Millionenprojekt: Wasser soll hormonfrei werden

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Der Chef baggert selbst: Bürgermeister Klaus Kaufmann vollzog am Mittwoch den ersten symbolischen Baggerbiss für den Neubau auf dem Gelände der Laichinger Kläranlage. (Foto: Rauneker:)
Schwäbische Zeitung
Johannes Rauneker

Nicht nur der Umwelt kommt die Erweiterung der Laichinger Kläranlage zugute. Ohne die neue Klärstufe hätte die Stadt für die Anlage gar keine Betriebserlaubnis mehr bekommen. Wenn das 4,5-Millionen Euro Projekt fertig erstellt ist, sollen auch Hormone und Medikamentenrückstände aus dem Laichinger Abwasser gefiltert werden können.

Die Abwasser-Situation auf der Alb ist eine besondere. Weil kein Fluss in der Nähe ist, wird das geklärte Laichinger Abwasser über ein Versickerungsbecken ins Karstgestein abgeleitet. Doch vollkommen sauber ist das Wasser noch nicht: Hormone und Medikamentenrückstände schwimmen noch immer mit. In anderen Gemeinden löst sich dieses Problem in Luft auf, indem diese ihr Abwasser in Flüsse leiten – die Konzentration der Rückstände verringert sich dann auf ein nicht mehr feststellbares Maß.

Wie schon beim symbolischen Baggerbiss zum Bau der Kindertagesstätte am Bleichberg nahm Bürgermeister Klaus Kaufmann auch am Mittwoch wieder hinterm Steuer eines Baggers Platz. Dieses Mal einem ausgewachsenen. Souverän vollzog er den ersten Akt des Neubaus, der auf dem Gelände der Laichinger Kläranlage entstehen wird (Foto unten).

In seiner Rede zuvor hatte der Bürgermeister betont, wie wichtig die neue Filtrationsstufe sei: nämlich das größte Bauprojekt der Stadt in diesem Jahr, neben eben der Kita und dem Neubau des Feldstetter Feuerwehrgerätehauses.

Neu: Tücher filtern

Und das wird gebaut: Zusätzlich zur bestehenden mechanischen, chemischen und biologischen Filtrationsstufe soll die Kläranlage ein sogenanntes Tuchfilter-Reinigungs-System erhalten. „So etwas gibt es bisher im Land noch nicht“, hatte Diplomingenieur Karl Rösch schon im Sommer erklärt. Sein Ingenieurbüro SAG aus Ulm wurde mit der Planung des Projekts beauftragt.

Neu in Laichingen sei nun, dass statt Filtermembranen Tücher eingesetzt werden. Sobald das Wasser die Tuchfilter passiert hat, wird es ins benachbarte Versickerungsbecken geleitet – das geklärte Wasser plätschert und tropft dann, wie bisher, durch das Karstgestein und wird schließlich zu Grundwasser. Aber eben vollends sauber. Unterbracht sein wird die neue Reinigungsstufe in einem neuen Gebäude, vor dem ein offenes aber überdachtes Becken angelegt wird.

Neun Pumpen werden in dem neuen Gebäude untergebracht sein. Die neue Klärstufe kann Wasser der bestehenden Anlage im Umfang von bis zu 200 Litern pro Sekunde aufnehmen.

Froh über Landeszuschuss

7000 Kubikmeter Erde werden mit dem Neubau ausgehoben, Leitungen und Stahlbetonkanäle in hunderten Metern Länge verlegt.

Neu auch: eine Zentrifuge für die Schlammentwässerung. Auch für die drei Laichinger Klärwärter Joachim Thiede (Betriebsleiter), Peter Hilsenbek und Wolfgang Bückle bedeutet dies neue, hinzukommende Aufgaben.

Vor den Augen und Ohren einiger Laichinger Stadträte, einem Vertreter des Landkreises, Bauarbeitern und Ingenieuren bedankte sich Klaus Kaufmann bei seinen Amtsleitern Jürgen Oettinger (Finanzen) und Günter Hascher (Bauamt), die das Projekt begleitet haben. Froh sei er auch über den Landeszuschuss in Höhe von 2,1 Millionen Euro. 2,4 Millionen muss Laichingen selbst bezahlen. Im neuen Jahr soll die neue Klärstufe in Betrieb gehen.

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