Drei Frauen für einen Waldkindergarten

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 In Laichingen könnte ein Waldkindergarten entstehen.
In Laichingen könnte ein Waldkindergarten entstehen. (Foto: Rehder)
Redaktionsleiter

Die Stadt Laichingen könnte einen Waldkindergarten bekommen. Am Montagabend haben die Vorstände des Merklinger Waldkindergarten-Vereins den Laichinger Stadträten ihr Konzept vorgestellt. Zwar sind noch viele Fragen offen, jedoch zeigte sich: Einige scheinen sich mit der Eröffnung einer solchen Betreuungseinrichtung anfreunden zu können.

Warum ein Waldkindergarten ein Gewinn für Laichingen wäre: Dies versuchten aus ihrer Sicht die drei Frauen Beatrix Danzer, Sabine Schwegler und Isabell Cavallo am Montag den Laichinger Stadträten zu erläutern. Danzer kommt aus Machtolsheim, ihre beiden Vorstandskollegen des Waldkindergarten-Vereins aus Merklingen. Dort wollte der Verein, der schon existiert, einen solchen Waldkindergarten zunächst eröffnen; was allerdings scheiterte (wir berichteten). Nun wagen sie in Laichingen einen neuen Anlauf – und nicht nur Stadtrat Ulrich Rößler (BWV) bekannte nach den Ausführungen der drei rührigen Mütter: „Die Vorstellung gefällt mir gut. Ich war als Kind auch viel draußen.“ Aber: So richtig könne er sich nicht anfreunden mit der Idee – „noch nicht“.

Wie ihm ging es auch anderen Stadträten, sie stellten viele Fragen an das Trio; darunter auch schon sehr detaillierte, was Bürgermeister Klaus Kaufmann wiederum als zu verfrüht empfand. Ihm ging es am Montag darum, dass dem Rat zunächst nur das grundsätzliche Konzept erläutert wurde; die Fragen einer Umsetzung in Laichingen – und ob überhaupt – wollte er noch nicht diskutieren. Gisela Steinestel (Igel) fand die Grundidee ebenfalls „gut“, letztlich überzeugt sei aber auch sie noch nicht.

Trotzdem hatten Danzer, Schwegler und Cavallo auf die allermeisten Fragen am Montag befriedigende Antworten. Joachim Reif (CDU) wollte wissen, ob sich die Kinder bei durchaus möglichen zweistelligen Minusgraden überhaupt im Wald aufhalten können. Antwort: Wenn es zu kalt ist, stürmt oder heftig regnet, dann zieht sich die Gruppe in einen bereitstehenden Bauwagen zurück. Dort liegen auch Kinderbücher oder Bastelmaterial bereit – wenn mal gebastelt werden soll. Und was ist mit der Sicherheit? Walter Striebel (CDU) fragte, ob die Kinder überwacht werden; es könne ja sein, dass sich ein Unbefugter diesen nähert und Schlimmes im Schilde führt. Hierauf die Antwort: Die Kinder blieben immer bei der jeweiligen Erziehungskraft, wie in einem Regelkindergarten auch. Kein Kind gehe verloren.

Kreativer und flexibler

Zuvor hatte Beatrix Danzer Vorzüge eines Waldkindergartens erläutert. Die Kinder lernten eine bessere Koordination sowie Grob- und Feinmotorik (auch wegen des Waldbodens), sie müssten kreativer und flexibler sein (keine Spielzeuge) und sie müssten mehr kommunizieren. Außerdem hätten sie mehr Ruhe und Zeit. Aber es gebe auch Regeln, zum Beispiel: Wer schnitzt, muss sich hinsetzen. Und wenn die Kinder mal müssen? Dafür, so Danzer, gebe es ein „Waldklo“, gespült werde mit Sägespähne (die Erzieherinnen hätten eigene, richtige Toiletten).

Bürgermeister Kaufmann, der Sympathien für die Idee erkennen ließ, wies darauf hin, dass alle Konzepte, auch die eines Regelkindergartens, immer Vor- und Nachteile hätten. Auch er sei als Bub viel draußen gewesen. „Es war normal, dass man nicht so viel Spielzeug hatte.“

Bernhard Schweizer (LAB) wollte wissen, wie viele Stunden ein Waldkindergarten am Tag geöffnet haben könnte. Sechs, bekam er zur Antwort. Es sei zu aufwändig, so Danzer, einen solchen ganztags anzubieten (wegen Schlafmöglichkeiten unter anderem). Und Günter Schmid (LAB) wollte wissen, ab wie vielen Kindern ein Waldkindergarten möglich ist – ab 20.

Verwaltung und Räte einigten sich darauf, sich demnächst einen Waldkindergarten während des Betriebs anzuschauen. Die nächsten befinden sich in Deggingen oder Geislingen. Auch das ein Argument Danzers: Mit einem Waldkindergarten hätte Laichingen in der Region ein Alleinstellungsmerkmal vorzuweisen.

Nach dem Besuch eines Waldkindergartens könnte es an die konkrete Umsetzung gehen: Wer wird Träger, wer bezahlt was und: Wann geht es los? Die drei Frauen vom Waldkindergarten haben allerdings klar gemacht, dass sie auf jeden Fall die Kommune mit an Bord bräuchten – daran war der Waldkindi in Merklingen gescheitert. Ob Laichingen mitgeht?

Dass grundsätzlich Interesse besteht, hat kürzlich eine Umfrage der Stadt unter Eltern gezeigt (wir berichteten). Einen Platz gibt es auch schon, nahe Machtolsheim.

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