Halle ist nicht funktionsfähig – trotzdem wird nicht gehandelt

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 Benannt ist die DSH nach Daniel Schwenkmezger, Laichinger Bürgermeister von 1945 bis 1972. Den Hallenbau erlebte er nicht mehr,
Benannt ist die DSH nach Daniel Schwenkmezger, Laichinger Bürgermeister von 1945 bis 1972. Den Hallenbau erlebte er nicht mehr, er starb kurz zuvor. (Foto: Siegemund)
Redaktionsleiter

Wie verfährt man mit einer Halle, „die nix mehr taugt“? Die Laichinger Daniel-Schwenkmezger-Halle (DSH) stand in der jüngsten Gemeinderatssitzung schwer unter Beschuss. Die Verwaltung wollte die Stadträte dazu bewegen, einem Sanierungskonzept zuzustimmen. Doch diese spielten nicht mit. Sie sahen es nicht ein, einen weiteren Millionenbetrag in die Mehrzweckhalle zu stecken. Dadurch dürfen sich auch weiterhin maximal nur 300 Menschen in der Halle aufhalten.

Schon jetzt darf die Daniel-Schwenkmezger-Halle (benannt nach einem früheren Laichinger Bürgermeister) nur noch eingeschränkt genutzt werden. Die Stadt, Schule sowie Vereine müssen mit der Beeinträchtigung leben, dass sich in der Halle statt bis zu 800 Menschen nur noch 300 Personen aufhalten dürfen. Grund der Einschränkung sind vor allem Brandschutzmängel. Doch es sind nicht nur die Fluchtwege zu eng, es hapert an vielen Ecken und Enden. Die Lüftungsanlage schafft einen zu geringen Luftaustausch, auch sei die „Dachauflast“ nach heutigen Berechnungen zu gering. Ab einer bestimmten Schneelast müssen die Verantwortlichen den Schnee vom Dach räumen.

Die Verwaltung schlug den Stadträten vor, einem am Montag in groben Zügen skizzierten Sanierungskonzept zuzustimmen. Doch die Kosten von veranschlagten anderthalb Millionen Euro – wobei nicht klar ist, wo die Stadt diese überhaupt auftreiben soll – waren der Mehrheit der Räte schlicht nicht zu verantworten. Tenor im Gremium: Angesichts solch’ hoher Kosten muss die Frage gestellt werden, ob es nicht wirtschaftlicher ist, die Halle abzureißen und eine neue zu errichten.

LAB und BWV sind sich einig

Die LAB werde dem Sanierungsplan der Verwaltung „sicher nicht zustimmen“, sagte deren Fraktionssprecher Bernhard Schweizer. Es sei „nicht vertretbar“, 1,5 Millionen Euro in eine „derart marode Halle zu stecken“. Schweizer stellte fest: „Mir stellen sich die Nackenhaare.“ Und: Die DSH – errichtet Anfang der 70er-Jahre – sei eine Halle, „die nix mehr taugt“. Und selbst wenn die Stadt die veranschlagte Sanierungssumme auf der hohen Kante hätte, bestünde weiter die Gefahr, dass neue Kosten auf die Stadt zu kämen, angesichts des Alters der Halle. Die jetzt festgestellten Mängel (im Januar fand eine Besichtigung mit dem Landratsamt statt) bezeichnete Schweizer als nur „die Spitze des Eisbergs“.

 Benannt ist die DSH nach Daniel Schwenkmezger, Laichinger Bürgermeister von 1945 bis 1972. Den Hallenbau erlebte er nicht mehr,
Benannt ist die DSH nach Daniel Schwenkmezger, Laichinger Bürgermeister von 1945 bis 1972. Den Hallenbau erlebte er nicht mehr, er starb kurz zuvor. Ihm zu Ehren wurde vor vier Jahren eine Gedenktafel an der Halle angebracht; hier wird sie von seinem Amtsnachfolger Klaus Kaufmann gerade enthüllt. (Foto: rau)

Unterstützung kam von Uli Rößler, dem Sprecher der größten Fraktion im Rat, der BWV. Er erinnerte an Veranstaltungen, bei denen sich in der Vergangenheit auch schon Mal 1200 Leute in der Halle getummelt hätten. Wegen schlechter Durchlüftung sei damals aber „niemand umgeflogen“, allerhöchstens vielleicht „vom Alkohol“. Er erinnerte an ein besonders schneereiches Jahr, welches die Halle mit ihrem Flachdach problemlos überlebt habe.

1,5 Millionen Euro – nur damit die DSH wieder von 800 Menschen besucht werden kann: Diese Kosten seien ihm zu hoch. Rößler konkretisierte deshalb die Idee, die DSH abzureißen und eine neue Halle zu bauen. Was an sich keine neue Idee ist, sondern bereits seit einigen Jahren diskutiert, aber immer wieder verworfen wurde. Auch im bereits in der Schublade liegenden Konzept für den Umbau des Schulzentrums (wir berichteten), welches einen Neubau von Grund- und Gemeinschaftsschule neben Realschule und Gymnasium vorsieht, wird der Abriss der DSH empfohlen.

Bürgermeister für Sanierung

Bürgermeister Klaus Kaufmann hingegen warb für die Sanierung. Denn der Stadt fehle schlicht das Geld, jetzt eine neue Mehrzweckhalle zu errichten. Würde die Halle saniert, dürften – bis die Sanierung abgeschlossen ist – größere Veranstaltungen mit mehr als den festgelegten 300 Personen auch wieder stattfinden, insofern eine Brandwache vor Ort ist.

Für einen Hallenneubau würden 1,5 Millionen Euro bei Weitem auch nicht ausreichen. Und selbst wenn die Stadt das Geld hätte: Zunächst an der Reihe sei ja der Neubau der Erich-Kästner-Schule (Grund- und Gemeinschaftsschule). Auch deren Bestandsgebäude ist bekanntlich in schlechtem Zustand (ebenfalls wegen des Brandschutzes). Immerhin darf die Stadt die Schule nun doch noch bis auf Weiteres betreiben.

Bauamtschef Günter Hascher konkretisierte den vorgesehenen Bau-Zeitplan der Stadt: Zunächst sei die Gemeinschaftsschule dran, dann die Grundschule, es folge womöglich eine Mensa und dann erst die neue Halle.

Diesem Automatismus wollte Uli Rößler nicht folgen. Er stellte klar, dass seine Fraktion hier nicht mitspielen werde. Solange sich das Umland nicht an den Kosten für die anstehenden Schul-Neubauten beteilige, werde die BWV-Fraktion dem Neubau der Gemeinschaftsschule nicht zustimmen.

Lösung aber noch möglich

Trotz der verfahrenen Lage scheint eine Lösung in der Hallen-Frage weiter möglich. Hatte die Stadt doch im vergangenen Sommer beim Bund eine Millionen-Förderung zur Ertüchtigung der DSH beantragt; im selben Antrag auch einen Zuschuss, um einen Kunstrasenplatz bauen zu können. Ob Laichingen hier zum Zug kommt, steht allerdings noch nicht fest.

Die Zukunft der DSH wurde sodann vertagt (auf Antrag von BWV-Stadtrat Reiner Fink). Erst wenn klar ist, ob Laichingen in den Genuss der Fördermillionen kommt, soll das Thema wieder auf die Agenda des Gemeinderats. Was im Gegenzug zur Folge hat, dass der Betrieb eingeschränkt bleibt – wenn er nicht noch weiter eingeschränkt wird. Auf jeden Fall rückt der Wunsch von Bürgermeister Klaus Kaufmann weiter in die Ferne, dass in der Stadt irgendwann wieder Veranstaltungen mit bis zu 1000 Personen in einer Halle möglich sind; Schulabschlussbälle zum Beispiel.

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