Die Chancen steigen, dass bald Züge von Merklingen auch nach Stuttgart fahren. Das Land will sich bei der Finanzierung beteilige
Die Chancen steigen, dass bald Züge von Merklingen auch nach Stuttgart fahren. Das Land will sich bei der Finanzierung beteilige (Foto: Archiv)
Schwäbische Zeitung
Ilja Siegemund
Redakteur
SZ

Erfreuliche Nachrichten für die Laichinger Alb: Das Land Baden-Württemberg beteiligt sich an der Finanzierung des Bahnhalts bei Merklingen. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs am Freitag im Ministerium für Verkehr und Infrastruktur (MVI) in Stuttgart. Klar ist allerdings auch: Es werden noch einige Hürden zu nehmen sein, ehe das Vorhaben realisiert werden kann.

Viel hatte Laichingens Bürgermeister Klaus Kaufmann in seiner Funktion als Vorsitzender des Gemeindeverwaltungsverbands im Vorfeld des wichtigen Gesprächs in Stuttgart nicht sagen wollen. Klar war, dass es um die Kernfrage ging: Beteiligt sich das Land an den Kosten in Höhe von 21 Millionen Euro für den Bahnhalt? Unnötigen Druck wollte Kaufmann auf Verkehrsminister Winfried Hermann und dessen Mitarbeiter über die Medien nicht ausüben. Die Taktik von ihm und seinen Bürgermeisterkollegen sowie den vielen Unterstützern auf der Laichinger Alb schien aufgegangen zu sein. „Soweit sich die Kosten des Bahnhalts nach den weiteren Planungsschritten im bisher diskutierten Rahmen bewegen, wird das Land die übrigen Baukosten übernehmen und damit sicherstellen, dass die Kommunen über die zugesagten Mittel hinaus nicht belastet werden“, lässt der Amtschef des MVI, Professor Uwe Lahl, in einer Pressemitteilung verbreiten. Das Ministerium trägt also mögliche Mehrkosten, sofern diese im Rahmen liegen. Auf eine Kostenobergrenze wollte sich das MVI aber nicht festlegen.

Großen Anteil an dieser Entwicklung hatte das deutlichste Signal der Gemeinden Nellingen, Merklingen, Laichingen, Heroldstatt, Westerheim, Berghülen und Hohenstadt: Insgesamt 13 Millionen Euro wollen sie stemmen, damit der Bahnhalt an der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm bei Merklingen entstehen kann. Darin sind auch die Kosten für die Planung des Vorhabens und den Bau einer Park-and-Ride-Anlage enthalten. „Wir erkennen an, dass die Gemeinden mit dem Angebot von 13Millionen Euro zu einem hohen Finanzierungsbeitrag bereit sind“, ergänzt Uwe Lahl.

Die Finanzierung ist offensichtlich gesichert. Doch wie geht es nun weiter? In den nächsten Wochen sollen die Einzelheiten mit allen Beteiligten besprochen werden. Mit der Deutschen Bahn und den Vertretern der Alb-Gemeinden vereinbarte das MVI, eine Projektgruppe einzurichten.

Klaus Kaufmann will zudem noch in diesem Monat über die Kostenübernahme für die ersten Planungsphasen informieren. Er bedankte sich auch im Namen der beteiligten Kommunen beim MVI sowie bei der Deutschen Bahn für den guten Verlauf des Gesprächs und die konstruktive Begleitung des Projekts.

Zeit drängt für Realisierung

Der baden-württembergische Konzernbevollmächtigte der Bahn, Sven Hantel, betonte in dem Gespräch, die Bahn stehe dem Bahnhalt bei Merklingen grundsätzlich offen gegenüber. Er betonte aber zugleich, dass der Zeitplan für die Realisierung angesichts des zügigen Baufortschritts der Neubaustrecke sehr eng sei. Für die Bahn sei oberste Prämisse, dass der Bau der Neubaustrecke nicht behindert wird. So müsse die Plangenehmigung für den Bahnhalt bei Merklingen bis August kommenden Jahres vorliegen, um den Zeitplan beim Bau der Neubaustrecke einhalten zu können.

Vor der endgültigen Realisierungs- und Finanzierungsentscheidung sind noch einige Hürden zu nehmen. Darin sind sich die Beteiligten des Gesprächs einig. Schließlich stehen die endgültigen Kosten noch nicht fest, und die Genehmigungsverfahren müssen noch erfolgreich durchlaufen werden. Dementsprechend sei er, so Kaufmann, „verhalten optimistisch“.

Wie berichtet, hatte eine im September vorgelegte Berechnung ergeben, dass das Projekt wirtschaftlich ist und deshalb vom Land grundsätzlich finanziert werden kann. Voraussetzung ist, dass der Zeitverlust auf der Strecke durch eine Optimierung der betrieblichen Abläufe und durch zusätzliche Investitionen auf der Strecke Ulm – Lindau ausgeglichen werden kann. Außerdem soll auf die ursprünglich als notwendig angesehene Anschaffung schnellerer Fahrzeuge verzichtet werden. Sven Hantel von der Deutschen Bahn kündigte an, dass der Punkt "Verzicht auf schnellere Züge" vor der Einleitung des Genehmigungsverfahrens von der Bahn noch geprüft werden müsse.

Die neue Abschätzung zur Wirtschaftlichkeit des Bahnhalts kommt auf einen Nutzen-Kosten-Indikator von 1,13. Bei einer Variante, bei der schnelle, modernisierte Gebrauchtfahrzeuge zum Einsatz kämen, liegt dieser sogar bei 2,23. Mit der Darstellung der Wirtschaftlichkeit ist eine Grundvoraussetzung für die Finanzierung des Projekts durch das Land gegeben.

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