In 21 Tagen vom Gerippe zum Bus

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 Der erste von Karl Kässbohrer gebaute Bus aus dem Jahr 1911. Eingesetzt wurde er auf der Linie Ulm – Wiblingen.
Der erste von Karl Kässbohrer gebaute Bus aus dem Jahr 1911. Eingesetzt wurde er auf der Linie Ulm – Wiblingen. (Foto: sur)
Heinz Surek

Exkursionen mit der Volkshochschule Laichingen-Blaubeuren-Schelklingen, zu industriellen Großbetrieben und anderen wirtschaftlichen Unternehmungen, zu kulturellen Einrichtungen und Sportstätten, erfreuen sich großer Beliebtheit. So auch am Freitag, als 20 Teilnehmer aus Laichingen und Blaubeuren, unter ihnen viele Frauen, sich aufmachten, das modernste Omnibushersteller-Werk Europas, die Evo Bus GmbH in Neu-Ulm, zu besichtigen. Die „Schwäbische Zeitung“ erstattete jedem, der eine SZ-Abokarte vorwies, eine Treue-Prämie von fünf Euro.

Empfangen werden die Älbler von Werksführer Paul Leibing, einem pensionierten führenden Mitarbeiter der ehemaligen Firma Kässbohrer und der heutigen Evo Bus GmbH. Zunächst erkundet die Gruppe mit dem Bus das Firmengelände mit seinen 700 000 Quadratmetern und lässt sich die Fertigungsbereiche zeigen: das Montagewerk, wo an 99 Stellplätzen an ebenso vielen Bussen gearbeitet wird, den Ankunftsbereich für die Rohkarosserien, die aus dem Werk Mannheim auf Güterzügen angeliefert werden, die Multifunktionshalle, den „Bus Store“ für Gebrauchtbusse, das Ausbildungszentrum, wo 80 Auszubildende auf ihren künftigen Job vorbereitet werden, und vieles mehr.

Die noch unansehnlichen Rohkarosserien werden zunächst lackiert, und dann finden in der Montagehalle der Innenausbau und die Endmontage statt. Die Ausstattung mit allem, was zu einem modernen Bus gehört – vom Motor, Getriebe, den Achsen, der Klimaanlage, den Sitzen bis zum Einbau des WC – dauert hier 21 Tage. Im Halbstunden-Takt werden die Busse zum nächsten Montageplatz befördert und weiter ausgebaut.

Auch die Sitzbänke werden in Neu-Ulm gefertigt. Hier gibt es besonders viele individuelle Kundenwünsche, beispielsweise bei der Auswahl des Musters der Sitzbezüge, bekanntlich seien die Geschmäcker verschieden, erklärt Paul Leibing und fügt hinzu: „Wenn alle den gleichen Geschmack hätten, dann würden tausend Männer ein und derselben Frau nachsteigen.“

Elf fertige Busse verlassen täglich die 40 000 Quadratmeter große Montagehalle. Dann gibt es noch eine ganze Reihe von Prüfungen in der Multifunktions- und der Finish-Halle, ehe es auf die Straße zu einer längeren Probefahrt geht. Und dann kann der Kunde seinen neuen Bus abholen, den er vor 65 bis 70 Tagen bestellt hat. Kostenpunkt je nach Ausstattung: um die 400 000 Euro.

Die Besuchergruppe nimmt zwar keinen Bus mit, wohl aber einen bleibenden Eindruck von einer äußerst interessanten Werksführung. Man bedankt sich artig bei Paul Leibing und überreicht ihm die Ausgabe der „Schwäbischen Zeitung“ vom Vortag, in der über die Entwicklung bei Evo Bus Neu-Ulm berichtet worden ist. Außerdem gibt es für den sympathischen Werksführer Pralinen, damit er bei seiner Frau gut’ Wetter machen könne, falls sie sich beschweren sollte, er sei mit Kässbohrer,beziehungsweise Evo Bus mehr verheiratet als mit ihr.

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