„Grenze ist überschritten“

Lesedauer: 5 Min
Schwäbische Zeitung
Brigitte Scheiffele

Ein schmaler und namenloser Verbindungsweg zwischen Uhlandstraße und Mörikestraße ist in Laichingen zu einem beliebten Treffpunkt von Schülern geworden. Doch ihr Aufenthalt sorgt für Ärger bei Anwohnern. Schon um 7 Uhr morgens donnert laute Musik in die Schlafzimmerfenster. Auch durch ständigen Zigarettenrauch und Müll fühlen sich Anwohner belästigt. Außerdem stinkt es nach Urin. Die Krönung: ein Knallkörper, der über eine Gartenmauer flog und vor einem Fenster explodierte. „Jetzt ist eine Grenze überschritten“, sagt Hans-Dieter Schaufler. Er beklagt: Obwohl das Problem bekannt ist, hat die Stadtverwaltung noch nicht reagiert.

Stadtverwaltung, Gemeinderat und einzelne Stadträte, ebenso die angrenzende Martin- und Erich-Kästner-Schule seien schon lange Zeit über die Vorfälle informiert, sogar eine Ortsbegehung durch Mitarbeiter der Stadtverwaltung habe stattgefunden. Geändert aber habe sich: nichts. Dies beklagt Hans-Dieter Schaufler, einer der Anwohner des schmalen Verbindungswegs zwischen Uhlandstraße und Mörikestraße. Anfang Januar hatten sich einige Anwohner bei der Bürgerfragestunde einer Gemeinderatssitzung zu Wort gemeldet und sich über die aus ihrer Sicht unhaltbaren Zustände beklagt.

Untätige Verwaltung?

Vergangene Woche griff der Jugendbeirat das Thema auf, auf Anregung der Laichinger Stadtverwaltung. Idee: Wenn das Problem schon von Jugendlichen verursacht wird, dann soll es von solchen auch aus der Welt geschafft werden. Aber warum hat die Verwaltung seit Monaten offensichtlich nichts gegen das Problem getan? „Wir sind keine Verhinderungsbehörde, sondern können nur Regeln aufstellen und ahnden, wenn wir vor Ort sind“, erklärt Hauptamtsleiter Stefan Binder. „Kontrolle ist aber nicht rund um die Uhr möglich.“

Laut Hans-Dieter Schaufler wurde der kleine Verbindungsweg zwischen Mörike- und Uhlandstraße vor etwa 20 Jahren „in gut gemeinter Absicht“ von der Stadt asphaltiert, um damit einen sicheren Schulweg zu bieten (Karte). Doch als solcher werde er kaum benutzt, dafür umso mehr von Minderjährigen, zum Teil schon elfjährigen Schülern, die dort öffentlich und während der Schulpausen rauchen würden. Sein Fazit: überall Kippen, Zigarettenschachteln, Trinkdosen, Verpackungspapier. Und das, obwohl die Anwohner immer wieder auch mit den Jugendlichen selbst sprechen und Rücksicht einfordern. Schaufler: „Wir zeigen Flagge und sprechen mit den jungen Menschen, aber es fruchtet nicht.“

„Belebt“ sei der Verbindungsweg nicht nur zwischen sieben Uhr und Schulbeginn, sondern auch zur Pause um 9 und gegen 11 Uhr, so Schaufler. Weiter gehe es dann, wenn Nachmittagsschule sei und sobald es wärmer werde, auch am Abend. „Bei besserem Wetter geht die Post ab.“

Was Schaufler und einige mit betroffene Anwohner aber freut: Der Vorsitzende des Laichinger Jugendbeirats, Yannik Schrade, habe sich in „lobenswerter Weise“ sofort an die Anwohnerschaft gewandt. Schauflers Lösungsansatz: Der Verbindungsweg müsste geschlossen werden. Yannik Schrade will so weit nicht gehen. Der SZ teilt er mit, dies wäre schade; aber ein respektvolles Verhalten sei nun einmal erforderlich. Im Jugendbeirat kam man zu dem Schluss, dass die Stadt Mülleimer aufstellen soll – zeitnah.

Außerdem will der Jugendbeirat Kontakt zu den Jugendlichen aufnehmen und beobachten, ob sich die Situation entspanne. „Es geht nicht darum, Schülern irgendwas zu diktieren, sondern an ihr Verständnis für die Situation zu appellieren“, sagt Schrade und ergänzt: „Wir bleiben dran, wir schauen danach.“ Worte, die sich Hans-Dieter Schaufler eigentlich schon früher auch von der Stadtverwaltung gewünscht hätte...

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen