Mit acht Jahren das erste Bier – Ex-Alkoholiker berichten aus ihrem Leben

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Digital-Redakteur Alb-Donau-Kreis/Ulm

Paprika gefüllt mit Quark und Mozzarella, dazu so genannte „Power Energy Balls“ mit Sesamkruste und Salami-Brot mit Paprika-Schnitz. Ob das, was die Siebtklässler des Laichinger Albert-Schweitzer-Gymnasiums (ASG) da gerade mit Liebe herrichten auch schmeckt? Sie zucken mit den Schultern, probiert haben sie es noch nicht. Aber wie sie am Mittwoch beim Präventionstag „fit for life“ gelernt haben, soll es auf jeden Fall gesund sein – und: „Mit Gemüse kann man viel machen“, sagen die Zwölf- und 13-Jährigen.

Ein gesunder Mensch, der glücklich und zufrieden lebt, der nimmt auch keine Suchtmittel zu sich.

Renate Winterstein, Lehrerin

Seit fast 20 Jahren findet dieser Aktionstag nun schon an der Laichinger Schule statt. Die Ausrichtung habe sich jedoch im Laufe der Zeit etwas verändert – weg von der Sucht, mehr hin zur Prävention. „Ein gesunder Mensch, der glücklich und zufrieden lebt, der nimmt auch keine Suchtmittel zu sich“, erklärt Renate Winterstein, als Sport- und Biologie-Lehrerin am ASG für den Präventionstag verantwortlich. Neben gesunder Ernährung ging es deshalb auch um den so genannten „Body Cult“ – zu deutsch „Körperkultur“. Vor allem in der Pubertät spiele dies eine Rolle, erklärt Winterstein: „Da geht es dann um das Selbstbewusstsein.“

 So geht gesundes Essen: Nils Wittlinger (von links), Johannes Gösele, Christian Geiger, Dominik Allgöwer und Moritz Kümmel rich
So geht gesundes Essen: Nils Wittlinger (von links), Johannes Gösele, Christian Geiger, Dominik Allgöwer und Moritz Kümmel richten beim Präventionstag am Laichinger Gymnasium ihre Mahlzeit her. (Foto: Kroha)

Nichtsdestotrotz spielen bei dem Präventionstag die wirklichen Suchtrprobleme eine große Rolle: Alkohol, Drogen, Rauchen und Medikamente. Neben Vertretern der Polizei referieren vor den siebten und neunten Klassen aber auch Betroffene beziehungsweise Ehemals-Betroffene. Ein früherer Drogenjunkie hatte seinen Besuch zwar angekündigt, er sagte aber kurz vorher ab. Die genauen Gründe sind nicht bekannt. Offenbar habe er sich dann doch nicht getraut, vor einer Klasse über sein Erlebtes zu sprechen. Es wäre für ihn das erste Mal gewesen.

Mit acht Jahren erster Alkohol

Damit keine Probleme hat das Ehepaar Luik aus Reutlingen. Karl Luik war 15 Jahre alkoholkrank, seit 33 Jahren ist er trocken, mit acht oder neun Jahre, so erzählt er offen, habe er damit angefangen. Warum er süchtig wurde? Mit 18 oder 19 habe er bei einer Württembergischen Meisterschaft im Zwölfkampf vor dem Wettkampf ein Bier getrunken und überraschend gut abgeschnitten. Danach sei für ihn klar gewesen: „Mit Bier schaffst du alles“, sagt er: bei Prüfungen, bei der Arbeit, in der Familie.

Karl, du machst zwar einen super Job. Aber wenn du nicht aufhörst zu trinken, dann muss ich dich rausschmeißen.

Chef von Karl Luik

Auch seine Frau fing mit dem Trinken an. Doch irgendwann – als es unter anderem den Kindern zu peinlich war, Freunde nach Hause zu bringen – sei auch Karl Luiks Chef zu ihm gekommen und habe gesagt: „Karl, du machst zwar einen super Job. Aber wenn du nicht aufhörst zu trinken, dann muss ich dich rausschmeißen.“ Der Anfang vom Ende der Alkoholsucht.

Seine Geschichte zeigt Wirkung bei den Schülern. Alkohol, sagt die 14-jährige Eva Pauschel, „macht viel in der Familie kaputt“. „Das schreckt schon eher ab“, so auch der gleichaltrige Johannes Arnold. Beide haben die Geschichte der Luiks gehört. „Wir haben es sowas nicht vor“, sagen sie. Dass es solche Tage der Prävention an ihrer Schule gibt, finden sie „gut“: „Das beugt vor.“

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