Diese Positionen vertreten die Laichinger Bürgermeisterkandidaten

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 Blick auf die Kernstadt Laichingen.
Blick auf die Kernstadt Laichingen. (Foto: Brückmann)
Schwäbische Zeitung

Die Bürgermeisterwahl in Laichingen findet am Sonntag, 4. Oktober, statt. Zur Wahl stellen sich die drei Kandidaten Klaus Kaufmann, Daniel Baz und Bernhard Tiedeken. In dieser Reihenfolge werden die Namen der drei Männer auch auf dem Wahlzettel zu finden sein.

 Klaus Kaufmann.
Klaus Kaufmann. (Foto: PR)
 Daniel Baz.
Daniel Baz. (Foto: Scholz)
 Bernhard Tiedeken.
Bernhard Tiedeken. (Foto: Scholz)

Welche Positionen vertreten die Bürgermeisterkandidaten zu den unterschiedlichsten Themen? Welche dieser Themen bewegen die Laichinger? Wir haben nachgefragt und riefen Sie, liebe Leserinnen und Leser, dazu auf, uns Ihre Fragen an die drei Bürgermeisterkandidaten zu schicken. Einige E-Mails trudelten bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Laichingen ein – manche Themenkomplexe waren mehrmals zu finden.

Alternative Energien wie Windkraft und Solar, Schottergärten, der Straßenverkehr in Laichingen, Bautätigkeiten in der Stadt sowie die Situation der Kindergärten: SZ-Leser hatten so einige Fragen parat. Diese Fragen haben wir aufgenommen, sortiert, um Doppelungen zu vermeiden, und dann an Klaus Kaufmann, Daniel Baz und Bernhard Tiedeken weitergegeben. Alle drei Kandidaten hatten gut zwei Tage Zeit, um entsprechende Antworten zu verfassen.

Marktplatz, großer Parkplatz in der Innenstadt, Bushaltestelle und Backhaus: Wie sieht Ihre konkrete Vision aus, wie die Laichinger Innenstadt gestaltet werden soll?

Klaus Kaufmann: Natürlich habe ich eine klare Vorstellung davon, wie diese Orte gestaltet werden könnten. Aber es kommt jetzt zuerst auf die Vorstellungen unserer Bürgerinnen und Bürger an. Und genau diese kann jetzt jeder in der Bürgerbeteiligung zur Stadtentwicklung, die noch bis zum 9. Oktober online läuft (Link unter www.laichingen.de), uns wissen lassen. Für alle, die nicht online sind, liegt in den Rathäusern ein entsprechender Fragebogen aus. Da möchte ich jetzt im Vorfeld keine Äußerungen abgeben, weil ich die oft sehr guten Ideen der Bürgerschaft nicht im Vorfeld beeinflussen möchte, denn die sollen nach Möglichkeit ja Eingang in die weiteren Planungen finden. Die Außenfassade des Backhauses wird übrigens gerade saniert.

Daniel Baz: Kultur der Stadtbücherei von Bürgern für Bürger beibehalten und stärken. Nachwachsende Generation mehr zur Teilhabe animieren. Genauso Deli-Konzept mit traditionsbewusstem, stadtpolitisch engagiertem Kleinkunstcafé. Auf der Südseite eine Buschreihe als grüner Lärmschutz. Jugendhaus als Antriebsfeder idealistischer Impulse stärken. Vision Bürgergemeinschaftshaus als Mitte verbunden, mit den auch in Suppingen und Machtolsheim wie im Feldstetter historischen Ortskern anzustrebenden Dorfgemeinschaftshäusern.

Bernhard Tiedeken: Den ganzen Ortskern würde ich viel freundlicher gestalten – zum Beispiel: Ortseingänge sollten mit farbenfrohen Blumenbeeten bestückt werden. Die Altstadt sollte wieder in den alten Zustand gebracht werden, Renovierungen und Förderungen der Altstadt in einem besonderen Flair gestalten. Die Parks sollten freundlicher aussehen, mit Blumen, kleine Ecken für Kinder, Sitzgruppen, Springbrunnen. Die Denkmäler, die in der Innenstadt sind, sollten besser wertgeschätzt werden.

Soll der Marktplatz verkehrsberuhigt werden oder eher als Durchgangsstraße mit Parkplätzen fungieren?

