Geheimnisvoll: Höhle regt Phantasie an

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Andi Scheurer (re) überreicht Höhlenkatasterführer Richard Frank seine Unterlagen zur Sontheimer Höhle.
Andi Scheurer (re) überreicht Höhlenkatasterführer Richard Frank seine Unterlagen zur Sontheimer Höhle. (Foto: su)
Susanne Kuhn-Urban

Den Auftakt zur traditionellen Wintervortragsreihe des Höhlen- und Heimatvereins Laichingen hat Andreas Scheurer vom Höhlenverein Sontheim mit seinem Vortrag über das „Geheimnis der Sontheimer Höhle“ eröffnet. Eigentlich forscht Andreas Scheurer, Forschungsabteilungsleiter im Sontheimer Höhlenverein, in finstren, engen Gängen, glitzernden Hallen oder tiefen Schächten.

Dieses Mal jedoch wagte er sich in ganz andere Gefilde: auf der Suche nach Original-Bildern und Dokumenten zur Sontheimer Höhle durchforstete er die Staats- und Landesarchive sowie private Sammlungen. Hintergrund ist der neue Höhlenführer über die Sontheimer Höhle, den Andreas Scheurer zurzeit vorbereitet. Der bisherige Höhlenführer ist vergriffen und soll neu überarbeitet wieder aufgelegt werden, diesmal jedoch in Farbe.

Detektivische Kleinarbeit

Auf Grundlage des bereits vorliegenden Höhlenführers machte sich der 26-jährige Höhlenforscher auf die Suche nach den Originalen der Abbildungen von Zeichnungen, alten Höhlenplänen oder den Funden aus Alemannischer Zeit. In detektivischer Kleinarbeit und mit Unterstützung von Göppingens Kreisarchivar Walter Ziegler machte er beispielsweise ein Skizzenbuch von Louis Kolb ausfindig. Dieser zeichnete 1828 die erste bildliche Darstellung der Sontheimer Höhle.

Erfolgreich verlief auch die Suche nach dem ältesten Höhlenplan der Schwäbischen Alb, der die Sontheimer Höhle abbildet. In den „Beyträgen zur Naturgeschichte des Herzogtums Wirtemberg“ wurde Andi Scheurer fündig, diese sind im Landesarchiv Baden-Württemberg in der Abteilung „Alte Schriften“ aufbewahrt, den originalen Höhlenplan von Philipp Heinrich Weißensee aus dem Jahr 1791 fand der Forscher im Staatsarchiv Ludwigsburg. Mit dabei war eine Beschreibung der Höhle zu jener Zeit, jedoch in unleserlicher Schrift. Höhlenvereinskamerad Raimund Pantel konnte weiterhelfen und übersetzte das Schriftstück. Weißensee war beeindruckt von der Größe der Eingangshalle, in der ein Bauernhäuschen Platz gehabt hätte und beschrieb einen großen Versturz oberhalb der Abschlusshalle, von dem jedoch heute nichts mehr zu sehen ist.

In der archäologischen Dauerausstellung des Ulmer Museum sind die Glasperlen und Korallenketten aus der Alemannenzeit, die in der Sontheimer Höhle gefunden wurden, ausgestellt. Auch Literaturrecherchen hat Andreas Scheurer betrieben. So wird im berühmten Werk Gustav Schwabs, „Die Neckarseite der Schwäbischen Alb“, die Sontheimer Höhle beschrieben. In einem Gedicht von David Friedrich Strauß (1808 bis 1874) ist die Rede von Münsingens Oberamtmann Hoyer, der das Sontheimer Höhlenpfingstfest möglicherweise wieder ins Leben gerufen hat. Und schon vor gut 500 Jahren, am Ende des 15. Jahrhunderts, beschreibt der Ulmer Dominikaner Felix Fabri die Höhle am Ende des Tiefentals, die er geeignet für abergläubische Rituale der Alten hielt.

Zum Abschluss seines kurzweiligen Vortrags überreichte Andreas Scheurer Richard Frank vom HHVL Laichingen, der das Höhlenkataster der Schwäbischen Alb betreut, die gesammelten Unterlagen seiner Geschichtsforschungen zur Archivierung. (sz)

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