Durchbruch! Bahnhalt soll kommen

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Einsteigen in Merklingen: Dass auf der Alb Regionalzüge halten, ist jetzt in greifbare Nähe gerückt.
Einsteigen in Merklingen: Dass auf der Alb Regionalzüge halten, ist jetzt in greifbare Nähe gerückt. (Foto: Kaya)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Der mögliche Bahnhalt bei Merklingen hat die höchste Hürde auf dem Weg hin zu seiner Realisierung genommen. Neue Berechnungen haben ergeben: Der Halt ist entgegen den ersten Studien wirtschaftlich und damit der Weg für die Förderung durch das Land frei. Dies hat das Landesverkehrsministerium am Mittwoch mitgeteilt.

Viele auf der Laichinger Alb dürften sehnsüchtig auf diese Nachricht gewartet haben: Aus politischer Sicht steht dem Bahnhalt nichts mehr im Wege. Dies sagte auf SZ-Nachfrage am Mittwoch der Sprecher des Landesverkehrsministeriums Edgar Neumann. Der Bahnhalt soll kommen!

Doch wie kam es zu dem Durchbruch?

Ausschlaggebend sind nach Auskunft des Verkehrsministeriums (MVI) neue Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit des Halts. Und diese würden die Förderung des Projekts durch das Land „grundsätzlich ermöglichen“. In der Mitteilung des MVIs heißt es: „Der Zeitverlust eines Halts in Merklingen kann durch eine Optimierung der betrieblichen Abläufe und durch zusätzliche Investitionen auf der Strecke Ulm – Lindau ausgeglichen und auf die ursprünglich als notwendig angesehene Anschaffung schnellerer Fahrzeuge verzichtet werden.“ Damit würde ein beträchtlicher Kostenblock entfallen, so der Amtschef des MVI, Uwe Lahl.

Heißt: Die ursprünglich immer wieder als K.o.-Kriterium geltenden schnelleren Züge sind vom Tisch! Sie hätten zusätzliche Kosten von mindestens 30 Millionen Euro bedeutet. Dass diese Züge überhaupt dem Projekt angerechnet wurden, ist in der Vergangenheit von einigen kritisiert worden. Jetzt soll es auch ohne gehen.

In den vergangenen Tagen hat das Ministerium die Wirtschaftlichkeit des Halts ohne diese Züge selbst nochmals durchgerechnet, mit dem Zahlenmaterial der beiden vorliegenden Studien. Es kommt zu einem interessanten Ergebnis: Der neue Nutzen-Kosten-Indikator des Haltepunkts liegt jetzt bei 1,13. Und sogar bei stolzen 2,23 würde er liegen, wenn auf der Strecke schnelle modernisierte Gebrauchtfahrzeuge zum Einsatz kämen. Ab einem Indikator von mindestens 1 ist der Halt wirtschaftlich – und diese Wirtschaftlichkeit „ist eine Grundvoraussetzung“, so das MVI, damit das Projekt vom Land gefördert werden kann. Und dies soll nun auch geschehen.

Ministerialdirektor Uwe Lahl kündigte an, er werde mit diesem Ergebnis auf das Finanzministerium zugehen und sich für einen Finanzierungsweg „für dieses für die Region der Laichinger Alb so wichtige Verkehrsprojekt“ einsetzen. Ministeriumssprecher Neumann teilt mit, dass jetzt auch wieder eine Mit-Finanzierung des Halts (die Alb-Kommunen haben bereits 13 Millionen Euro zugesagt) durch das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG) möglich wird.

Viele dürften sich die Augen reiben: Ist der Haltepunkt, der ja schon abgeschrieben war, jetzt wirklich eingetütet?

Es scheint danach!

Ministeriumssprecher Neumann: Da Finanzminister Nils Schmid und Verkehrsminister Winfried Hermann den Haltepunkt politisch befürworten und die Förderung jetzt möglich ist, kann es an die Umsetzung gehen.

Geld ist grundsätzlich da

Erleichtert zeigte sich auch Merklingens Bürgermeister Sven Kneipp. Er spricht von einem „Meilenstein“ – die Sektkorken knallen lassen will er aber erst, „wenn die definitive Finanzierungszusage des Landes da ist“.

Eine berechtigte Frage: Ist das Geld wirklich vorhanden? Edgar Neumann verweist darauf, dass sich hier nun die beiden Ministerien einigen müssen. Eine große Hürde sollte dies jedoch nicht darstellen. Das Geld sei grundsätzlich da. Neben dem LGVFG sei auch immer noch ein Griff in den Topf mit Sondervermögen des Landes zu S21 denkbar.

Und wie geht es jetzt konkret weiter? Im Landtag abgestimmt werden muss der Haltepunkt nicht mehr. Jedoch muss sich ein Projektträger finden (Neumann bringt hier die Alb-Region ins Spiel), der dann einen Antrag zur Förderung des Haltepunktes beim Land stellt. Bevor gebaut werden kann (wohl erst ab 2017), müsse wahrscheinlich auch noch ein Planfeststellungsverfahren für den neuen Haltepunkt durchgeführt werden. Eine reine Änderung des bestehenden Planfeststellungsbeschlusses reiche wohl nicht. „Allein bei neuen Bahnsteigen, die barrierefrei gemacht werden, braucht es manchmal ein neues Planfeststellungsverfahren“, so Edgar Neumann.

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