Kooperation mit Unternehmen soll Schule in Laichingen besser machen

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 Zur Freude aller Beteiligten gibt es jetzt eine neue Kooperation zwischen dem Laichinger Gymnasium sowie der Firma Falch, von l
Zur Freude aller Beteiligten gibt es jetzt eine neue Kooperation zwischen dem Laichinger Gymnasium sowie der Firma Falch, von links hinten: Lehrerin Janine Horst, die Schüler Lotta Feller, Cecile Bingöl, Sarah Diez und Dion Agaj, Lehrerin Carole-Lynn Pozza; vorne links: Hauptamtsleiter Stefan Binder, Schulleiterin Cordula Plappert, Sabrina Harsch von der Firma Falch und Anita Radi-Pentz von der IHK Ulm. (Foto: Kroha)
Digital-Redakteur Alb-Donau-Kreis/Ulm

Eine „Win-Win-Situation“ ist angestrebt: Seit Mittwoch gibt es eine neue Kooperation zwischen dem Laichinger Albert-Schweitzer-Gymnasium und der Firma Falch mit Sitz in Merklingen und Blaubeuren. Die sagen von sich selbst, die weltbesten Wasserstrahler zu produzieren. Davon sollen jetzt auch die Laichinger Schüler profitieren – nicht nur mit Praktika, sondern auch mit anderen Aktivitäten quer durch den Schulalltag. Am Mittwoch ist ein entsprechender Vertrag unterzeichnet worden.

Auch wenn die 17 Jahre alte Sarah Diez aus der Kursstufe 2 des Laichinger Gymnasiums nach ihrem Abitur eher nicht in diese Richtung gehen will – ihr Praktikum zur Berufs- und Studienorientierung am Gymnasium (BOGY) absolvierte sie beim Landratsamt –, glaubt sie durchaus, dass Schüler so besser „einen Einblick“ ins Berufsleben bekommen.

„Für die, die später in dem Feld arbeiten möchten, ist das bestimmt sehr gut“, meint auch der 18-jährige Dion Agaj. Er steht ebenfalls kurz vor der Hochschulreife, profitiert von der neuen Kooperation nicht mehr, hätte es aber gerne gemacht, denn: Er will später ein Duales Studium im Ingenieurwesen angehen.

Theorie und Praxis verbinden

Unter anderem ein solches Duales Studium bietet auch die Firma Falch an, wie Sabrina Harsch, im dortigen Unternehmen für Ausbildung und Personalentwicklung zuständig, berichtet: Jeder kenne die Situation aus seiner Schulzeit, sagt sie. Jeder wisse zwar, was es links und rechts von einem gibt – aber nicht, was geradeaus passiert: „Wir wollen realistische Vorstellungen vom Berufsleben aufzeigen, Theorie und Praxis vereinen“, sagt Harsch und weiß auch, was die neue „langfristige“ Partnerschaft für die Firma mit rund 230 Beschäftigten im Zeitalter des Fachkräftemangels bringen kann und vor allem bringen soll: „motivierte und interessierte Bewerber“, nicht nur für das Duale Studium in den Bereichen Bewirtswirtschaft, IT oder auch Maschinenbau, sondern auch für die Ausbildungsplätze in den Bereichen Elektronik, Mechanik, Fertigung. Mindestens zwei ehemalige Schüler des Laichinger Gymnasiums sind schon bei Falch beschäftigt. Geht es nach Sabrina Harsch sollen es in Zukunft mehr sein.

 Anita Radi-Pentz von der IHK Ulm, Schulleiterin Cordula Plappert und Sabrina Harsch von der Firma Falch mit den unterzeichneten
Anita Radi-Pentz von der IHK Ulm, Schulleiterin Cordula Plappert und Sabrina Harsch von der Firma Falch mit den unterzeichneten Urkunden zur Bildungspartnerschaft. (Foto: Kroha)

Denn auch bei Falch wird festgestellt: Abiturienten haben immer weniger ein Problem damit, nach dem Abschluss nicht sofort zu studieren, sondern auf eine Ausbildung umzuschwenken oder zwischen zu schieben. „Ich finde das auch einen guten Weg“, sagt Harsch, „wenn man das Schritt für Schritt aufbaut“.

