Mit der Kutsche fährt er durch Laichingen

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Waldemar Hoffmann ist 71 Jahre alt und liebt seine Pferde. Mit der Kutsche ist er fast täglich unterwegs.
Waldemar Hoffmann ist 71 Jahre alt und liebt seine Pferde. Mit der Kutsche ist er fast täglich unterwegs. (Foto: Scholz)
Schwäbische Zeitung

Das Klappern von Pferdehufen auf dem Asphalt ist für viele Laichinger ein wohl bekanntes Geräusch. Es bedeutet: Waldemar Hoffmann ist mit seiner Kutsche unterwegs. Fast täglich steigt er auf den Kutschbock – mit 71 Jahren.

„Mein Vater war Bauer. Bei mir begann alles mit dem normalen Freizeit-Reiten“, erzählt Hoffmann, der im ostfriesischen Leer geboren wurde, dann aber in Laichingen aufwuchs. Vor gut 50 Jahren hätte er mit Pferden begonnen. Das Fahren habe schon immer einen gewissen Reiz auf ihn ausgeübt. „Doch dazu braucht man schon ein sicheres Pferd“, denkt Hoffmann zurück. Angefangen hat er mit einem Tier. Seit 30 Jahren hält er zwei Tiere. Die beiden Stuten Rolex und Bimer sind wie ein Familienmitglied für ihn. Sie stehen im Stall direkt neben dem Wohnhaus. Manchmal, so gesteht Hoffmann, geht er die beiden auch mal im Schlafanzug füttern. Ans Aufgeben denkt der 71-Jährige nicht. „Es macht mir einfach Spaß und das ist die Hauptsache“, sagt er. Dennoch merke er schon: Kälte sei nicht mehr so angenehm. Nässe auch nicht. Bei schlechtem Wetter wird nicht angespannt.

Pferde putzen, los gehts

Doch die Tiere wissen genau, wenn es losgeht. Dann holt Hoffmann den Wagen hervor, die Deichsel wird eingesteckt, die Pferde geputzt und deren Hufe eingeschmiert. „Dann kommt das Geschirr drauf“, berichtet der Laichinger weiter. Die Tiere werden dann an den Wagen gespannt. „Sie bleiben dabei ruhig stehen. Dennoch darf man dann nicht mehr weggehen. Hat man seine Handschuhe vergessen, dann wird es eben frisch an den Fingern“, erklärt Hoffmann. Zur Sicherheit sei auch immer gut, wenn man beim Einspannen zu zweit sei.

Kommando „Hü“: „Ich gebe Zügelhilfe und schnalze. Dann laufen sie und sie laufen gerne“, freut sich Hoffmann. Mit gut acht Stundenkilometern bewegen sich die Tiere fort. Hoffmann ist dann rund um Laichingen unterwegs. Gut zwei Stunden dauert seine Tour. Von seinem Hof aus geht es zunächst ins Gelände. Auf der Rückfahrt muss er durch den Kreisverkehr im Zentrum Laichingens und weiter durch die Weite Straße. Früher hatte Hoffmann sogar noch seinen englischen Jagdhund dabei. „Draußen ist er mitgelaufen und in der Stadt wusste er schon immer, dass er aufsitzen muss“, so der 71-Jährige.

Gelassenheit im Straßenverkehr

13 und zehn Jahre alt sind seine Stuten der Rasse Schweres Warmblut. Ruhe und Gelassenheit brauche das Fahren mit der Kutsche. „Wenn ich aufgeregt werde, dann würde sich das auch auf die Tiere übertragen“, weiß Hoffmann. Sicherheit sei wichtig. Das Horn des Rettungswagens, ein Traktor oder auch Motorräder: Die Tiere dürfen nicht erschrecken. „Aber man erlebt über die Zeit schon einiges – auch waghalsige Überholmanöver von Fahrern“, gibt Hoffmann zu bedenken.

Das Fahren mit der Kutsche sei wie eine Art Virus für den 71-Jährigen. „Es ist einfach ein tolles Gefühl, in der Natur unterwegs zu sein. Das ist so beruhigend, dass ich sogar beim Fahren einschlafen könnte“, beschreibt Hoffmann. Dennoch gebe es auch so genannte Spielregeln – nämlich im Rahmen eines Kutschenführerscheins. Hoffmann hat vor 20 Jahren ein so genanntes Fahrtenabzeichen gemacht. „Beim Fahren hat man schon das Gefühl dafür, aber mit dem Führerschein fährt man einfach noch schöner“, sagt er. Gelernt werde zum Beispiel wie Leine und Peitsche gehalten werden und wie der Kutscher winken muss. Außerdem gebe es Formalien. Trage der Kutscher einen grauen Zylinder, so erkenne der Außenstehende sofort, dass es sich um den Besitzer handelt. Bei einem schwarzen Zylinder fährt der Knecht.

Box für das Pony der Enkelin noch frei

Waldemar Hoffmann will auch künftig weiterfahren. So lange es die Gesundheit zulässt, sagt der Laichinger. Vielleicht bekommt er Unterstützung von seiner Enkelin. Sie hat mit dem Voltigieren begonnen. „Sie sagte zu mir, dass bei mir im Stall doch noch eine Box für ein kleines Pony frei wäre“, sagt Waldemar Hoffmann und lächelt stolz.

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