Kaufmann: Der Marktplatz ist bereits verkehrsberuhigt. Wenn allerdings die Bahnhof- und Weite Straße im Bereich des Kreisverkehrsplatzes gemeint sind, dann muss man zunächst wissen, dass die Stadt nicht „Eigentümerin“ dieser Straßen ist. Die Bahnhofstraße ist eine Kreisstraße und die Weite Straße zwischen den beiden Kreisverkehren sogar eine Landesstraße. Zudem ist die Bahnhofstraße eine Schwerlastroute des Landes. Veränderungen sind da in nur sehr geringem Umfang möglich. Aber es könnte vielleicht ein Einbahnstraßenverkehr mit Bus- und Radspur eingerichtet werden, wenn ein solcher Sinn machen würde und die zuständigen Straßenbaulastträger (in dem Fall Kreis und Land) dem zustimmen. Das könnte schon sehr viel helfen.

Baz: Die Innenstadt sollte als Ort der Begegnung der Bürgerschaft innen wie außen frei von Hetze und beengenden Situationen werden. Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein. Frei von Sach- und Machzwängen der Konsumgesellschaft. Produkte mit nachhaltigem, regionalem aber auch internationalem Charakter sollten dort mit dem Vorbild des Tante-Emma-Ladens im Weltladenstil feilgeboten werden. Laufen und aus eigener Kraft fahren, geht wenn möglich vor Automobilismus.

Tiedeken: Ich bin für einen verkehrsberuhigten Marktplatz, nur noch befahrbar für Anlieferung der Geschäfte. Die Parkplätze sollten ausgebaut werden, vielleicht P+R-Fläche.

Blick auf die Container auf dem großen Parkplatz: Wie sieht Ihre Lösung aus? Versenkung im Boden oder soll es so bleiben?

Kaufmann: Wenn nach dem Verfahren der Erstellung eines Stadtentwicklungskonzepts zum Beispiel eine Neugestaltung des „Großen Parkplatzes“ als Ergebnis stehen würde, dann sind die Tage dieser Container auf diesem Platz gezählt. Bis dahin werden wir eine Videoüberwachung einrichten, um der illegalen Müllablagerungen Herr zu werden. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits.

Baz: Container überirdisch bewahren, aber künstlerisch mit Anregungen zur Umnutzung der Abfallressource re-upcylen und mit ästhetischer Verschönerung aufwerten.

Tiedeken: Das ganze Recycling-Problem würde ich an einen zentralen Platz auslagern, zum Beispiel im Industriegebiet. Die Öffnungszeiten sollten den Bürgern die Möglichkeit geben, dass man in der Woche an jeden Tag – außer sonntags – seinen Recyclingmüll abgeben kann.

Der Durchgangsverkehr in Laichingen ist gigantisch. Die Läden in der Innenstadt sind dagegen relativ leer. Ist das ein Thema, dem Sie sich annehmen möchten und wenn ja, wie?

Kaufmann: Ja, wir sind bereits mit unserer Wirtschaftsvereinigung daran, Möglichkeiten zur Belebung des Einzelhandels umzusetzen. Dazu gehören neben dem lokalen Onlinemarktplatz „Emma bringts“ weitere digitale Angebote, wie zum Beispiel ein virtueller Stadtrundgang, eine entsprechende digitale Infotafel in der Stadtmitte und besonders wichtig ist ein Leerstandsmanagement, um leerstehende Ladenflächen wieder schnell und sinnvoll zusammen mit der Unterstützung des Einzelhandelsverbands des Landes zu belegen. Aber das werden und können nur die Anfänge sein. Weitere Maßnahmen werden folgen müssen und sind auch in der Planungsphase. Dazu gehört auch, dass die Aufenthaltsqualität in der Stadtmitte verbessert wird. Außengastronomie und ruhige grüne Ecken zum Verweilen sowie ähnliche Einrichtungen tragen ihren Teil dazu bei. Die mehr als deutliche Verbesserung des Busverkehrs, auch innerhalb der Stadtgrenzen, mit der Inbetriebnahme des Bahnhofs Merklingen – Schwäbische Alb und dem Bau des Zentralen Omnibusbahnhofs in der Stadtmitte als auch der konsequente weitere Ausbau von Radwegen werden das Verkehrsaufkommen in der Innenstadt reduzieren. Aber zum Schluss liegt es an den Menschen, dass sie sich auch auf all diese Angebote einlassen und sich von ihren seit Jahrzehnten gepflegten Gewohnheiten immer stärker verabschieden.

