Krieg bringt in Laichingen Hungersnot und Grippe

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 Konrad Straub starb im Ersten Weltkrieg.
Konrad Straub starb im Ersten Weltkrieg. (Foto: PR)
Heinz Surek

Mehr zu dieser verheerenden Grippe-Epidemie und ihre Folgen für Laichingen gibt es in einer nächsten Folge.

Oktober 2018 und Oktober 1918 – welch ein Unterschied. Wir leben heute, und das schon seit mehr als 70 Jahren, in Frieden, Freiheit und relativem Wohlstand. Wir sind mit unseren Nachbarstaaten befreundet und arbeiten eng mit ihnen in der Europäischen Union zusammen. Vor hundert Jahren indessen bildeten diese Staaten eine „Welt von Feinden“, die angeblich dem Deutschen Reich seine Großmachtstellung neideten und ihm einen „Platz an der Sonne“ missgönnten. Und deshalb führte man dann einen widersinnigen, erbarmungslosen und völlig unnötigen Krieg, der sich von einem territorialen Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien zum europäischen und schließlich zum Weltkrieg auswuchs.

Diebstahl in Laichingen

Die Ernährungslage für die Bevölkerung ist auch im Herbst 1918 katastrophal. In Laichingen kommt es immer wieder zu Lebensmitteldiebstählen. So werden einer Bauernfamilie neun Brotlaibe aus dem Keller gestohlen. Einem Metzgermeister wird gar ein ganzes geschlachtetes Kalb entwendet. Allerdings kann der Dieb – es handelt sich um einen Soldaten – vom tüchtigen Landjäger Matthias Kächele ermittelt werden. Das Laichinger Bürgermeisteramt verhängt daraufhin eine „fleischlose Woche“, die allerdings zehn Tage dauert. Als Ersatz für entgangene Fleisch- und Wurstwaren gibt es für jeden „Versorgungsberechtigten“ bei der Abgabe seiner Fleisch-Karte 185 Gramm Mehl.

Über Pfarrer Wilhelm Lutz

Pfarrer Wilhelm Lutz, immer noch ein überzeugter Befürworter des Krieges und Anhänger der Generäle Ludendorff und Hindenburg, verlässt Laichingen, um die Pfarrstelle in Schäftersheim zu übernehmen. Zum letzten Mal hält er am 5. September in der übervollen St.-Albans-Kirche den Trauergottesdienst für sechs Laichinger Soldaten, die sterben mussten, weil die „Oberste Heeresleitung“ meint, einen sinn- und aussichtslosen Krieg verlängern zu müssen. Der erste der Gefallenen ist Hans Lecher, dessen Bruder Andreas bereits 1916 gefallen ist. Der zweite, Georg Häberle, der die „Hölle von Verdun“ und eine kriegsbedingte Lungen- und Rippenfellentzündung überlebt hat, wird von einem ausschlagenden Militärpferd so stark auf die Brust getroffen, dass er noch am Unglücksort verstirbt. Andreas Füllemann stirbt bei Reims durch einen Kopfschuss; er wird in dem Granattrichter beerdigt, in dem ihn die tödliche Kugel getroffen hat. Ludwig Hermann folgt als Gefallener für „Kaiser, Volk und Vaterland“ seinem Bruder Jakob, der ein Jahr zuvor den „Heldentod“ gefunden hat – gesucht hat er ihn bestimmt nicht.

Von der Fliegerbombe getötet

Auch der Bruder des im August 1918 gefallenen Ludwig Betz, Heinrich, ist bereits 1917 in Frankreich ums Leben gekommen. Und schließlich wird Konrad Straub, gerade mal zwanzig Jahre und zwei Monate alt, am 11. August 1918 in Champien bei Roye von einer Fliegerbombe getroffen und getötet. Posthum wird ihm an seinem Todestag das Eiserne Kreuz zweiter Klasse „verliehen“.

Mehr Glück als die Gefallenen haben die sechs Söhne des Zimmermeisters Johannes Ströhle: Albert, Martin, Max, Jakob, Johannes und Johann Georg. Sie überleben alle den Kriegseinsatz. Leutnant Albert Ströhle erhält gar das Eiserne Kreuz erster Klasse „eigenhändig vom Kaiser“. Johann Georg Ströhle indessen stirbt 1926 an den Folgen seiner Kriegsverletzung.

Spanische Grippe ist verheerend

Im September 1918 befindet sich Johannes Schwenkedel für ein paar Tage auf Heimaturlaub in Laichingen. Da wird er von einer Krankheit mit starkem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen heimgesucht, zu der auch noch eine Lungenentzündung hinzukommt. Am 28. September stirbt er daran – er ist eines der ersten Opfer der Spanischen Grippe, die in Laichingen besonders verheerend wütet. Seine Frau Walburga kann ihn noch auf den Laichinger Friedhof begleiten. Wenige Tage danach stirbt auch sie an der Grippe – vier kleine Kinder bleiben als Vollweisen zurück.

Mehr zu dieser verheerenden Grippe-Epidemie und ihre Folgen für Laichingen gibt es in einer nächsten Folge.

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