Knöllchen-Abzocke beim Ostermarkt?

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Groß war der Ansturm auf den Ostermarkt. Geparkt wurde deshalb auch auf der Wiese neben dem Friedhof. Im Stadtzentrum herrschte
Groß war der Ansturm auf den Ostermarkt. Geparkt wurde deshalb auch auf der Wiese neben dem Friedhof. Im Stadtzentrum herrschte an vielen Stellen Parkverbot. (Foto: brück)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Die Stadt Laichingen hat sich beim Ostermarkt am Montag ein Ei ins Nest gelegt – finden zumindest einige Besucher des Marktes. Sie kritisieren, dass flächendeckend Strafzettel wegen Falschparkens verteilt worden seien. In vielen Fällen hätten die Parksünder aber gar keine andere Möglichkeit gehabt, als ihr Auto in dem verbotenen Bereich abzustellen. Weil es schlicht zu wenige reguläre Parkplätze gegeben habe. Die Stadt widerspricht.

„Eine neue Einnahmequelle der Stadt Laichingen?“, fragt Johannes Walter, der am Montag über den Laichinger Ostermarkt geschlendert ist. Was er meint: Hinter vielen Scheibenwischern habe er Knöllchen entdeckt. Und das nicht nur im Zentrum, sondern auch in Wohngebieten. Laut Laichingens Hauptamtsleiter Stefan Binder seien wegen des Markts von städtischen Mitarbeitern in der Summe Strafzettel in „niedrigem dreistelligen Bereich“ ausgestellt worden, genauer: zwischen 100 und 200. Walter rechnet hoch: „Bei 150 Strafzetteln à 20 Euro macht das 3000 Euro“ – keine schlechte Zahl findet er. Was „lukrativ“ für die Stadt sei, sei letztlich, so befürchtet es Walter, aber schädlich für den Einzelhandel. Denn jeder, der ein Knöllchen kassiert habe, würde es sich überlegen, „ob er das nächste Mal wieder zu einem Markt nach Laichingen kommt“. Und je weniger Besucher in die Innenstadt kommen – und sei es auch nur für einen Marktbummel –, desto weniger bleibe unterm Strich bei den Laichinger Händlern hängen.

Stefan Binder kann den Ärger von Parksündern grundsätzlich verstehen. Er gibt jedoch zu bedenken, dass die wegen des Markts ausgesprochenen Halteverbote in bestimmten Bereichen vom Landratsamt gefordert und festgelegt wurden, wie in den Vorjahren auch. Und gemeinsam auch mit Polizei und Feuerwehr. Letztlich, so Binder, im Interesse aller. Denn es gehe darum, dass im Notfall Rettungskräfte schnell vorankommen. Auch weist er eine zweite Kritik Walters zurück, nämlich, dass die Stadt beim diesjährigen Markt unangemessen hohe Strafen verlangt habe. „Die Höhe können wir nicht frei bestimmen, das sind festgelegte Sätze“, sagt Binder. Walter – der selbst keinen Strafzettel bekommen haben will – hatte sich über die 20 Euro teuren Knöllchen gewundert, werden in Laichingen ansonsten bei Parkverstößen doch „nur“ zehn Euro fällig. Binder erklärt: 20 Euro kostet es, wenn im Halteverbot geparkt wird. Günstiger komme weg, wer „nur“ die Parkscheibe nicht richtig eingestellt habe.

Künftig Shuttlebusse einsetzen?

Was Johannes Walter ärgert, sind nicht die Strafzettel als solche („unbestritten ist es berechtigt, Falschparkern ein Knöllchen zu verpassen“), sondern, dass die Verwaltung aus seiner Sicht nicht ausreichend auf legale Parkmöglichkeiten am Ostermarkt hingewiesen habe. So sei vielen letztlich gar nichts anderes übrig geblieben, als in den neu ausgewiesenen Halteverbotszonen zu parken. Walter fragt: „Wo sollen denn vielen Besucher parken, wenn an jeder Ecke ein Parkverbotsschild steht?“ Bei einem Ansturm wie am Montag hält es Walter für angebracht, dass die Stadt Shuttlebusse einsetzt, die die Besucher von auswärts gelegenen Parkplätzen in die Innenstadt bringt. Walter: „Ein Shuttle vom Skilift oder vom Gewerbegebiet wäre hier vielleicht eine Idee.“ Gar nicht so abwegig: findet auch Stefan Binder. „Müsste man mal diskutieren.“ Grundsätzlich habe die Stadt aus seiner Sicht aber so viele Parkplätze wie möglich bereitgestellt. So durfte zum Beispiel auf der großen Wiese neben dem Friedhof geparkt werden.

Laichingens Hauptamtsleiter hat sich zuletzt ausgiebig mit dem Laichinger Gemeindevollzugsdienst beschäftigt (stellt auch die Strafzettel aus). Weil die betreffende Mitarbeiterin länger krank war (und dies noch immer ist), gab es Zeiten, in denen in Laichingen gar keine Parkraumüberwachung stattfinden konnte. Zwei neue 50-Prozent-Stellen wurden deshalb ausgeschrieben. Die Gespräche mit Interessierten hätten schon stattgefunden. Man befinde sich, so Binder, in einer letzten „Abstimmungsphase“. Sein Ziel: Dass die Stellen ab Juli besetzt sind.

Dagegen dürfte Johannes Walter nichts haben. Bei großen Märkten sei es aber Aufgabe der Stadt, „die ja auch die Standgebühren kassiert“, dafür zu sorgen, dass ausreichend Parkmöglichkeiten vorhanden sind. Die Besucher, die in Laichingen Geld lassen, dürften am Ende nicht die Dummen sein. Sonst sei am Ende die Stadt die Dumme. Johannes Walter mahnt: „Im Internet zu bestellen geht einfacher, als in den Geschäften zu kaufen.“

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