Baz: Versöhnungsarbeit zwischen Individualmobilität und Öffentlichem Personennahverkehr als interkommunales, intergenerationales, interregionales und internationales Problem künstlerisch, pädagogisch thematisieren und die guten Tendenzen der grünen Landesprogramme zum Beispiel Barrierefreiheit, 30er-Zonen bei Alten- und Schulgebieten ausbauen. Allgemein ist aus Gründen der Gesundheit, Bewegung aus Körperkraft vorwiegend zu fördern. Auch die Durchfahrenden sollen das schöne Laichingen bei niedrigeren Geschwindigkeiten bewusst wahrnehmen können.

Tiedeken: Der Durchgangsverkehr ist ein großes Problem. Ich würde mich dafür starkmachen, dass die Durchgangsstraße in einer begrenzten Zeitzone in Schritttempo zu befahren ist oder die Geschwindigkeit auf 20 Stundenkilometer gedrosselt wird.

Wenn Sie unbegrenzte Mittel hätten: Was würden Sie ändern, um die Verkehrssituation in Stoßzeiten besser in den Griff zu bekommen? 

Kaufmann: Einen kostenlosen Busverkehr für alle mit Fünf-Minutentakt der Busse und Radwege entlang jeder Straße, beides auch unter Einbeziehung unseres umlands sowie einen Tunnel außerhalb der Stadt für den nicht unerheblichen Durchgangsverkehr in Richtung Westerheim, um keine zusätzlichen oberirdischen Flächen dafür in Anspruch nehmen zu müssen. 

Baz: Zunächst ÖPNV und Ortsteile stärken, Busse und Laufwege als Gelegenheit zur Begegnung von Alt und Jung, Mensch und Tier, Wehrstand, Nährstand, Lehrstand. 

Tiedeken: Wenn ich unbegrenzte finanzielle Mittel hätte, würde ich die Straßen mit Verengungen ausbauen und Bodenwellen einbringen, damit eine verkehrsberuhigte Zone ensteht. 

Wie ist Ihre Position zu Steingärten/-wüsten rund um Einfamilienhäuser?

Kaufmann: Ich verstehe, dass diese Gärten keine Bereicherung für unsere Artenvielfalt sind. Sie kamen auf in einer Zeit, wo es galt, alles was Zeit kostet, wie zum Beispiel auch die Gartenpflege, zu optimieren und zu vereinfachen. Ich würde heute in einem neuen Baugebiet keine mehr zulassen wollen. Und ich bin dabei, wie wir zum Beispiel über unseren städtischen Umweltpreis einen Rückbau solcher bestehenden Gärten fördern könnten. Von Zwangsmaßnahmen halte ich wenig. Ich denke, dass heute die Allermeisten verstanden haben, was zu tun ist, um Artenvielfalt zu fördern und dem Klimawandel entgegenzuwirken. 

Baz: Der kürzeste Weg zum Glück ist der Weg in den Garten. Grünanlagen schaffen Aufschnaufsituationen, ökologische Vielfalt und entschleunigte, inspirierende Orte der Begegnung. Auch Landbau sollte wie in Antrhroposophie schon bei landbaufernen Familien durch die Kommune gefördert Schule machen dürfen. Fließend Wasser ist ein dezentraler, hart errungener Kulturfortschritt auf der Alb, dem mit ausreichend künstlerisch ansprechenden Frischwasserbrunnen erquickender Denkmalcharakter gegeben werden sollte. Die Kommune sollte Bürgersehnsüchte und Fertigkeiten nutzen und keine Vorschriften machen ohne einen eingehenden Bürgerdialog im Vorlauf. 

Tiedeken: Ich bin kein Befürworter solcher Anlagen. Wir müssen an unsere Umwelt und an die Natur denken. Solche Anlagen heizen sich extrem auf, so dass die Luft sich in der Stadt aufheizt und sie fördern auch nicht die Artenvielfalt, die sehr wichtig ist. Darum würde ich mich dafür einsetzen, dass die Baurechtlinie in der Stadt Laichingen und Ortsteilen geändert werden, so dass wieder mehr Sträucher und Rasenflächen angebaut werden. 

Was sind Ihre Vorschläge, um den Ausbau von regenerativen Energien, hier insbesondere Solaranlagen, und damit das Potential bei Dachflächen auf lokaler Ebene, zu fördern? 

