Laichingens Ehrenbürger Jean-Pierre Tizon ist tot

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Laichinger Ehrenbürger tot (Foto: SZ)
Schwäbische Zeitung
Gerhard Scheible

Eine Gemeinde mit elf Teilorten, in der westlichen Normandie, hatte seit 1983 einen Senator und Doktor der Medizin zum Bürgermeister. Jean-Pierre Tizon saß nicht nur in Frankreichs politisch einflussreichstem Gremium, sondern er war auch ein besonders engagierter Bürgermeister seines Gemeindeverwaltungsverbandes Ducey, einer Raumschaft, die schlimme Auseinandersetzungen im Zweiten Weltkrieg mit Deutschland zu ertragen hatte. Um diese historische Last zu bewältigen, engagierte sich Jean-Pierre Tizon.

Eine wohl überlegte Städtepartnerschaft war seine Vision, und im Oktober 1984 spazierten der französische Senator und seine Gattin Geneviève „anonym“ über Laichingens Marktplatz und wohl durch die ein und andere Straße, um danach gegenüber Bürgermeister Andreas Raab ihre Sympathie zu bekunden.

Man war sich sofort vertraut und der Wunsch nach einer Partnerschaft wurde rasch konkret. Senator Dr. Jean-Pierre Tizon aber prüfte sorgfältig alle Schritte zum Ziel. Das Einvernehmen mit dem Rat der Europäischen Gemeinden in Brüssel war ihm ebenso wichtig wie die einmütige Zustimmung des Laichinger Gemeinderats. Gemeinsam ging man auch an die Formulierung der Zielsetzungen in einer Partnerschaftsurkunde, die am 10. Mai 1986 in Ducey und am 14. Juni 1986 in Laichingen unterzeichnet wurde.

Wie sehr Laichingens und Duceys Bevölkerung an dieser Partnerschaft gewachsen und europäischer geworden sind, wurde oft festgestellt. Zuletzt beim 25-jährigen Jubiläum. Emile Lavigne, ehemaliger Kriegsteilnehmer, der die Partnerschaft in den ersten zehn Jahren geleitet hat, war mit Dr. Tizon überzeugt davon, dass zwischen Deutschland und Frankreich nie wieder Kriege sein können. Beiden Duceyer Bürgern hat die Stadt Laichingen 2006 die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Jean-Pierre Tizon ist am Donnerstagnachmittag wenige Tage nach seinem 92. Geburtstag in seinem Haus in Ducey gestorben.

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