Kirche und Wirte lieferten das Kapital

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Allerhand Exponate sind bei der Ausstellung zu sehen, die kürzlich veröffentlicht wurde. (Foto: Hansjörg Steidle)
Schwäbische Zeitung

Dass die Kirche, Stiftungen, Wirte, Müller, Metzger und Viehhändler in den Dörfern der Alb in der Vorbankenzeit die wichtigsten Kapitalgeber waren, das wird in einer interessanten Ausstellung in der Zweigstelle Feldstetten der Filial-Sparkasse Laichingen aufgezeigt. Der Ortshistoriker Dr. Eberhard Schanbacher hat zahlreiche Exponate zusammengetragen, die die Geschichte des Geldes – vor allem in Feldstetten – dokumentieren.

Im Mittelpunkt der Ausstellung findet sich ein Inventarbuch von 1696, das Schanbacher dank der Spende der Sparkasse Ulm über 500 Euro restaurieren lassen konnte. Dieses für die Feldstetter Heimatgeschichte wichtige Dokument lag über Jahrhunderte ungeschützt und unbeachtet unter dem Rathausdach, wo es Feuchtigkeit, Hitze und Kälte sowie Mäusefraß ausgesetzt war. In der Folge war es stark zerstört. Die Restauratoren der Buch- und Papierrestaurierung Helmut Rauch aus Böhringen haben das alte Inventarbuch wieder herzustellen können.

„Dieses Inventarbuch lieferte viele Daten und Fakten zur Feldstetter Ortsgeschichte und insbesondere zu der des Geldes“, erklärte Historiker Schanbacher bei der Ausstellungseröffnung. Es sei jetzt mit einem Schuber versehen, um diesen „unschätzbaren Geldzeugen“ zu schützen. Er wie auch Ortsvorsteherin Elisabeth Enderle dankten Filialdirektor Peter Müller und der Sparkasse Ulm für die „unbürokratische Unterstützung“ zum Erhalt des wertvollen Dokuments. Enderles Dank galt ferner Schanbacher, den „Schatzmeister alter Bücher und Dokumente in Feldstetten“, der mit Leidenschaft und dem richtigen Auge historische Schriften erhalte und aufarbeite.

Bevor Schanbacher auf die Geldgeschichte Feldstettens einging, verwies er auf die ausgestellten Münzen und Geldscheine, die in der Vitrine neben den Büchern und Schriften zu sehen sind: Münzen aus der Zeit der Kelten und Römer, aus dem Mittelalter und der Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert: Kreuzer, Halbbatzen, Kronentaler sowie Pfennigmünzen aus dem Dritten Reich und der frühen Bundesrepublik. Auch ein Bündel von Millionen Reichsmark aus der Hochinflation von 1923 liegt in der Vitrine.

Als Zeugnis aus der Keltenzeit besitzt eine Feldstetter Familie ein „Regenbogenschüssle“, das ein aufmerksamer Vorfahr vor 200 Jahren beim Pflügen entdeckt hatte. Dies ist eine kleine, eingebuchtete Goldmünze der Kelten. Vor rund 80 Jahren wurden im Norden der Feldstetter Gemarkung einige römische Münzen mit einem Abbild des Kaisers Trajan gefunden, die allerdings während der amerikanischen Besatzung nach dem 22. April 1945 verschwanden.

Die Kirche sei wichtigster Grundherr und Kapitalgeber im 17. und 18. Jahrhundert gewesen, neben Wirten, Metzgern, Müllern und Viehhändlern, erklärte Schanbacher in seiner geschichtlichen Abhandlung übers Geld, wie in dem Lagerbuch „Haylig Sankt Gall zu Veldstetten“ von 1607/08 nachzulesen sei. In dem dicken Wälzer seien hunderte von Personen und Körperschaften aufgelistet, die der Kirche als Schuldner jährliche Abgaben und Zahlungen zu leisten hatten. Früher sei der Unterschied zwischen arm und reich viel krasser gewesen als heute, führte Schanbacher aus und dokumentierte dies an der Mitgift, die Frauen mitbringen mussten, um überhaupt den Bund der Ehe schließen zu dürfen.

Auf ein weiteres interessantes Dokument verwies der Historiker: In einem „Gülltbrieff“, einer Urkunde über Zahlungsverpflichtungen vom 22. März 1667, verpflichtet sich die bürgerliche Gemeinde der Kirchenkasse, die für die Armenfürsorge zuständig war, 70 Gulden (etwa 7850 Euro), zurückzuzahlen und jährlich auf Martini mit drei Gulden zu verzinsen.

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