Kripo ermittelt: Rechte Schmierereien auf Gedenktafel

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Redaktionsleiter

Eine Erinnerungstafel bei Laichingen ist von mutmaßlich rechten Schmierfinken verunstaltet worden. Die Tafel im Gewann Kohlhau, unmittelbar beim Wald Weidstetten, erinnert an den dortigen Absturz und Tod einer englischen Bomberbesatzung im Frühjahr 1945. Erinnert wird aber auch an deutsche Opfer des Zweiten Weltkriegs. Die Kripo hat sich eingeschaltet.

Dass in der Nacht des 16. März 1945, gegen 22 Uhr, ein britischer Lancaster-Bomber über Laichingen abstürzte und von den sieben Besatzungsmitgliedern nur einer überlebte, wie es auf der Gedenktafel beschrieben wird, scheint den unbekannten Schmierfinken offenbar zu gefallen. Mit einem Edding haben der oder die Täter den Schriftzug, in dem der Absturz beschrieben wird, ergänzt: „Gut so“; außerdem wurde „Bravo“ in die Metalltafel eingeritzt.

Zufällig von Passant entdeckt

Entdeckt wurde die verunstaltete Tafel zufällig von Passanten am Mittwoch. Diese informierten den Laichinger Geschichtsverein, welcher die Polizei einschaltete. Diese hat Anzeige erstattet, wegen „Sachbeschädigung/politisch“ sowie „Verunglimpfung“, wie eine Sprecherin der Ulmer Polizei der „Schwäbischen Zeitung“ am Donnerstag mitteilt. Eingeschaltet in die Ermittlung habe sich auch die Kriminalpolizei. Am Donnerstag lagen der Polizei nach eigenen Angaben noch keine Hinweise auf die Urheberschaft der Schmierereien vor. Auch war unklar, wann diese überhaupt vorgenommen wurden.

Edding-Schmiererei auf der Gedenktafel.
Edding-Schmiererei auf der Gedenktafel. (Foto: grs)

Überschrieben haben der oder die Täter auch einen Teil des Textes auf der Gedenktafel, und zwar die Passage, dass die Bomberbesatzung ihr Leben ließ „im Kampf gegen die verbrecherische Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten“. Außerdem „verkünstelten“ sie sich an einem auf der Tafel dargestellten Flugzeug, dieses zeigt nun Rauchschwaden (soll wohl den Abschuss darstellen). Und es wurde zusätzlich Flak-Beschuss aufgemalt.

Text wurde auch überschrieben.
Text wurde auch überschrieben. (Foto: grs)

Aufgestellt worden war die Tafel – befestigt an einem Stein – im Sommer 2015 vom Laichinger Geschichtsverein (wir berichteten). Anlass war auch ein Besuch von Nachkommen der ums Leben gekommenen Soldaten in Laichingen.

Eberhard Schanbacher vom Geschichtsverein gestaltete die Gedenktafel, das Schotterwerk Rösch Söhne in Feldstetten stiftete den Findling. Das Baugeschäft Schneider leistete maschinelle Hilfe beim Aufstellen in einem Betonfundament. Der Geschichtsverein wollte mit der Tafel „ein Zeichen für Frieden und Versöhnung“ setzen. Und er hoffte, dass möglichst viele Passanten „zum Nachdenken“ angeregt werden.

Für Heinz Pfefferle, den Vorsitzenden des Geschichtsvereins, ist die verschandelte Tafel ein „absolut nicht harmloser Akt“. Er ist verärgert und hofft, dass die Polizei den Urheber findet. Der Staat müsse zeigen, dass solche Taten nicht im Ansatz toleriert werden.

Erinnerung an Nürnberg

Auch deutscher Opfer des Zweiten Weltkriegs wird auf der Tafel gedacht, im Speziellen wird erinnert an die „zahllosen Opfern des Bombenkriegs“. Auch an jene, die in Nürnberg in jener Nacht des 16. März 1945 ums Leben kamen. Nürnberg war das Ziel des englischen Bombers. Hier seien, so steht es auf der Tafel, „großflächige Zerstörung, unermessliches Leid“ verursacht worden.

Beim Besuch der Nachkommen der Bomberbesatzung in Laichingen gab es auch einen Empfang. Die Redner betonten: Es gehe nicht um Schuld, Unschuld, um Täter oder Opfer – denn Opfer gebe es bei Kriegen immer auf allen Seiten.

Die unversehrte Tafel.
Die unversehrte Tafel. (Foto: sur)

Laichingens Bürgermeister Klaus Kaufmann, der beim Besuch der englischen Gäste selbst Drohungen der rechten Szene ausgesetzt war, verurteilt die Schmierereien. Dass „rechtes Gedankengut“ speziell in Laichingen ein Problem sein könnte, sieht er nicht; wohl aber „ein Problem in Teilen unserer Gesellschaft generell“. Kaufmann: „Rechte Schmierereien finden leider überall statt.“ Umso wichtiger sei es, „dass wir wieder besonderes Augenmerk auf Aufklärung über unsere Geschichte schon in den Schulen legen, um den Geschichtsleugnern keinen Raum zu geben“.

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