Kaufmann: Gerade habe ich vom städtischen Umweltpreis gesprochen. Genau diesen halte ich für ein geeignetes Instrument, um die Installation von Photovoltaikanlagen zum Beispiel auf Eigenheimen zu beschleunigen. Wir haben viele Dächer, auf denen das noch möglich wäre. Aber zusätzlich wollen wir, dass auch Parkflächen mit solch einer Anlage überdacht werden. Beim Parkplatz am Bahnhof Merklingen setzen wir das gerade um. Das gilt aber nicht nur für im Besitz der öffentlich Hand befindlichen Flächen. Ich gehe auch auf private Eigentümer größerer Parkflächen zu, wie beispielsweise Supermärkte oder Firmen, um auch dort die Möglichkeit einer Überdachung mit Photovoltaik ins Bewusstsein zu rücken. ERste dazu geführte Gespräche erscheinen vielversprechend. WEr nicht selbst investieren möchte, dem kann ich zu einem Investor verhelfen oder er sucht selbst nach einem. Ich hoffe nur, dass die angedachte Novellierung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) dies nicht zunichtemacht, da geplant ist, diesen Strom nicht mehr selbst verbrauchen zu dürfen. 

Baz: Die Ressourcen Land und Boden, Wasser und HOlz sind begrenzt aber regenerativ. Die nachhaltige Ausnutzung der Kräfte durch 100 Prozent regenerative Energien ist heute technisch möglich. Die nachhaltige Einsparung kommt durch Synergien lokaler Kräfte. Ziehen Bürger und Kommune an einem Strang und nutzen zeitnah die Fördermöglichkeiten von Land und Bund, sind kommunale Nahenergienetzwerke effizienter als von oben verordnete Maßnahmen, die gegen den Willen und Sachverstand der kommunalen Kräfte verordnet werden. 

Tiedeken: Ich bin der Meinung, dass die großen Dachflächen mit Solaranlagen gefördert werden sollten und auch durch die Stadt Laichingen unterstützt werden sollten, aber nur Dachflächen, keine Wiesen oder Ackerflächen, die sind für Lebensmittelanbau und nicht für Erneuerbare Energien. Ich bin der Meinung, dass wir die Natur und die Artenvielfalt wertschätzen sollten, wir müssen an unsere Zukunft denken!

Wir erleben höchste Priorität der Digitalisierung, sucht man aber Sitzungsprotokolle und öffentlich vorgetragene Berichte findet sich auf der Webseite der Stadt kein Register, obwohl das Landesinformationsfreiheitsgesetz das auferlegt. Eine Bürgerinformation gab es einmal in acht Jahren. Wollen die Kandidaten das ändern? Mit welchen Maßnahmen?

Kaufmann: Das Landesinformationsfreiheitsgesetz spricht im §11 vom Grundsatz, dann greift für die Kommunen die Gemeindeordnung des Landes. Und daher besteht also keine Verpflichtung für die Kommunen. In §41b GemO ist alles Weitere geregelt. Für die kommunale Seite gibt es daher eine Art Übergangslösung, die so lange in Kraft ist, bis die Kommune ein Ratsinformationssystem (RIS) eingeführt hat. Dieses RIS hätten wir dieses Frühjahr gern eingeführt, die Finanzmittel stehen im städtischen Haushalt bereit, weil auch mir eine vereinfachte und bequeme Verfügbarkeit von Informationen für die Öffentlichkeit ein wichtiges Anliegen ist. Die durch die Verwaltung und den Gemeinderat erfolgte Neubeurteilung der Finanzlage unter dem Einfluss der Corona-Pandemie hat diese Investitionsmittel jedoch zunächst zurückgestellt, wie für so manche andere Investition. Ich hoffe, dass wir dann im kommenden Frühjahr ein RIS einführen können, in dem auch ein Bürgerinfoportal integriert ist, auf dem dann die in der Frage angeführten Informationen bereitgestellt werden. Seither stellen wir wie gesetzlich vorgeschrieben auf dem Weg der Veröffentlichung im Amtsblatt und auf der Homepage der Stadt alle notwendigen Informationen zur Verfügung. Darüber hinaus reichende Informationen werden gemäß der gesetzlichen Regelung auf Anfrage zur Verfügung gestellt, soweit der Antragsteller dazu berechtigt ist, diese zu erhalten.

