Ein Film gegen Feindbilder

Lesedauer: 4 Min
 Christiane Schmlezkopf (vorne) zeigte Interessierten den Film im Laichinger Alten Rathaus.
Christiane Schmlezkopf (vorne) zeigte Interessierten den Film im Laichinger Alten Rathaus. (Foto: Karas)
Schwäbische Zeitung

Gut besucht gewesen sei der Film „Kaddisch für einen Freund“, der auf Initiative des Seminars zur Geschichte von Juden, Christen und Muslimen im Bürgersaal des Alten Rathauses gezeigt wurde, heißt es in der Mitteilung.

Die Geschichte des 14-jährigen Palästinenserjungen Ali, dessen Familie vor dem Bürgerkrieg aus dem Libanon nach Deutschland geflohen, aber in Berlin nur geduldet ist, zog die Zuschauer durch eindrucksvolle Bilder in den Bann.

Ali, der mit den arabischen Klischees vom jüdischen Todfeind und „Free Palestine“-Bildern aufgewachsen ist (Alis Vater: „Diese verfluchten Juden – Allah soll sie nicht am Leben lassen!“) und um Anerkennung in der Clique von gewaltbereiten arabischen Jugendlichen um seinen Cousin bemüht ist („Mal sehen, was du drauf hast, Kleiner!“), willigt ein, die Tür seines Nachbarn, eines alten jüdischen Witwers, gewaltsam zu öffnen, damit die Clique aus blindem Judenhass dessen Wohnung demolieren kann. Ali wird als einziger erwischt, und nun droht seiner Familie die Abschiebung.

Alis Vater, dessen von Angst durch den nur geduldeten Status und das ständige Gefühl der Demütigung bestimmte seelische Verfassung deutlich wird (immer wieder muss er seinen schon in Berlin etablierten Cousin um Rat und finanzielle Hilfe für seine wachsende Familie bitten) neigt zu Zornausbrüchen und darf nicht von Alis Beteiligung am Einbruch wissen. Doch die willensstarke Mutter hält zu ihrem Jungen, bringt ihn aber mit Bestimmtheit dazu, den einzigen Ausweg zu suchen: Er muss sich bei dem alten Herrn entschuldigen und ihn dazu bewegen, seine Anzeige zurück zu nehmen. So kommen sich beide im Prozess der Wohnungsrenovierung langsam näher, und jeder beginnt, im anderen den Menschen und nicht mehr das Feindbild zu sehen. Und tatsächlich will sich der alte Witwer schließlich für seinen jungen Freund einsetzen – und tut das schließlich in der Gerichtsverhandlung in einem so heftigen Plädoyer, dass er einen Herzanfall erleidet und zusammenbricht. Dass er damit bewirkt hat, dass Ali „Sozialstunden kriegt“ und damit die Familie vor Abschiebung gerettet ist, kann Ali dem fast Bewusstlosen dann nur noch am Krankenbett erzählen. Aber gerettet ist Ali vor allem in viel wichtigerer Weise: von seinem blinden Hass auf das „Feindbild Jude“.

Der Junge, der schließlich in der Wohnung des alten Nachbarn ein geheimnisvolle Kassette aufschließt, entdeckt noch, dass dessen Sohn (von dem immer wieder die Rede ist, der aber nie kam) schon vor Jahrzehnten als israelischer Soldat im Krieg von Arabern getötet wurde und deshalb nun nicht kommen kann, um am Grab des verstorbenen Vaters das jüdische Totengebet Kaddisch zu sprechen – nun ist Ali selbst bereit. Er wird auch von der jüdischen Trauergemeinde akzeptiert, es an Stelle des Sohnes am Grab des Witwers dem Vorbeter nachzusprechen. Der Film habe angedeutet, so heißt es, „welche Chancen zum Erwachen und zur Befreiung von Feindbildern in der persönlichen menschlichen Begegnung liegen“.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen