Er ist Techniker durch und durch

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Gerhard Geppert lehnt am 49 Jahre alten Kunstflugtrainingsflugzeugs Fuji FA200.
Gerhard Geppert lehnt am 49 Jahre alten Kunstflugtrainingsflugzeugs Fuji FA200. (Foto: Nico Happel/FSV)
Schwäbische Zeitung

Lässig lehnt Gerhard Geppert am Rumpf des 49 Jahre alten Kunstflugtrainingsflugzeugs Fuji FA200. Geppert ist einer von vier Spezialisten des Flugsportverein Laichingen, die sich um den Flugzeugpark des Vereins kümmern.

Der gelernte Kfz-Meister ist 1978 das erste Mal auf den Laichinger Flugsportverein (FSV) gestoßen und sogleich von Jakob Laur, dem Gründer des Vereins, als Flugschüler verpflichtet worden. Laur erkannte das Talent für Motoren und den daraus resultierenden Nutzen für den Verein. Schon seit Längerem hatte man eine Unterstützung für den damaligen Flugzeugspezialisten Hans Lenz gesucht.

Aber zunächst durfte der Geppert noch gar kein Flugzeug reparieren. Die Regularien in der Luftfahrt sind streng und nicht jeder Mechaniker darf Hand anlegen an ein Fluggerät. Als Geppert den doch schon deutlich betagten und abgeschriebenen Porsche Traktor, wieder zum Laufen gebracht hatte, war klar, dass man dieses Talent nutzen musste. So schickte man ihn schnellstens auf entsprechende Lehrgänge, wo er die Berechtigung zum Warten von Flugzeugmotoren erwerben konnte.

Strenge Prüfung bestanden

Mit der bestandenen Prüfung gab sich Geppert aber nicht zufrieden. In jeder freien Minute und an Wochenenden arbeitete er in einer Flugzeugwerft mit, um seine Fertigkeiten zu verbessern und zu erweitern. Und so legte er Prüfung um Prüfung ab, bis er die Berechtigung hatte, einen Motor komplett zu warten und zu reparieren, alles gemäß den strengen Regularien der Luftfahrt.

Geppert berichtet stolz: „Einer unserer Fliegerkollegen hatte mit unserer Vorgänger-Fuji Bodenkontakt mit dem Propeller. Er ist damals in eine Senke gerollt und der Propeller war danach nicht mehr zu gebrauchen. Um sicher zu stellen, dass der Motor dabei keinen Schaden genommen hat, musste dieser zu einer sogenannten Shock-Load-Inspektion. Bei dieser Prüfung nach Stoßbelastung wird der Motor zerlegt und alle Toleranzen der Bauteile gemessen.

Das Ausbauen eines Motors ist doch sehr aufwendig und die Shock-Load-Inspektion sehr teuer. Wir habe damals den Motor hier in Laichingen ausgebaut und ihn auf einem Autohänger zur Firma MTU nach München gefahren. MTU hat sich sofort dran gemacht und nach nur wenigen Tagen und Prüfung eines zertifizierten Luftfahrt Prüfers, flog die Fuji wieder. Damals ging das noch. Heute sind die Regularien andere, aber ich bin guter Hoffnung, dass es mit neuen Bestimmungen wieder zu den Möglichkeiten von früher kommen wird.“

Ständige Weiterbildung

Wer nun denkt, Geppert gibt sich mit all dem Wissen zufrieden, täuscht sich: Er qualifiziert sich ständig weiter. 2018 legte er die Prüfung zum Zellenwart ab. Das bedeutet, er darf nun auch kleinere Reparaturen an der Außenhaut eines Flugzeuges durchführen.

2019 bestand er die Prüfung zum Windenprüfer. Schleppwinden werden dazu benutzt, Segelflugzeuge in die Höhe zu schleppen. In Laichingen werden damit Segelflugzeuge auf über 500m über dem Boden geschleppt. Dazu wird ein 1100 Meter langes, etwa fünf Zentimeter dickes Stahlseil ausgelegt. Geppert hat nun die Berechtigung die Schleppwinden aller Vereine, auf ihre korrekte Funktionalität zu prüfen.

Heute hat Geppert, Klaus Binder unter seine Fittiche genommen, der irgendwann einmal in seine Fußstapfen treten soll. Der Ältere gibt dabei bereitwillig sein Wissen und seine Erfahrung weiter.

Geppert spricht von super Team

Geppert sagt: „Wir sind hier ein super Team: Bernd Mangold, Uli Renz und Klaus Binder. Wir wissen genau was wir tun und arbeiten immer nach dem Vier-Augen-Prinzip. In der Luftfahrt gibt es keine Toleranzen und keinen Platz für Fehler. Wir sind dafür verantwortlich, dass der Flugzeugpark in einem einwandfreien technischen Zustand ist und diese Aufgabe nehmen wir sehr ernst.“

Und wenn Geppert mal nicht an einem Flugzeug herumschraubt? Dann steigt er in sein Ultraleichtflugzeug und dreht eine oder zwei Runden über der schönen Schwäbischen Alb.

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