Kommentar: Übers Ziel hinausgeschossen?

Lesedauer: 4 Min
Übers Ziel hinausgeschossen?
Übers Ziel hinausgeschossen?
Redaktionsleiter

Respekt vor Veranstalter Andy Kamm und dem Flugsportverein. Sie haben ein Festival auf die Beine gestellt, dass sich organisatorisch nicht zu verstecken braucht vor anderen großen Events dieser Art. Der Aufwand war groß, und er hat sich – fragt man die vielen gut gelaunten und friedlich feiernden Besucher – gelohnt. Dabei wehte Kamm und dem Flugsportverein viel Kritik ins Gesicht. Auch von uns.

Dies wiederum haben wir an den drei Tagen selbst zu spüren bekommen. In abwechselnder Besetzung haben wir das Geschehen auf dem Flugplatz verfolgt. Viele Festivalbesucher, aber auch Mitglieder des Flugsportvereins machten deutlich, was sie von unserer Berichterstattung halten: nichts. Zu einseitig hätten wir berichtet, den Fokus nur auf angebliche, drohende rechte Auswüchse gelegt. Die es dann gar nicht gegeben habe. Sind wir tatsächlich übers Ziel hinausgeschossen?

In einem haben unsere Kritiker recht: Wir haben im Vorfeld tatsächlich vor allem über Probleme berichtet, die einem Deutschrock-Festival aus unserer Sicht innewohnen. Weniger darüber, dass ein solches Festival womöglich auch eine Chance sein kann für Laichingen. Und im Nachhinein war es das auch, was der Veranstalter versprochen hatte: Eine Party, auf der die Leute einfach nur feiern wollen. Letztlich alle, mit denen ich gesprochen habe, waren sympathisch und freundlich, auch Philipp Burger, der Frei.Wild-Sänger.

Andy Kamm aber irrt, wenn er sagt, dass nun bewiesen sei, dass die Bedenken angesichts des friedlichen Verlaufs „unberechtigt“ gewesen seien. Das waren sie nicht. In ein paar Punkten haben sich die Bedenken auch bestätigt. Unabhängig vom Musik-Geschmack ist es höchst fragwürdig, ja bedauerlich, dass Bands wie die Goitzsche Front Parolen in die Welt hinaus grölen können, wie jene, dass Politiker „Schweinepriester“ sind. Und dafür auch noch bejubelt werden. Oder dass eben jene Band Vokabular und Bilder benutzt – in „Männer aus Stahl“ –, mit denen auch die NS-Propaganda gearbeitet haben könnte (auch wenn die Band den Song noch „ironisch“ bricht). Oder wenn zu solchen Liedern rechte Arme in die Höhe gereckt werden und die vermeintliche Feiergeste exakt jenem Gruß gleicht, wie er im Dritten Reich als Ehrerbietung üblich war. Auch spielte eine angereiste Fangruppe Musik, die sogar dem Veranstalter zu heikel war. Die Musik musste abgestellt werden.

Wer uns vorwirft, nur das Negative zu beleuchten – was wir nicht tun und in den vergangenen Tagen auch nicht getan haben –, der sollte sich fragen, wie er mit solchen Bildern, Botschaften und Gesten umgeht. Sie waren die wirklich großen Ausnahmen. Aber es hat sie gegeben. Vieler Bedenken im Vorfeld zum Trotz.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen