FreiWild: Sprüche gegen Rechts auf Festivalgelände

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Eine dieser Hallen auf dem Gelände des Laichinger Flugsportvereins haben Unbekannte mit rechtsradikalen Symbolen besprüht.
Eine dieser Hallen auf dem Gelände des Laichinger Flugsportvereins haben Unbekannte mit rechtsradikalen Symbolen besprüht. (Foto: Kroha)
Michael Kroha

Durchgestrichene Hakenkreuze, Sprüche gegen Rechtsradikale und eine stinkende Flüssigkeit haben bislang Unbekannte von Donnerstag auf Freitag auf dem Gelände des Laichinger Flugsportvereins hinterlassen. Zu sehen ist davon nicht mehr viel. Und die Polizei will eigentlich nicht darüber sprechen: „Die beste Bekämpfung ist, wenn man es totschweigt“, so ein Sprecher. Doch der Vorfall birgt eine gewisse Brisanz.

Der Flugsportverein stellt sein Gelände vom 19. bis 21. Juli für das Deutsch-Rock-Festival „Rock dein Leben“ zur Verfügung. Dort soll unter anderem die Band Frei.Wild auftreten. Ihr wird vorgeworfen, mit ihren Liedern am rechten Rand zu fischen. Das wird von Fans und auch von den Festivalorganisatoren verneint. Der Verfassungsschutz soll laut Verein keine Einwände gegen die Band haben.

Frei.Wild ist umstritten

Die Schmierereien waren laut Polizeisprecher nicht direkt an das Festival gerichtet gewesen – nur „dummes Gekritzel“. Festivalveranstalter Andy Kamm geht dennoch davon aus, dass es einen Zusammenhang gibt. Mehr aber will auch Kamm zu diesem Fall nicht sagen. Der 41-Jährige möchte den Konflikt, der ohnehin schon groß genug sei, ungern anheizen. Er spricht von einem „Einzelfall“: Bei bisherigen Festivals oder Konzerten von Frei.Wild sei Ähnliches noch nicht vorgekommen. Kleinere Proteste aus dem „linken und antifaschistischen Lager“ sowie Briefe an die jeweils betroffene Stadtverwaltung habe es schon gegeben. Mehr nicht.

Es gebe aber durchaus Menschen, die der Meinung sind, dass Frei.Wild rechts ist, erzählt Kamm. Das sei aber keineswegs der Fall. Er bedauert deshalb, dass nun der Flugsportverein leiden muss: „Das tut mir im Herzen wirklich weh.“ Vom öffentlichen Druck ganz abgesehen, beläuft sich der Sachschaden durch die Schmierereien auf rund 3000 Euro. Dabei will der Verein mit dem Festival Geld verdienen und Werbung für sich und seinen Sport machen, um zukunftsfähig zu sein. Eine Schadenbegleichung seitens des Veranstalters werde laut Kamm derzeit geprüft, er müsse aber schauen, dass es den finanziellen Rahmen nicht sprengt.

Verein ist verärgert

Die Flugsportler wollen sich indes wegen der vorangegangenen Berichterstattung seitens der „Schwäbischen Zeitung“ mit weiteren Aussagen zum Festival zurückhalten. Über die Schmierereien haben sie sich – wie eben jeder andere Geschädigte auch – natürlich geärgert, berichtet Alfred Schosser vom Vorstand des Flugsportvereins – aber: „Wir wollen nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen“, sagt er und verweist auf das Sicherheitskonzept.

Bei einem Treffen am 24. Januar mit Polizei, Sanitäter, Feuerwehr, Landratsamt, Naturschutz, Stadtverkehrsbehörde, Flugsportverein und der Stadt haben die Veranstalter ein erstes Konzept für 10 000 Menschen vorgestellt. Wie viele Karten bereits verkauft wurden, will Kamm nicht sagen. Das Konzept aber muss überarbeitet werden. Bis Ende Februar haben die Veranstalter Zeit, die Auflagen der Behörden zu erfüllen. Dass seit dem Unglück bei der Loveparade 2010 in Duisburg höhere Sicherheitsstandards bei Musikveranstaltungen eingefordert werden, findet Kamm „richtig so“.

Die Stadtverwaltung will die Schmierereien nicht überbewerten. „Wir werden beobachten, wie sich das entwickelt“, sagt Susanne Dörenbecher, bei der Stadt Laichingen für das Sicherheitskonzept des Festivals zuständig: „Wir sind nicht dagegen, aber auch nicht dafür. Wir machen das wertneutral.“ Der Verein habe die Möglichkeit, das zu machen. „Und wenn alles eingehalten wird, gibt es keinen Grund, dagegen zu arbeiten.“

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