Jakob Dokter kämpft sich zurück: Helfen Sie mit

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Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Ein plötzlicher Schlaganfall hat Jakob Dokter aus dem Leben, wie er und seine Familie es bis dahin kannten, herausgerissen. Ärzte hatten den 38-Jährigen schon abgeschrieben, doch der Machtolsheimer kämpft sich seit einem Jahr zurück. Eine riesige Stütze sind ihm seine Familie und seine Freunde. Doch auch sie stoßen an Grenzen. Vor allem zehrt der Schlaganfall die Familie finanziell aus. Zumindest aber das Haus möchten die Dokters als Heimat behalten. Die Stadt Laichingen hat ein Spendenkonto eingerichtet für alle, die Jakob Dokter helfen wollen, den Schicksalsschlag zu überwinden.

Wenn man ihn brauchte, war er zur Stelle, fragte nicht, wofür. Für seine beiden jungen Kinder, seine Frau, seine Freunde. Für viele war Jakob Dokter ein Fixstern. Und bis Sommer vergangenen Jahres führte er ein erfülltes Leben. Mit einem Haus in Machtolsheim, das er nach seiner Schicht bei Surteco renovierte, mit vielen Hobbies und Interessen.

Bis zu jenem Abend am 2. August. Seine Frau Olivera erinnert sich: „Ich lag schon im Bett, Jakob saß noch draußen auf der Terrasse. Plötzlich hörte ich Schreie. Hilfe, rief er, Hilfe.“ Sie eilte nach draußen und fand ihren Mann, in sich zusammengesackt. Mehr oder weniger bewegungsunfähig. Der Notarzt kam, im Krankenhaus dann die Diagnose: Schlaganfall. Mit 37 Jahren.

Jakob Dokter war immer ein sportlicher Typ, schlank. Am liebsten spielte er mit seinen Freunden Volleyball in Berghülen. Heute wird ihm der Schweiß von der Stirn getupft, das Wasser gereicht, das er durch einen Strohhalm trinkt. Die genaue Ursache des Schlaganfalls liegt noch immer im Dunkeln. Irgendwas mit dem Herz, vermuten aber heute die Ärzte. Und sie machten vor allem zu Beginn nur wenig Hoffnung: Das Gehirn sei durch die gestörte Sauerstoffzufuhr in Folge des Schlaganfalls massiv geschädigt worden. Ihre Prognose: Jakob Dokter werde wohl ein Pflegefall bleiben – bis an das Ende seiner Tage.

Doch seine Familie und seine Freunde wollten sich damit nicht abfinden. Anders als in womöglich vielen anderen Fällen rückten sie noch enger zusammen. Jakob Dokter kam zunächst in eine Reha-Klinik in Burgau in Bayern, sie alle besuchten ihn dort so oft es ging. Freundin Nicole bastelte ihm ein Fotobuch, „damit er uns nicht vergisst“.

Anfangs wurde er durch eine Sonde ernährt, war gar nicht mehr Herr im eigenen Körper. Doch mit Hilfe seines Umfelds schaffte Jakob Dokter das, sagen seine Freunde, für viele Ärzte Unmögliche. Gestützt durch seine Freunde konnte er plötzlich ein paar wenige Schritte weit gehen. Doch die nächsten Rückschläge sollten bald folgen. Die Behörden, so finden seine Freunde, haben Jakob Dokter im Stich gelassen. Und täten dies teils noch immer.

Gehandelt hat Bernhard Schweizer. Der Laichinger Rechtsanwalt, Stadtrat und OKV-Geschäftsführer wurde vergangenen Dezember zum Betreuer Jakob Dokters bestimmt. Seither kümmert er sich gemeinsam mit dessen Freunden um Angelegenheiten der Familie. Für Schweizer hat der Zusammenhalt des Freundeskreises „eine gewisse Einmaligkeit“.

„Ein Kumpel, den man sich wünscht“

Einer seiner engsten Freunde kennt Jakob Dokter schon seit Kindesbeinen an. „Erst haben wir uns geprügelt. Daraus wurde eine Freundschaft fürs Leben“, erzählt Ugur aus Berghülen. Und eine, die auch konkret hilft. Der Berghüler kümmerte sich darum, dass das Bad im Hause Dokter komplett umgebaut wurde. Die Badewanne kam raus, eine mit Rollstuhl befahrbare Dusche hinein. Alles, ohne einen Cent zu nehmen. Zu seiner Motivation sagt Ugur: „Jakob ist ein Kumpel, den man sich wünscht.“

