“ gewesen, die drei betroffenen Filialen zu schließen.

„Einfach, schlank und schnell“

Dass sich die Funktion einer Geschäftsstelle in den vergangenen Jahrzehnten sehr verändert habe, machte Ralf Schiffbauer deutlich. Vor genau 40 Jahren habe er mit seiner Ausbildung zum Bankkaufmann begonnen. Damals habe er noch Überweisungen „heraus geschrieben“ für die Kunden. Heute hingegen müsse nur noch das Handy über einen Überweisungsträger gehalten werden. Die Linse erfasst Betrag, Empfänger und Verwendungszweck – dank künstlicher Intelligenz –, und das Geld wird umgebucht. Sascha Ersinger nahm die Gäste mit auf einen Exkurs zu „Banking 4.0“; „einfach, schlank und schnell“ und natürlich auch sicher sollen Bankgeschäfte heute ablaufen.

Ersinger präsentierte auch das jüngst bereits von Ralf Schiffbauer bekanntgegebene neue Konzept des „Service- und Beratungszentrums“, das die Volksbank demnächst einführen möchte. Im Kern geht es darum, dass ein Team aus Bankmitarbeitern durchgängig von Montag bis Freitag für die Kunden telefonisch zu erreichen ist; in den bestehenden Geschäftsstellen soll der Schalterservice durch Video-Telefonie ersetzt werden – die Bankberater erscheinen dann auf Bildschirmen, sie befinden sich jedoch in der Laichinger Zentrale. Der Clou: Durch das Auflegen eines Überweisungsträgers auf einen Bildschirm können Kunden sogar solche Dienstleistungen weiterhin in Anspruch nehmen.

Was eine Bankfiliale heute aber nicht mehr sein könne, so Schiffbauer: der „soziale Marktplatz“ einer Gemeinde, auf dem man sich austauscht, trifft, Gesellschaft findet. Hier sieht Schiffbauer die Gemeinden, ja die gesamte Gesellschaft gefordert. Schiffbauer betonte, dass die Schließungen auch im Hinblick einer „Gesamtverantwortung“ nicht nur gegenüber den Genossen, den Eigentümern der Bank, beschlossen worden seien, sondern auch gegenüber den Mitarbeitern. Um auch in Zukunft stark bleiben zu können und gegen Risiken abgesichert, sei es unabdingbar, Jahr für Jahr bestimmte Erträge zu erwirtschaften. Schiffbauer bezeichnete es als „Risikotragfähigkeit“. Wo genau die Herausforderungen wegen Digitalisierung, Regulatorik und Niedrigszinsphase liegen und wie die Bank darauf reagieren möchte, erläuterte ausführlich Frank Kraaz.

Werte nicht vollständig im Blick

Glaubhaft machten die drei Vertreter der Volksbank deutlich, dass ihnen die Art und Weise, wie die Schließungen kommuniziert wurden (nur mittels eines Briefs), sehr leid tue. Ein Eingeständnis, auf das viele Besucher der Versammlung gewartet haben dürften. Kraaz gestand ein, dass die Volksbank in diesem Fall die sich selbst auferlegten Werte wie Respekt, Partnerschaft und Ehrlichkeit „nicht ausreichend gelebt“ habe. Für die „mangelnde“ Kommunikation bat „aufrichtig“ auch Aufsichtsratschef Wolfgang Uhlmann um Entschuldigung.

Auch Heinz Pfefferle meldete sich zu Wort; er hoffe, dass die Bank aus diesem Fehler gelernt habe. Ihn beschäftigen jedoch nach wie vor die älteren Kunden in den von den Schließungen betroffenen Gemeinden. Jene, die mit Online-Banking nicht zurecht kommen und sich nun abgehängt fühlten. Schiffbauer sicherte zu, keinen Kunden im Regen stehen zu lassen. Einzelne Gespräche seien bereits geführt worden. Es werde sichergestellt, dass die betroffenen Menschen an Bargeld kämen.

Bank müsse „Brücken bauen“

Erfreulich dürfte für Kunden und Genossen (mehr als mittlerweile 10 000 sind es jetzt) die Zusicherung Schiffbauers sein, dass weiter keine Schließungen geplant seien. Und das „langfristig“. Ein Vorgehen nach der „Salami-Taktik“ – ein Weg, den andere Banken durchaus schon gewählt hätten – schloss er für die Volksbank Laichinger Alb aus. Und blickte nach vorne.

Die Bank wolle nun Brücken bauen, nicht nur angesichts der Schließungen, sondern vor allem angesichts der neuen Technologien. Diese dürften schon am 20. Mai wieder größeren Raum einnehmen. Dann findet die ordentliche Generalversammlung statt. Mit dann sicher wieder mehr Applaus für die Führungsebene der Bank. Walter Strohm wusste am Donnerstag noch nicht, ob er dann für die Entlastung des Vorstands stimmen werde oder nicht.

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