Frei.Wild erwünscht, kritische Presse nicht

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Schwäbische Zeitung
Digital-Redakteur Alb-Donau-Kreis/Ulm

„Da habe ich einen Fehler gemacht. Dazu stehe ich auch“, räumte Hans-Peter Bleher am Montag ein. Am vergangenen Freitag hatte der Vorsitzende des Laichinger Flugsportvereins (FSV) einem Vertreter der „Schwäbischen Zeitung“ den Zutritt zur Mitgliederversammlung verwehrt. Eine Vertreterin eines anderen regionalen Mediums durfte hingegen teilnehmen. Nach Einschätzung von Bernadette Fuchs vom Justiziariat des Verbandes Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV) ein Verstoß gegen das Presserecht: „Das ist so nicht zulässig“, sagt sie. Medienvertreter dürften nicht „willkürlich“ ausgeschlossen werden.


Frei.Wild, Grober Knüppel, Berserker, Krawallbrüder oder Brennstoff: So heißen die Bands, die im Juli auf dem Laichinger Flugpl
Frei.Wild, Grober Knüppel, Berserker, Krawallbrüder oder Brennstoff: So heißen die Bands, die im Juli auf dem Laichinger Flugplatz auftreten sollen. (Foto: krom)

Grund für den Ausschluss der SZ sei laut Bleher die „tendenziöse Berichterstattung“ der SZ über das geplante Deutschrock-Festival „Rock dein Leben“ auf dem Gelände des Flugsportvereins vom 19. bis 21. Juli gewesen, bei dem umstrittene Bands wie Frei.Wild, Berserker Berlin oder die Krawallbrüder auftreten sollen. Deshalb sei die Versammlung im Gasthof Rössle für „nichtöffentlich“ erklärt worden, so Hans-Peter Bleher: „Eingeladen waren nur aktive und passive Mitglieder.“ Und eben die Vertreterin des anderen Mediums.

Grundsätzlich habe laut Bernadette Fuchs vom Justiziariat des VSZV ein Verein zwar auch das Recht, die Presse von seinen Mitgliederversammlungen auszuschließen. Dann müsse aber auch die komplette Öffentlichkeit außen vor sein. Heißt: nur Mitglieder, keine Gäste, kein Bürgermeister, keine weiteren anderen Pressevertreter. Doch das war am Freitag nicht der Fall.

Dabei habe nach Angaben von Hans-Peter Bleher der Flugsportverein nichts zu verheimlichen, das Deutschrock-Festival habe bei der Versammlung zudem gar keine so große Rolle gespielt. In dem auf der Internetseite des Flugsportvereins veröffentlichten Bericht bekommt das Festival nicht mal einen eigenen Satz. Dort heißt es: „Am Schluss gab es Diskussionen zu verschiedenen Themen wie Renovierung des Hallendachs, Sanierung des Clubheims, Beteiligung am Rock-Festival mit einem Getränkestand, Gründung eines Fördervereins oder die Organisation der Windenfahrerausbildung.“

Bleher fügte im Gespräch am Montag hinzu: Es sei tatsächlich nur um die Einbringung des Vereins in die Bewirtung der möglichen Festivalbesucher gegangen. „Die Mitglieder stehen hinter dem Projekt“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Wirtschaftlich solide

Laut des Berichts im Internet blickte Bleher zu Beginn der Mitgliederversammlung erst einmal auf das Jahr 2017 zurück. Demnach sei die Zahl der aktiven Piloten von 66 auf 68 gestiegen. Insgesamt habe der Verein nun 209 Mitglieder. Die Flugzeuge sollen im vergangenen Jahr 978 Stunden in der Luft gewesen sein. Im Vorjahr waren es noch 867 Stunden. „Insgesamt eine erfreuliche Steigerung bei der Auslastung der Flugzeuge“, heißt es weiter. „Der Verein steht wirtschaftlich auf einer soliden Basis.“ Dies habe eine Umstellung der veralteten Elektroinstallation auf aktuelle Leitungen und energiesparendes LED-Licht erlaubt.

Langjährige Mitglieder geehrt

Doch auch personell hat sich beim Laichinger Flugsportverein etwas getan: Die beiden jungen Mitglieder Torben und Anika Schmidt durften ihre ersten Alleinflüge unternehmen, Tim Kersten und Mike Smialy waren erstmals mit der vereinseigenen Jodel in der Luft. Fritz Neff aus Karlsruhe und Regina Heck aus Laichingen wurden für ihre langjährige Mitgliedschaft geehrt. Neff ist seit 40 Jahren dabei, Heck begann vor 50 Jahren als Flugschülerin. Außerdem schlug Vereinschef Bleher Dieter Kohn als Ehrenmitglied vor. Kohn ist seit 1964 im FSV und war zwischen 1973 und 2001 im Vorstand. Bernd Mangold schaffte im Segelflugzeug eine Strecke von mehr als 1000 Kilometern.

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