Diskussion über schnellere Züge

Lesedauer: 4 Min

Klare Aufgabe der Bahn ist es, die schnelleren IRE-Züge zu kaufen, finden die Bahnhalt-Befürworter. Die Gegner sagen: Ohne Halt
Klare Aufgabe der Bahn ist es, die schnelleren IRE-Züge zu kaufen, finden die Bahnhalt-Befürworter. Die Gegner sagen: Ohne Halt (Foto: isi)
Ilja Siegemund
Redakteur

Ein Streitpunkt zwischen den Befürwortern eines Bahnhalts und den Landespolitikern ist, dass eigens für den Bahnhalt Schwäbische Alb bei Merklingen neue Züge gekauft werden müssten. Schnellere Interregoiexpress-Züge kosten jedoch zwischen 23 und 45 Millionen Euro.

Durch die Haltezeit auf der Alb würden die Interregio-Züge die Anschlusszeiten nicht mehr einhalten können. Deshalb schlug die Bahn vor, auf die schnelleren IRE-Züge zu setzen. Die Hälfte der Ausgaben dafür müsste aber die Region stemmen. „Ich habe noch nie gehört, dass Kommunen Züge kaufen sollten“, sagte Laichingens Schultes Klaus Kaufmann, der für die anderen Bürgermeister der Laichinger Alb sprach.

Bewusst falsch gerechnet?

„Wir reden hier von neun stärkeren Loks“, sagte Gerhard Maier, der als Vertreter der Bürger auf dem Podium saß. Er hatte sich von Anfang an mit den Plänen der Neubaustrecke und mit dem Bahnhalt beschäftigt. Der Laichinger fragte, wie man in der Potenzialanalyse der Firma Intraplan auf Kosten zwischen 23 und 45 Millionen Euro für die 190 Stundenkilometer schnellen Züge komme. Hier werde wohl bewusst in die roten Zahlen gerechnet, kritisierte er.

Martin Rivoir versuchte zu beschwichtigen: „Das ist alles Verhandlungssache.“ Zunächst sei das Ergebnis der Machbarkeitsstudie wichtig. Diese soll klären, ob sich ein Bahnhalt überhaupt wirtschaftlich rentieren und welche Auswirkungen er auf die Region sowie den Alb-Donau-Kreis haben würde. Das Ergebnis der im Februar in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie soll Ende Mai vorliegen.

Andere Taktung statt neuer Züge?

Damit keine schnelleren IRE-Züge gekauft werden müssten, schlug Klaus Kaufmann vor, die Taktung am Stuttgarter Hauptbahnhof nochmals zu überdenken. Dann hätte der Halt bei Merklingen keine Auswirkungen mehr auf den Fahrplan. „Die Taktung ist doch nicht in Beton gegossen“, sagte er. Davon hielt Martin Rivoir (SPD) jedoch nichts. Denn die Taktung am Stuttgarter Hauptbahnhof hänge mit dem Mannheimer Hauptbahnhof zusammen, und an diesen seien die Fahrpläne für „alle ICE-Züge geknüpft“. Auch Jürgen Filius (Grüne) sprach sich dagegen aus: „Es ist nachvollziehbar, wenn Sie die Welt aus Laichinger und Merklinger Sicht sehen. Aber die Taktung der Züge in Stuttgart zu ändern, ist nicht realistisch.“ Martin Rivoir wies außerdem noch einmal darauf hin, weshalb der Kauf neuer Züge überhaupt zum Thema wurde: „Ohne Merklingen würden schnelleren Züge überhaupt nicht benötigt.“

Ulrich Hemel, katholischer Theologe und Manager, der nach der Sitzung ans Mikrofon trat, zeigte dafür kein Verständnis: „Die Loks sind Betriebsmittel wie bei einem Fuhrunternehmen, das seine Lastwagen ja auch selbst zahlt.“ Er forderte deshalb, dass die Bahn die schnelleren Züge finanzieren müsse.

Ein Bahnsprecher war zwar zum Infoabend eingeladen, konnte aber nicht teilnehmen

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen