Handschlag zählt auch heute noch beim Tiermarkt

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Adelbert Hagel führt einen Pferdehandel in Kirchbierlingen bei Ehingen. Seit 40 Jahren ist er auch schon auf Tiermärkten dabei.
Adelbert Hagel führt einen Pferdehandel in Kirchbierlingen bei Ehingen. Seit 40 Jahren ist er auch schon auf Tiermärkten dabei. (Foto: Scholz)

Der Hahn kräht und eine kleine Ziege stupst an das Euter des Muttertieres. Die Sonne war gerade aufgegangen. An Ostermontag zog es viele Besucher in die Laichinger Innenstadt. Mit dem Tiermarkt wurde um 8 Uhr auch der Ostermarkt eröffnet.

Mit von der Partie ist auch Adelbert Hagel. Er hat einen Pferdehandel in Kirchbierlingen bei Ehingen. Zum Tiermarkt hat er Haflinger Stute Lydia und die Lewitzer Stute Lissy mitgebracht. 2000 bis 2500 Euro müssen Interessierte bieten, um eines der Pferde ihr eigenes nennen zu können. „Mein Vater hatte auch schon Pferde. Ich selbst bin seit 40 Jahren dabei“, erzählt Hagel. Die Tiermärkte – so auch jener in Laichingen – seien für ihn eine Selbstverständlichkeit. „Die Tiermärkte sind eine Tradition, die von den Städten aufrecht erhalten werden möchte. Sie locken auch Leute an“, erzählt der Händler. Ob er ein Geschäft abschließt, kann er nicht sagen. „Man tauscht als Händler auch mal untereinander. Oder es kommen Privatleute. Dann führen wir die Tiere auch vor“, erklärt Hagel. Er kennt sich aus und weiß, wie ein Tiermarkt abläuft. Deswegen weiß er auch: „Der Handschlag zählt damals wie heute immer noch. Er ist wie ein Vertrag.“ Heißt: Es wird verhandelt, in die Hände eingeschlagen und damit gekauft.

Züchter aus Nachbar-Landkreisen

Einfacher hat es Silke Hatwagner. Sie ist extra aus Eislingen angereist. Die Züchterin möchte einen Zwergwidder ergattern und wird auch gleich fündig. Mit dem Händler wird noch gefachsimpelt und das Geschlecht des Tieres überprüft. Schließlich soll es nach dem Kauf keine Überraschungen geben. 25 Hasen und 70 Meerschweinchen besitzt Hatwagner. Nun kann sie ein weiteres Tier hinzufügen. „Das ist hier eine gute Möglichkeit. Deswegen sind wir auch immer dabei. Es kommt dann sprichwörtlich frisches Blut in den Bestand hinzu“, zeigt Hatwagner auf. Mit dabei ist auch ihre Tochter Solveig. Sie freut sich, dass ihre Mutter fündig geworden ist. Nach dem Kauf geht es aber nicht direkt nach Hause zurück. „Jetzt laufen wir natürlich noch über den gesamten Ostermarkt“, zeigt Silke Hatwagner auf. Danach führt sie der Weg als Abschluss noch einmal auf das Parkplatzareal zwischen der Stadtbücherei und dem evangelischen Gemeindehaus.

Kontrollen und Vorschriften

Dort hat Adelbert Hagel seine Tiere noch immer im Blick. Die Vorschriften seien im Laufe der Jahre strenger geworden. „Die Kontrollen und die Vorschriften mit Blick auf das Veterinärwesen haben sich verschärft. Das ist für uns Händler natürlich sehr spürbar“, sagt Hagel. Auch der Widerstand von Tierschützern sei nicht so einfach. Trotzdem sei für Hagel bei den Tiermärkten auch immer wichtig: „Es muss einfach alles in Ordnung sein. Das ist klar.“

Im Laufe des Tages wird es in Laichingens Zentrum immer voller. Die Besucher drängen sich durch die Straßen. Über 200 Marktbeschicker haben ihre Stände aufgebaut und locken mit ihrer Ware. Textilien, Backwaren, Dekorationsartikel, Spielwaren, Schmuck, Haushaltswaren und Verpflegungsbuden: Die Händler laden zum Bummeln ein.

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