Baz: „Der Mensch ist damit ein Anfang sei“ (Augustinus, zitiert nach Hannah Arendt): Vita activa Vom tätigen Leben. An die in Antwort 1 anknüpfend Stadtteilfeste, Bürgerinitiativen und Vorträge, sowie Beteiligung auch in Haushaltsfragen stärken. Mehr Informationen, lieber traditionell: Büttel als Integral aus Nachtwächter und interaktivem Zeitungsboten. Attraktive Alltagskultur. Persönliche Begegnung der Bürgerinnen und Bürger mit Mandatsträgern im Vorfeld statt Kampf zwischen Verwaltungsapparat im Bündnis Landes- und Bundesinstitutionen mit und Bürgerinteressen. Prinzip der Subsidiarität. Statt: Individuum gegen Kollektiv, dritter Weg des Solidarismus für die Vielfalt von Mutter Erde und Vater-Stadt-Staat.

Tiedeken: Die Transparenz und Bürgerbeteiligung sind sehr wichtig. Wenn Projekte durch die Stadt Laichingen geplant sind, müssen Bürger hierzu Informationen bekommen und die Bürger durch eine Umfrage mit einbezogen werden. Hierbei sollte die Webseite der Stadt Laichingen überarbeitet/erneuert werden und in regelmäßigen Abständen die Informationen den Bürgern zu Verfügung stehen sollten. Die Digitalisierung sollte sehr schnell umgesetzt werden, mit der Entscheidung hat man viel zulange gewartet. Ich würde mich auch dafür einsetzen, dass alle Ortsteile angebunden werden. Wir brauchen dies für unsere Wirtschaft und für Privathaushalte, um in der Zukunft (Bildung, Verwaltungsangelegenheiten, offenes WLAN usw.) mithalten zu können.

Wie sehen Sie die Entwicklung in der Innenstadt von Laichingen und die rege Bautätigkeit mit dem Schwerpunkt auf vier Vollgeschosse?

Kaufmann: Zunächst einmal gibt es keinen „Schwerpunkt auf vier Vollgeschosse“, sondern ein einziges Gebäude, das diese Züge aufweist. Eine „rege Bautätigkeit“ weist auf eine aktive und dynamische Stadt hin. Das ist zunächst einmal ein gutes Zeichen. Es gilt für jede Stadt im Übrigen, also nicht nur für Laichingen, mehr Wohnraum zu schaffen. Jetzt kann man das in den Randbereichen einer Stadt umsetzen, also immer noch mehr Fläche zu verbrauchen, immer noch mehr Natur zu versiegeln und immer noch mehr landwirtschaftliche Flächen für immer der Landwirtschaft zu entziehen. Die andere Option wäre, diese Entwicklung nur im Innenbereich einer Stadt zu ermöglichen mit all den Herausforderungen, wie z.B. noch mehr Verkehr, zu viele Menschen auf zu wenig Platz usw. Daraus wird schon ersichtlich, dass es eine gesunde Mischung aus beidem sein muss, die die Bedürfnisse aller jeweils davon Betroffenen berücksichtigt. Und das kann nur ein guter Kompromiss sein. Diesen Kompromiss wollen und können wir nur im Austausch mit der Bürgerschaft finden, weshalb auch hier gilt: machen Sie mit bei der Bürgerbeteiligung zum Stadtentwicklungsprozess. Hier werden jetzt die Weichen für die Zukunft unserer Stadt gestellt.

Baz: Bauen aus reinen Verwertungsinteressen sollte unterbunden werden. Baulöwen mit Priorität der Geldvermehrung mit zu wenig Wissen und Rücksicht auf lokale Traditionen und globale Bedürfnisse müssen von Bürgern und Kommune an die Hand genommen werden. Tiny-Houses, Baumhäuser, Bauhauskultur und alte historische Meyerhöfe sowie die Schulstraße 3-5 bieten Beispiele für nachhaltige Bautenkultur aus Mittelalter, Moderne und Zukunft.

Tiedeken: Es muss gewährleistet werden, dass auch für die ältere Generation Wohnen in der Innenstadt attraktiv ist. Auch wenn Wohnblocks entstehen müssten diese mit Vorgärten gut bepflanzt werden. Ich würde mich auch dafür einsetzen, dass der alte und neue Baustil als Stadtbild vertretbar ist. Wir sollten das Bild einer Kleinstadt wertschätzen.

