Heiner Beck ist Genussbotschafter

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 Heiner Beck erläuterte bei einem „Tag der offenen Tür“ mit der Schwäbischen Zeitung in seiner Bäckerei in Böhringen wie ein Tei
Heiner Beck erläuterte bei einem „Tag der offenen Tür“ mit der Schwäbischen Zeitung in seiner Bäckerei in Böhringen wie ein Teig zu kneten ist und was zu beachten ist. (Foto: Steidle)
Schwäbische Zeitung
lejo

Hohe Auszeichnung für Heiner Beck aus Römerstein: Seit Samstag darf er sich Genussbotschafter nennen. Diese Auszeichnung hat ihm die Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium, Friedlinde Gurr-Hirsch, in Münsingen verliehen. Als Genussbotschafter Baden-Württembergs werden seit 2008 Persönlichkeiten, Unternehmen und im Einzelfall auch Zusammenschlüsse von Akteuren gewählt.

In der Regel kommen diese aus den Bereichen Produktion, Verarbeitung und Vermarktung von Lebensmitteln, Medien, Gastronomie und Tourismus sowie aus Aus- und Fortbildungseinrichtungen.

Insgesamt wurde der Preis 39 Mal vergeben. Heiner Beck wurde während des 7. Genussgipfels unter dem Motto „Essen als Religion – Moral als Würze“ ausgezeichnet, „weil er sich seit vielen Jahren für die Verwendung regionaler Rohstoffe und Zutaten engagiert“, sagte Gurr-Hirsch im Württemberg Palais (ehemaliges Offizierscasino) im Albgut (einst Altes Lager).

Der Bäckermeister sei bestrebt, alte Sorten der Schwäbischen Alb durch Verarbeitung in der Bäckerei wieder aufleben zu lassen. Er pflege daher viele Partnerschaften mit Lieferanten und entsprechenden Akteuren der lokalen Land- und Ernährungswirtschaft. „Jeden Tag ebbes Neues, ebbes B’sonderes“, lobte die Staatssekretärin in ihrer Laudatio.

„Die Genussbotschafter 2019 verkörpern eine Lebensmittelkultur, die Qualität und Genuss zusammenbringt. Sie stehen für ein Verständnis für die Produktion, die Dienstleistung und regionalen Wertschöpfungsketten als Ergebnis ihrer Verwurzelung und Geschichte“. Dies sagte die Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Friedlinde Gurr-Hirsch (MdL), am Samstag anlässlich des 7. Genussgipfels „Essen als Religion – Moral als Würze“ in Münsingen.

Essen und persönlicher Lebensstil

Was, wie und mit wem wir essen, werde immer mehr zum Ausdruck des individuellen Lebensstils, anderseits spiele auch die Frage nach und die Auseinandersetzung mit der richtigen Ernährung und somit einer zukunftsfähigen Lebensmittelproduktion eine immer größere Rolle, so die Landtagsabgeordnete. „Wenn sich die Frage der Identität an unseren Essgewohnheiten klären lässt, bedeutet das, dass sich letztendlich unsere Wirklichkeit in unseren Einkaufstaschen widerspiegelt. Dies zeigt, welche Ideen und Maßnahmen wir dann für eine zukunftsfähige Lebensmittelkultur brauchen“, sagte die Staatssekretärin.

Auf dem Genussgipfel hielt Professor Harald Lemke den Impulsvortrag zum Thema „Zur gastrosophischen Utopie einer Ernährungswende“. Seit zehn Jahren lehrt der Gastrosoph am Zentrum für Gastrosophie (Ernährung – Kultur – Gesellschaft) der Universität Salzburg. Seit Januar 2009 arbeitet das Interdisziplinäre Zentrum für Gastrosophie an der Universität Salzburg daran, die vielschichtigen und komplexen Themen rund um das Essen zu erforschen.

Vor dem Hintergrund, dass die Gesellschaft bei der Ernährung vor neuen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen steht und auf neue Trends reagieren muss, formulierte Professor Harald Lemke die gastrosophische Leitfrage: „Wie wollen wir leben, wie leben wir gut?“ Um Entscheidungen treffen zu können, werden dazu Kriterien, Wertbezogenheit und Reflexion benötigt.

„Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir frei entscheiden können, was wir essen. Diese Wahlfreiheit differenziert unsere Esskultur. Diese gibt uns aber auch mehr Verantwortung für unser Handeln und Tun“, betonte Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch. Hierzu würden Trendforscher behaupten, dass eine verantwortungsvolle und vielfältige Esskultur das Potenzial als Kitt einer globalen Gesellschaft hat, ohne dabei auf die regionale Identität verzichten zu müssen.

Konsumverhalten wird bestimmt

„Unsere Zeit ist von Dynamik und Expansion geprägt, die Veränderungen in immer schnelleren Schritten mit sich bringen. Die Globalisierung bestimmt dabei Politik, Handel, die technischen und somit die individuellen und gesellschaftlichen Entwicklungen, gestaltet aber auch Lebensmodelle und Lebensbedingungen und auch das Konsumverhalten jedes Einzelnen“, sagte Staatsekretärin Gurr-Hirsch.

Anhand dieser Entwicklungen würden sich aber auch Gegenbewegungen erzeugen lassen, wie etwa die zunehmende Bedeutung von Regionalität. „So geht es beim 7. Genussgipfel um viele in die Zukunft gerichtete Fragestellungen und Ansätze, denn das Verständnis von Lebensmittelkultur ist, dass Genuss heute mehr als die Anhäufung von Gütern ist, sondern auch etwas mit Echtheit, Gesundheit und Ethik zu tun haben muss“, so die Staatssekretärin.

Neben Bäckermeister Heiner Beck, Inhaber der Backstube BeckaBeck in Römerstein mit zahlreichen Filialen, wurde auch die Meistervereinigung Gastronom Baden-Württemberg aus Ehingen-Dächingen mit einem Preis bedacht.

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