Kreis drückt jetzt dem Minister die Daumen

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Nahezu voll besetzt mit Bürgern der Alb: Besuchertribüne im Kreistag am Dienstag. Vorne: Bürgermeister Sven Kneipp aus Merklinge
Nahezu voll besetzt mit Bürgern der Alb: Besuchertribüne im Kreistag am Dienstag. Vorne: Bürgermeister Sven Kneipp aus Merklinge (Foto: rau)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Über alle Fraktionsgrenzen hinweg haben sich am Dienstag die Kreisräte in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause für die Realisierung des Bahnhalts ausgesprochen. Erstmals wurde die neue Studie zu dem Halt vorgestellt. Sie fiel unterm Strich (wie berichtet) negativ aus. Die Studienmacher kritisierten aber, dass sie dabei die weitere positive Entwicklung durch den Halt in der Region nicht berücksichtigen durften.

Das Zitat des Tages am Dienstagmittag stammte von Landrat Heinz Seiffert. „Wir sind alle Mordskerle“, meinte er, nicht ohne einen Funken Ironie, als es ihm zum Ende der Sitzung offenbar zu fiel wurde mit einigen Äußerungen von Kreisräten, die man auch als Lobhudelei verstehen konnte. Obwohl der Haltepunkt noch lange nicht eingetütet ist, zeigten sich viele doch sehr optimistisch, dass es nun auch so kommen werde. Viele Worte des Dankes waren gefallen, auch an die Verwaltung des Kreises gerichtet, für den bisherigen Einsatz um den Haltepunkt. Doch klar ist Stand heute nur: Der Haltepunkt hängt jetzt am Landesverkehrsministerium und am Bund. Daran erinnerte auch Seiffert: „Noch ist nichts in trockenen Tüchern.“ Es gebe genügend andere Bedenkenträger, die den Haltepunkt noch zu Fall bringen könnten. Verkehrsminister Winfried Hermann müsse man nun die Daumen drücken.

Ein schönes Signal: Es waren einige Bürger der Laichinger Alb gekommen und verfolgten die Sitzung. Die sich eigentlich nur mit dem Ergebnis der neuen Studie befassen sollte. Schließlich hatte die Geschichte um den gewünschten Bahnhalt am Freitag eine unerwartete Wendung bekommen. Eine politische Lösung soll nun her (wir berichteten).

Bevölkerungsrückgang könnte sogar aufgehalten werden

Dass die Studie mit einem Volkswirtschaftlichen Nutzen von -0,3 negativ ausfiel, war klar. Doch warum? Dies wollten die Kreisräte von den Vertretern der Arbeitsgemeinschaft „Ramboll-Obermeyer“ genau wissen. Viele konnten es trotz deren ausführlichen Erläuterungen auch danach nicht nachvollziehen, dass die Studienersteller mit dem konservativen Ansatz (950tägliche Nutzer) und nicht mit dem optimistischen (1600) gerechnet hatten. Erklärung: Dies sei mit dem Ministerium so abgestimmt worden, so sei die Studie auf jeden Fall robust.

Doch ins Negative aus schlägt die Studie wegen der 30 Millionen Euro, die für die schnelleren Züge benötigt würden (je drei Millionen für eine von zehn Zuggarnituren).

Wichtigste Erkenntnis des Tages aber dürfte gewesen sein: Ohne Faktor „neue Züge“ ist der Haltepunkt ein großer Gewinn für die Region. Für die Wirtschaft würde sich im unmittelbaren Umfeld des Haltepunkts ein „Premium-Standort“ ergeben, von steigender Nachfrage nach Gewerbeflächen und dem „Zuzug hochwertiger Nutzungen und neuer Arbeitsplätze“ sei auszugehen. Doch noch größer als für die Wirtschaft sei der Gewinn für die Bevölkerung der Laichinger Alb: durch teils extreme Reisezeitverkürzungen nach Stuttgart, den Flughafen oder Ulm. Landrat Seiffert betonte, dass es mit dem Halt auch einfacher würde, die Jugend der Laichinger Alb auf dieser zu halten.

Die Studienmacher gehen auch davon aus, dass die positiven Effekte des Halts mit jedem Jahr noch zunehmen, die strukturelle Stärkung würde ihre Wirkung erst nach 2030 voll entfalten. Doch diesen eigentlich positiven Aspekt hätten sie wegen des Standardcharakters der Studie nicht berücksichtigen dürfen, leider. „Aus meiner Sicht ein falsches Verfahren“, sagte offen Gerald Hamöller (Ramboll). Hauptnutznießer des Halts wären Merklingen, Laichingen, Westerheim, Nellingen, Hohenstadt, Drackenstein, Dornstadt und Heroldstatt. Hier könnte der Halt den prognostizierte Einwohnerrückgang verlangsamen, wenn nicht sogar aufhalten.

Kein anderer Halt leidet

Positiv auch: Der Halt würde Fahrgäste anderer Stationen (Filstalbahn, Donautalbahn) zwar abziehen, jedoch nicht so gravierend, dass dort Einschnitte zu befürchten wären.

Schon vorgelegt wurde sogar ein erster fiktiver Fahrplan: Demnach würde der erste Zug in Merklingen nach Stuttgart um 5.41 Uhr abfahren, der erste nach Ulm um 7.21 Uhr. Die Züge sollen im Stundentakt verkehren. Favorisiert von „Ramboll-Obermeyer“ wird der Bahnhalt von seiner Lage westlich der Gemeinde. Angelegt werden müsste ein Parkplatz mit bis zu 400 Plätzen, auch der Busverkehr müsste auf den Halt abgestimmt werden. Erfreut zur Kenntnis genommen haben dürften die Vertreter der Laichinger Alb das Bekenntnis aller Kreis-Fraktionen, die nun (hoffentlich) nötige Planung weiter mit einem Drittel zu finanzieren und später auch für die Busse zu sorgen.

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