 Die Kitabelegung ist ein Thema.
Die Kitabelegung ist ein Thema. (Foto: Scholz)

Die Stadt hat glücklicherweise keinen Bevölkerungsschwund, im Gegenteil der Bedarf an Wohnraum und Kindergartenplätzen steigt. Nun hat die Stadt beschlossen entgegen trotz über 50 fehlender Plätze nicht in der Kernstadt zu bauen, sondern an dem Erweiterungsbau im Teilort festzuhalten, der noch genügend Plätze hat. Die Konsequenz: Kindergartenkinder aus der Kernstadt werden auf Dauer täglich in die Teilorte gebracht und wieder abgeholt werden müssen. Was werden Sie tun, um die dauerhafte Unterversorgung der Kernstadt zu vermeiden?

Kaufmann: Die dauerhafte Betreuung von Kindern aus der Kernstadt in den Teilorten ist ganz klar keine Lösung, das habe ich immer vertreten, denn sie stellt die Eltern in den meisten Fällen vor unlösbare organisatorische Probleme. Unsere Verkehrsverbindungen sind nicht mit denen in Ballungsräumen vergleichbar. Wir werden somit auch in der Kernstadt Laichingen zusätzliche Plätze schaffen müssen. Wenn man bedenkt, dass vom ersten Gedanken bis zur Inbetriebnahme eines neuen Kindergartens drei Jahre vergehen und man dabei noch das Wachstum unserer Stadt berücksichtigt, das ja gerade im Bereich junger Familien sich abspielt, wird es Zeit mit den Planungen weiterzumachen, um zeitnah solch eine Einrichtung für die Kinderbetreuung in der Kernstadt zu haben. Es ist keine Lösung zu warten, bis man an den Bedarfszahlen für Betreuungsplätze feststellt, dass man dringend eine neue Einrichtung benötigt, wenn man weiß, dass besonders die Kernstadt jedes Jahr um einen bestimmten Prozentsatz an Bevölkerung zunimmt. Dieser Aspekt gehört zwingend in die Betrachtungen mit einbezogen. Ich arbeite bereits an einer Lösung, die deutlich schneller als in drei Jahren zur Verfügung stehen kann.

Baz: Kurze sichere und freudige Wege schaffen Raum für Spiel und Spaß. Eltern von Schülern sollten nach Corona den Abstand zu ihren Kindern wieder frei von Transport und Kontrollzwängen genießen dürfen, so wie die Kinder ein Recht auf ihre Eltern vor der Profitwirtschaft haben. Waldkindergärten als integrale Form die Spiel, Form- und Gestalttrieb natürlich und zukunftsträchtig integriert, sind besonders zu fördern. Schulweg und Schulung sollten zu ausreichend Schlaf und freier abenteuerlicher Kindheit beitragen.

Tiedeken: Ich würde versuchen, Busse finanziert zu bekommen, damit die Kinder sicher zu den Tagesstätten kommen. Wenn finanzierbar, sollten diese Fahrgelegenheiten auch anderweitig genutzt werden. Natürlich ist es auch ein Anliegen, dass im Kerngebiet genug Kindergartenplätze geschafft werden z.B. durch Anbauten. Wichtig ist, dass auch den Teilorten die Möglichkeit gegeben wird, Waldkindergärten zu errichten. Bezüglich Wohnungsbaus müsste auch für finanziell schwache Bewohner Wohnraum geschafft werden, altersgerecht und kinderfreundlich mit Spielplätzen und Parks für die Familien.

 Alternative Energien wie Windkraft und Solar, Schottergärten, der Straßenverkehr in Laichingen, Bautätigkeiten in der Stadt sow
Alternative Energien wie Windkraft und Solar, Schottergärten, der Straßenverkehr in Laichingen, Bautätigkeiten in der Stadt sowie die Situation der Kindergärten: Leser der „Schwäbischen Zeitung“ hatten so einige Fragen an die Bürgermeisterkandidaten. Die Wahl findet am Sonntag, 4. Oktober, statt. (Foto: dpa)

Auf der Laichinger Alb entstehen neue Windkraftparks, nach Drackenstein ist ein weiterer Park mit 240 Meter Anlagenhöhe bei der Keltenschanze, Nähe Hochbehälter Horn, schon genehmigt. Der Einspruch des Deutschen Wetterdienstes gegen die Anlagenhöhen wurde an allen Standorten abgewiesen, obwohl Gutachten die Störung des Türkheimer Wetterradars bestätigen und die Frühwarnung von aus westlicher Richtung aufziehenden Unwettern für die Laichinger Alb in Frage gestellt wird. Wie stehen Sie zum Ausbau von Windkraftanlagen an Standorten in unserer Region mit solchen negativen Auswirkungen?

