Kommentar: Mit zweierlei Maß

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Mit zweierlei Maß
Mit zweierlei Maß
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Wer austeilt, der muss einstecken können. Deshalb haben wir von der „Schwäbischen Zeitung“ kein Problem damit, wenn Vorstände des Laichinger Flugsportvereins oder andere unsere Berichterstattung über das geplante „Rock dein Leben“-Festival kritisieren. Das ist deren Recht. Doch ich bleibe bei meiner Meinung: Für einen Verein gehört es sich nicht, einem Festival Raum zu geben, welches Rechtsgesinnten Raum gibt. Was allerdings zu unseren Grundsätzen gehört: Auch wer nicht unserer Meinung ist, bekommt Platz in unserer Zeitung. Eine Selbstverständlichkeit. Alles andere wäre Zensur.

Zwar beteuern Flugsportverein und Veranstalter, dass es sich bei Bands und Publikum nicht um Rechte handeln werde (dies habe ich so aber auch nie behauptet). Jedoch kommen – gerade durch die Begründung, warum dies nicht der Fall sein werde – arge Bedenken auf. Man werde, haben Veranstalter und Vereinsvorstände immer wieder versichert, nämlich penibel darauf achten, dass Menschen, die als Rechtsextreme zu erkennen sind, nicht auf das Festivalgelände kommen. Sprich: Verein und Veranstalter haben Angst, dass sich Rechte auf dem Flugplatz tummeln. Wäre ich Vereinsvorsitzender, ich würde spätestens an dieser Stelle Abstand nehmen von einem solchen Vorhaben.

Vereine sollen dem allgemeinen Wohl dienen und nicht auf Gewinn ausgerichtet sein. Warum es dem allgemeinen Wohl dient, wenn neben Frei.Wild in Laichingen Bands auftreten mit Namen wie Grober Knüppel, Berserker, Krawallbrüder oder Brennstoff, erschließt sich mir nicht. Der Vorstand argumentiert, dass der Verein auf das Geld angewiesen ist, das er vom Veranstalter bekommt. Ein wackliges Argument. Im Umkehrschluss überleben Vereine nur dann, wenn sie helfen, Festivals zu veranstalten. Außerdem, so wurde bei der Hauptversammlung bekanntgegeben, stehe der Flugsportverein finanziell „solide“ da.

Eine gute Gelegenheit wäre es gewesen, der SZ als Kritikerin bei der Hauptversammlung darzulegen, warum der Verein das Geld trotzdem so dringend braucht. Doch der Verein hat sich anders entschieden und unserem Freien Mitarbeiter den Zugang verweigert. Es hieß, er solle sich erst entschuldigen für unsere Berichterstattung (was er natürlich nicht tat, wie könnte er auch? Er hat bisher keine Zeile über das Festival geschrieben). Eine Vertreterin einer anderen Zeitung durfte die Versammlung besuchen.

Ob man dies nun Zensur nennt? Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung. Eines tut der Vereinsvorstand aber in jedem Fall: Er misst mit zweierlei Maß. Und grenzt aus. Nicht primär uns als Zeitung, sondern alle Laichinger, die es interessiert, was im Sommer los sein soll in ihrer Stadt.

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