Das ist eine andere Welt als die schulische Welt.

Cordula Plappert, Rektorin des Laichinger Gymnasiums

Das Gymnasium verspricht sich durch die neue, inzwischen dritte Kooperation mit einem Wirtschaftsunternehmen einen „Mehrwert“, so Cordula Plappert, Rektorin des Laichinger Gymnasiums. Mit Falch habe sich die Schule einen „global player“ ins Haus geholt – mit „hohen Erwartungen“, die aber für die Schüler aber auch wichtig seien, um sich optimal für das nachfolgende Berufsleben vorzubereiten. „Sowas fehlt an der Schule“, sagt Plappert: Das Erlernen von Reiselyrik, Genetik und Fremdsprachen seien zwar wichtige Inhalte, aber die Schüler müssen auch wissen, wohin es beruflich geht. „Das ist eine andere Welt als die schulische Welt“, sagt die Rektorin. Die Schüler sollen ihren „Horizont erweitern“. Das soll nicht nur im Zuge der Bogy-Praktika in der zehnten Klasse geschehen, sondern zum Beispiel auch durch Betriebsführungen, Bewerbertrainings und/oder durch ein gemeinsames Projekt: „Ein Feuer entfachen für die Technik“, so Plappert.

Schülerbeförderung
Wenn der Bus zu voll ist: Eltern und Schüler der Laichinger Alb haben sich bereits beschwert. Der zuständige Unternehmen hat reagiert. Aber es gibt immer noch Anlass für Ärger.

Den Segen der Industrie- und Handelskammer (IHK) hat die neue Partnerschaft: „Das passt“, Anita Radi-Pentz von der IHK Ulm, die sich nach eigenen Angaben als „Dating-App für Bildungspartnerschaften“ sieht. Insgesamt rund 300 solcher Partnerschaften für rund 100 Schulen gibt es im Zuständigkeitsbereich der IHK Ulm. „Wir bringen die Menschen und die Unternehmen zusammen“, sagt sie. „Ob sie dann zusammen passen, müssen sie dann selbst herausfinden.“ Bei Falch und dem Laichinger Gymnasium seien die Bedürfnisse und Erwartungen in mehreren Runden abgeglichen, erweitert und/oder ergänzt worden. Die Kooperation hat jetzt „eine Basis“, findet Radi-Pentz.

Für die Schüler ist es wichtig, Erfahrung zu sammeln.

Stefan Binder, Hauptamtsleiter der Laichinger Stadtverwaltung

Auch die Stadt Laichingen begrüßt den Zusammenschluss von Schule und Unternehmen. „Für die Schüler ist es wichtig, Erfahrung zu sammeln“, sagt Stefan Binder, Hauptamtsleiter der Laichinger Stadtverwaltung. Für Laichingen erhöht die Kooperation „die Qualität der Schulstadt“, so Binder.

Die Firma Falch wurde 1986 von Malermeister Achim Falch gegründet, nach Unternehmenangaben mit einem Startkapital von 5000 Euro. Das erste Produkt war ein Farbwalzreiniger, der im ersten Jahr bis zu 600 Mal verkauft wurde. Es folgten die Niederlassungen in Merklingen und in Blaubeuren-Seissen mit jeweiligen Erweiterungen sowie die Weiterentwicklung der „weltbesten Wasserstrahler“. „Ein richtiger schwäbischer Gründer“, sagt Anita Radi-Pentz von der IHK Ulm: „bodenständig und smart“, der eigentlich mit etwas anderem gestartet sei. Sie findet also: Die Schüler am Laichinger Gymnasium bringen also „alles mit, um Erfinder zu sein“.

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