Kaufmann: Die Energiewende ist eine zentrale Aufgabe für uns alle. Hierzu gehört auch der Bau von regenerativen Erzeugungsanlagen. Anlagen mit relativ geringem Flächenverbrauch wie eben Windenergieanlagen sind dort, wo sie genehmigungsrechtlich errichtet werden können, ein wichtiger Baustein hin zur Klimaneutralität. Mehrere Gerichtsurteile haben, unter Berücksichtigung verschiedener Gutachten, also auch des Gutachtens des Deutschen Wetterdienstes, die Klagen dessen gegen den Bau von Windanlagen zurückgewiesen, da z.B. Unwetterkonstellationen weiterhin erkannt werden können. Der DWD muss schon seit Jahrzehnten mit Störungen der Reflexion des Radarsignals umgehen und tut das auch erfolgreich, nicht erst seit es Windkraftanlagen gibt.

Baz: Windparks und individuelle Privatwindmühlen sind abzulehnen: Tiere sollten in einer sozial-ökologisch ausgerichteten Kommune gleiche Entwicklungsmöglichkeiten wie Menschen genießen.

Tiedeken: Ich bin für Erneuerbare Energie, aber es muss eine Grenze gezogen werden. Der Deutsche Wetterdienst hat zurecht seine Gedanken für dieses Projekt gegeben. Es müsste eine Alternative geben, andere Flächen für solche Windkraftanlagen. An diese Entscheidung kann ich nichts ändern. Bei einer Alternativ-Lösung sollte man Rücksicht auf die Natur nehmen und die offshore-Windpark in Küstenvorfeld errichtet sind Elektiver nutzen, da die eine hohe Auslastungen haben von ca. 3500 bis 5000 Volllaststunden erzielen. Darum ist es auch wichtig, die Bürger mit einzubeziehen bei solchen Entscheidungen.

Laichingen ist gerade stark dabei, sein charakteristisches Gesicht zu verlieren und baulich recht beliebig und gleichförmig zu werden. Soll die Reise so weitergehen oder haben Sie hier eine Vorstellung, wie Laichingen in zehn Jahren aussehen soll?

Kaufmann: Wwas ist heute das charakteristische Gesicht Laichingens? Ursprünglich war Laichingen ein landwirtschaftlich geprägtes "Dorf". Diesen Charakter hat die STadt aber bereits mit dem Ende der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts "verloren". Dieser Umstand wiederum bedeutet, dass wir einen "Charakter" unserer Stadt neu definieren müssen, wo es sinnvoll ist, Altes zu bewahren und Neues zu gestalten. Dazu haben wir jetzt mit dem Stadtentwicklungsprozess eine hervorragende Möglichkeit. Machen Sie mit und bringen Sie Ihre Ideen und Anregungen ein. Von einer breiten Beteiligung der Öffentlichkeit wird es abhängen, ob die Entwicklung unserer Stadt in der nahen und weiteren Zukunft gelingen wird. Denn wir brauchen Ideen, die eine breite Akzeptanz finden. Machen Sie mit, Sie haben es jetzt in der Hand! Diese Chance ist einmalig und sollte von allen genutzt werden.

Baz: Früher war das Flüchtlingswohnheim an der Weite Straße ein Gasthaus. Diese historische Transformation konnte man mit einem Büro der Transitiontownbewegung wie in Witzenhausen. Es sollte in der Stadt sowohl den guten als auch den umstrittenen Traditionen gedacht werden. Eine künstliche Verdichtung der STadt zugunsten eher großstädtischer unnatürlicher Ideologien: Flächenversiegelung zur BEschleunigung des profitgetriebenen Handels sollte auch gegen den Willen von Bund, Land zeitgenössischen Leuten nicht sklavisch vollzogen werden. 

Tiedeken: Für die Innenstadt der Stadt Laichingen und deren Ortsteilen würde ich versuchen, durch Fördergelder Altbauten zu restaurieren und zu verschönern, so dass nicht in die Höhe gebaut wird, sondern nach einem gesunden Maß und dass der alte Stil der Gebäude wieder im alten Glanz erscheint. Was auch wichtig ist, dass es auch altersgerechte Möglichkeiten im Ortsbereich gibt und auch gebaut werden. 

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