Jetzt trifft die Krise auch die Kläranlagen

 Kläranlagen in der Region – wie hier die Heroldstatter Becken – haben mit dem Engpass zu kämpfen.
Kläranlagen in der Region – wie hier die Heroldstatter Becken – haben mit dem Engpass zu kämpfen. (Foto: arc/hjs)
Redaktionsleiter

„Die Krise stinkt zum Himmel“, mag sich der ein oder andere denken. Ein umgangssprachlicher Ausdruck, der bald schon Realität wird? Denn Kläranlagen landauf und landab haben derzeit mit Lieferengpässen sogenannter Fällmittel zu kämpfen. So auch Werke in der Region. Welche Auswirkungen der drohende Mangel dieser wichtigen Chemikalien hat, welche Umständlichkeiten in der Folge für den Kläranlagenbetrieb drohen und warum Alternativen nur Zwischenlösungen wären, erklärt Christopher Petznick, Sachbearbeiter Tief- und Straßenbau, zuständig unter anderem für das Thema Kläranlage bei der Stadtverwaltung Laichingen.

Die angesprochenen Fällmittel sind bestimmte Chemikalien, die benötigt werden, um das Abwasser zu reinigen. Konkret geht es darum, gelöste Phosphate zu binden, um damit zu verhindern, dass diese in hoher Konzentration in Gewässer gelangen. Würde dieser Schritt fehlen, könnte das zum Problem für beispielsweise Flüsse werden – oder im Fall der Laichinger Kläranlage für den Blautopf. In Laichingen kommt Eisen-III-Chlorid für die Fällung von Phosphat zum Einsatz. Als Grund für den Engpass dieser Chemikalie führen Branchenkenner an, dass aufgrund der hohen Energiepreise weniger Salzsäure produziert wird und diese wiederum für die Herstellung der Fällmittel ein Grundprodukt darstellt. „Es gibt Schwierigkeiten, gewisse Mengen zu ordern“, so Petznick.

Algenbefall droht ohne Fällmittel

Je mehr Phosphat, und damit auch Phosphor, im Wasser landet, desto größer ist die Chance, dass sich insbesondere Algen massenhaft vermehren. Dient Phosphat diesen doch als Dünger. Hat das Gewässer wiederum einen zu starken Algenbefall, wird diesem Sauerstoff entzogen, sodass Fische und andere Tiere sterben und es kippen könnte. Daher gibt es bundesweit definierte Grenzwerte von Phosphor im Wasser.

Die Lage sei aber nicht aussichtslos, so der städtische Mitarbeiter. Denn zum einen, so habe er erfahren, würde die Produktion von Salzsäure wieder Fahrt aufnehmen. Und auf der anderen Seite habe der 30 Kubikmeter fassende Tank der Laichinger Kläranlage Reserven bis Anfang des nächsten Jahres. Das Problem sei aber, dass eine Betankung wie sonst üblich, nämlich zwei Mal im Jahr, gerade aufgrund der geringen Verfügbarkeit nicht realistisch sei. Kleinstmengen aber gebe es immer wieder zu bestellen. Doch dann wartet schon das nächste Problem. Denn daraus ergibt sich der Nachteil, dass kleine Mengen in anderen Gebinden geliefert werden und so die Mitarbeiter die automatische Steuerung der Anlage aufheben müssten, um die Chemikalie dem Abwasser zuzusetzen.

Es gebe durchaus Ersatzstoffe, etwa Aluminiumsulfat, welches das Aluminiumsalz der Schwefelsäure ist. Dieses sei besser verfügbar, habe aber einen entscheidenden Nachteil: „Die Kosten sind höher.“

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