Helferkreis sucht Paten für Flüchtlingskinder

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Flüchtlingsreferentin Birgit Tegtmeyer (Mitte) gibt geflüchteten Kindern Nachhilfe.
Flüchtlingsreferentin Birgit Tegtmeyer (Mitte) gibt geflüchteten Kindern Nachhilfe. (Foto: Reulen-Surek)
Schwäbische Zeitung
Gabriele Reulen-Surek

Familie K. aus Syrien verbringt dieser Tage wieder mehr Stunden am Fernseher als in den vergangenen Monaten. Die Luftangriffe der Türkei auf die Provinz Afrin holen die Schrecken des Krieges wieder nach Laichingen, wohin die Familie vor zwei Jahren geflohen war.

„Die Gedanken dieser und anderer Familien sind wieder mehr in der Heimat“, sagt Birgit Tegtmeyer, Flüchtlingsreferentin bei der Stadt Laichingen. Dies ist eines der Probleme, mit denen auch die Kinder täglich zur Schule gehen. Um ihnen das Ankommen in der Schule zu erleichtern, ist der Helferkreis nun auf der Suche nach Paten für Schüler.

Die syrischen Kinder, so Birgit Tegtmeyer, bemühten sich redlich, in der ihnen noch neuen Sprache zu lernen – aber es gebe viele Hindernisse. Neben den Sorgen und bei vielen auch traumatischen Erlebnissen komme hinzu, dass die deutsche Schrift für die Kinder völlig anders ist. Schreibt man im Arabischen von rechts nach links, so ist das in Deutschland umgekehrt. Schon allein dieser Unterschied mache gerade älteren Schülern enorme Probleme. „Das Gehirn ist so darauf trainiert, von rechts her zu lesen, dass ich immer noch manchmal im Satz stocke, weil der Blick plötzlich ganz nach rechts abschweift“, sagt der 22-jährige Samir, der bereits nahezu fließend Deutsch spricht.

Bei anderen Jugendlichen sind es auch fehlende Kenntnisse im Rechnen, mit denen sie zu kämpfen haben. Und von den Eltern ist wenig Hilfe zu erwarten, denn die müssen ja selber mit der fremden Sprache zurechtkommen. Sie sind außerdem mit vielen bürokratischen Hürden konfrontiert und beschäftigt.

Auch Schülerinnen helfen

Aus diesem Grund haben Kurt Wörner für den Helferkreis und Flüchtlingsreferentin Birgit Tegtmeyer gemeinsam nach Unterstützung für die Schüler gesucht. Und wurden fündig. Drei Schülerinnen der Klassen 10 bemühen sich zweimal in den Mittagsstunden gemeinsam mit Tegtmeyer darum, Schülern ab Klasse 5 bei den Hausaufgaben zu helfen. Die Schülerinnen machen das ehrenamtlich und bringen sich engagiert ein. Sie selber haben auch den sprachlichen Vorkurs durchlaufen und haben deshalb das Bedürfnis, Mitschülern in einer ähnlichen Situation zu helfen.

Einzelne Schüler haben auch individuelle Unterstützung von deutschen Helfern gefunden. Das sei der Idealfall, meint Birgit Tegtmeyer. Und sie fügt hinzu: „Wir brauchen unbedingt eine persönliche Betreuung für viele der Kinder. Also so eine Art Schülerpatenschaft, bei der deutsche Väter, Mütter, Omas, Opas sich individuell um ein Kind kümmern.“ Zu viel Potenzial gehe sonst verloren, meint die Flüchtlingsreferentin, die für viele Familien Ansprechpartnerin ist. Deshalb hat sie kürzlich bei einem Treffen des Helferkreises Alarm geschlagen. Und so sucht der Helferkreis jetzt gemeinsam mit der Flüchtlingsreferentin Schülerpaten. „Den Kindern und Jugendlichen zu helfen dient letztendlich auch dazu, zu vermeiden, dass diese aus Frust auf dumme Gedanken kommen“, meint eine Frau aus dem Helferkreis. „Und es ist einfach ein tolles Erlebnis, wenn man merkt, dass ein Kind oder junger Mensch plötzlich flüssiger lesen, schreiben oder rechnen kann“, fügt ein weiterer Mitarbeiter hinzu.

Der Laichinger „Helferkreis für Menschen auf der Flucht und in Not“ bittet die Bürger und Bürgerinnen in Laichingen darum, Schülerpatenschaften zu übernehmen. Man kann sich individuell mit dem betreffenden Kind verabreden und ihm bei den Hausaufgaben helfen. Auch Familienpatenschaften werden gesucht. Dabei geht es darum, den Menschen bei Alltagsfragen helfend zur Seite zu stehen. Wer sich vorstellen kann, sich hier einzubringen, kann sich melden bei Birgit Tegtmeyer, 07333/85-85 sowie mobil 0162 985 88 54.

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