Laichingen braucht Raum für die Kinderbetreuung

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Wie Kinder unter anderem in Feldstetten betreut werden können, wurde im Ausschuss besprochen.
Wie Kinder unter anderem in Feldstetten betreut werden können, wurde im Ausschuss besprochen. (Foto: Scholz)

Zwickmühle für die Stadt Laichingen: Die Verwaltung freut sich über eine gute Entwicklung der Kinderzahlen und den dadurch gestiegenen Bedarf an Betreuungsangeboten. Gleichzeitig muss die Bedarfsplanung so gestaltet werden, dass alle Platzreserven in den Einrichtungen ausgeschöpft werden. Zudem wird über einen Neubau nachgedacht.

Die Mitglieder des Kindergartenausschusses haben in ihrer jüngsten Sitzung über Entwicklungsmöglichkeiten nachgedacht. „Es gibt eine ganze Reihe Entwicklungen mit Blick auf die Zahlen. Die haben sich rapide verändert“, meinte der Laichinger Bürgermeister Klaus Kaufmann (parteilos). Das Stadtoberhaupt benannte auch die Gründe dafür. Im vergangenen Jahr seien Zuzüge junger Familien verzeichnet worden. Außerdem sei die Geburtenzahl erneut gestiegen. „Es ist jetzt eine Herausforderung für uns, den Bedarf abzudecken“, sagte Kaufmann.

Die derzeitigen Zahlen stellte Sachgebietsleiterin Svenja Troll dem Gremium im Rahmen der Kindergartenbedarfsplanung vor. Die Einwohner- als auch die Geburtenzahl seien gestiegen. 2016 zählte Laichingen mit seinen Ortsteilen 11 310 Einwohner, zum März dieses Jahres sind es 11 698 Bürger. In der Gesamtstadt wurden 2014 als auch 2015 insgesamt je 74 Geburten gezählt; 2016 waren es dann 102 und im vergangenen Jahr 109 Geburten. Derzeit gibt es in Laichingen 55 Krippenplätze und 398 Kindergartenplätze. Laut Aussage des statistischen Landesamtes würden in Laichingen samt seiner Ortsteile im Jahr 2025 dann insgesamt 107 Krippenplätze und 429 Kindergartenplätze benötigt.

Blick auf den Ü3-Bereich (Kinder von drei bis sechs Jahren): Im Kindergartenjahr 2018/2019 stehen für die Gesamtstadt Laichingen 398 Plätze zur Verfügung. Es gibt allerdings 424 anspruchsberechtigte Kinder. Ähnlich sieht es in der Prognose für das Jahr 2019/2020 aus. 398 Plätze sind gegeben, 415 werden benötigt. Lösungsalternativen könnten sein, dass die bestehende Kleingruppe im Kindergarten „Regenbogen“ zu einer Großgruppe aufgestockt wird – ebenso jene im Kindergarten „Auf dem Berg“ in Feldstetten. Notnagel sei eine neue Kleingruppe in der bisher vermieteten Wohnung im Obergeschoss „Im Brühl“. Im Kindergarten „Albzwerge“ in Suppingen ist noch ein kompletter Gruppenraum frei. Das Machtolsheimer Kinderhaus dürfte nur noch Kinder ab drei Jahren aufnehmen, die unter Dreijährigen müssten in separaten Krippengruppen untergebracht werden.

Blick auf den U3-Bereich (Kinder unter drei Jahren): Nach dem derzeitigen Anmeldestand, geplant bis März 2019, fehlen acht Krippenplätze. Darin fließen die Überlegungen ein, den freien Gruppenraum im Kindergarten „Delau“ in Feldstetten zu nutzen. Alternative sei die Kooperation mit dem Tagesmütterverein des Alb-Donau-Kreises. Dann bedürfe es der Subvention durch die Stadt.

Einschätzung der Verwaltung: Kurzfristige Lösungen seien machbar, langfristig werde über einen An- oder Neubau mit Blick auf den Kindergarten „Regenbogen“ nachgedacht. Dieser sei für 2021 vorgesehen. Ziel sei, Fördermittel durch das Investitionsprogramm des Bundes abzugreifen. Generell sei wichtig, ein bedarfsgerechtes und bezahlbares Betreuungsangebot vor Ort zu haben, da Kinder sonst in Einrichtungen in auswärtigen Gemeinden untergebracht werden. Das koste die Heimatkommune. Thema war zudem die Trägerschaft. Die katholische Kirche halte am bestehenden Vertrag fest. Der evangelische Diakonieverband Ulm/Alb-Donau bitte, dass der Abmangel der Krippengruppe zu 100 Prozent von der Kommune getragen wird. Bisher sind es zwischen 80 und 85 Prozent.

Diskussion der Ausschussmitglieder: Die Feldstetter Ortsvorsteherin Elisabeth Enderle erklärte, dass das Gremium über die Entwicklung erfreut sei. Sie begrüße die Möglichkeit der Tagesmütter für die Räume „Delau“, drängte zugleich auf die Beibehaltung der altersgemischten Gruppe in der Kita „Auf dem Berg“. Letzteres sei in der Praxis schwierig, so Troll. Außerdem stünden dann nicht ausreichend Plätze zur Verfügung. Der Machtolsheimer Ortsvorsteher Jochen Sinn betonte, dass die ortsnahe Betreuung wichtig ist. Der Ortschaftsrat, der in der Sitzung keinen Beschluss zur Bedarfsplanung vorgenommen hat, wünsche sich eine längerfristige Lösung. Ausschussmitglied Alexander Frank (BWV) begrüßt die Form der Tagesmütter, hinterfragte aber die Vergabemodalitäten. Bei selbstständigen Tagesmüttern, so Troll, habe die Stadt keinen Einfluss auf die Platzvergabe. Alles laufe autonom. Andere Kommunen, so Blaustein oder Obermarchtal, hätten gute Erfahrungen gemacht. Als bedenklich sah Frank den 100-prozentigen Abmangel an. Diesem würde er nicht zustimmen. So sah es auch der Bürgermeister. Aufgeworfen wurde auch, ob Container, so genannte mobile Raummodule, eine Alternative – gerade auch für Machtolsheim – wären. Kaufmann gab zu bedenken, dass hohe Kosten entstünden, zudem beispielsweise Abwasser oder auch eine Baugenehmigung gewährleistet sein müssten.

Einstimmig befürwortet: Die Ausschussmitglieder befürworten die Aufstockung der Kleingruppe Kindergarten „Regenbogen“ sowie der Feldstetter Kita „Auf dem Berg“. Im Kindergarten „Albzwerge“ in Suppingen soll eine Krippengruppe entstehen. Die Verwaltung soll bezüglich der Finanzierung der zweiten Gruppe durch die Trägerschaft des Diakonieverbandes noch einmal in Verhandlungen gehen. Sofern die Machtolsheimer Kinder unter drei Jahren nicht in den Kindergarten aufgenommen werde können, soll die Kindertagespflege – beispielsweise im Kindergarten „Delau“ – eingerichtet werden. Dahingehend soll die Verwaltung allerdings noch nach Räumlichkeiten in der Kernstadt suchen.

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