Der jedoch seinerseits nun viel Hilfe benötigt. Und die will auch Laichingens Bürgermeister Klaus Kaufmann geben. Gemeinsam mit Bernhard Schweizer und Jakob Dokters Freunden und Familie sitzt er auf der Terrasse des Einfamilienhauses in Machtolsheim. Kaufmann hat die Schirmherrschaft übernommen über eine Spendenaktion, mit der der Familie finanziell unter die Arme gegriffen werden soll (siehe Zusatz am Ende des Artikels). Denn nicht nur die Therapie ist unendlich teuer, es muss ja noch das Haus abbezahlt und vollends behindertengerecht umgebaut werden. Es sieht von außen noch immer so aus, wie zum Zeitpunkt, als der begeisterte und talentierte Heimwerker das letzte Mal Hand anlegte.

„Er bekommt alles mit“

„Jeder Cent, den Menschen spenden, kommt an“, verspricht der Laichinger Bürgermeister. Auch er werde spenden, und er appelliert: „Helfen Sie, damit Dokters zumindest ihr Eigenheim behalten können.“ Das Motto der Spendenaktion lautet: „Gemeinsam schaffen wir es.“ Dankbar sind Jakob Dokters Freunde aber auch über Sachspenden, die beispielsweise von Therapeuten kommen könnten.

Jeweils zwei Einheiten Logo-, Ergo- und Physiotherapie bekommt Jakob Dokter derzeit wöchentlich. Und die Fortschritte, die er mache, die seien enorm. Geistig ist Jakob Dokter voll auf der Höhe. „Er bekommt alles mit“, sagt seine Frau. Mit den Händen kann er Zeichen geben, nickt und versucht mittlerweile, wieder zu sprechen.

Als der Schlaganfall zuschlug, war Jakob Dokter, der in Laichingen bei Surteco als Maschinenführer im Werk II arbeitete, nicht unfallversichert. Ansonsten würde die Familie finanziell weicher fallen. Nun sind Job und Einkommen weg, und die Erkrankung geht ans Geld. In manch’ ähnlichem Fall, erzählt Bürgermeister Klaus Kaufmann, kämen Patienten schon recht bald in ein Pflegeheim, würden „ausgesteuert“, wobei nach und nach das eigene Ersparte aufgezehrt werde. Bis am Schluss nur noch ein Mensch übrig bleibt, in einem Bett, und die Welt zieht vorbei.

Den genau gegensätzlichen Weg will Jakob Dokter einschlagen. Gerne würden seine Frau und seine Freunde ihn wieder in einer Reha-Klinik mit ständigen professionellen Maßnahmen zur Genesung unterbringen. In seiner Situation sei eine kontinuierliche Rehabilitation das Wichtigste. Klaus Kaufmann nickt. Doch eine solche Maßnahme liege derzeit in weiter Ferne. Die Behörden würden nur helfen, wenn sie nicht mehr anders könnten. Selbst für das Nötigste reiche es kaum. „Wir müssen um alles kämpfen“, sagt Freundin Nicole, die ebenfalls mit dabei auf der Terrasse der Familie in Machtolsheim sitzt.

Zwölf Wochen habe die erste Reha gedauert, zu kurz. Oft sei am Freitag nicht klar gewesen, ob die Reha am Montag weitergeht. Dies habe auch Jakob zermürbt. Doch Ugur sagt: „Jakob ist ein Kämpfer!“

Einer, mit wirklich tollen Freunden. Sie fordern ihren Kumpel richtiggehend. Mit Zeichensprache geben sie sich mittlerweile nicht mehr zufrieden. Sie wollen, dass Jakob versucht, mit ihnen zu sprechen. Und wenn er Essen fallen lässt, dann heben sie dieses nicht sofort für ihn auf. Das soll er selbst versuchen. Ihr Ziel ist es, dass er irgendwann wieder auf eigenen Beinen stehen kann. Und wenn man ihm in seine lebendigen Augen schaut, sieht man sofort: Das ist auch sein sehnlichster Wunsch.

Jeder Euro hilft und kommt an! Das Spendenkonto wurde von der Stadt Laichingen eingerichtet. IBAN: DE26630500000008600103 (Sparkasse Ulm), BIC: SOLADES1ULM. Natürlich wird eine Spendenbescheinigung ausgestellt. Dazu ist es nötig, dass Spender bei der Überweisung ihren Namen und ihre Adresse angeben. Der Verwendungszweck lautet „Jakob Dokter“.

Fragen per Mail an aktionjakob@web.de, diese beantwortet auch Bernhard Schweizer unter 07333 / 9611-0.

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