Deutschland in Trümmern, Schlager im Ohr

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 Heinz Surek (hinten) bei seinem Vortrag über den deutschen Schlager in Laichingen.
Heinz Surek (hinten) bei seinem Vortrag über den deutschen Schlager in Laichingen. (Foto: MH)
Schwäbische Zeitung

„Die Geschichte des letzten Jahrhunderts im Spiegel des Schlagers“ – so lautete die Ankündigung für das Programm, das Heinz Surek für Bewohner und Gäste der Seniorenwohnanlage mitgebracht hat. Surek ging darauf ein, wie Schlagerlieder die politischen Epochen widerspiegelten und und ihre Interpreten von der Politik für ihre Interessen teilweise manipuliert wurden.

Schlager sind eingängige Melodien, die man schnell singen, summen oder mitpfeifen kann. Schlager schaffen glückselige Scheinwelten. Sie entstehen in ihrer Zeit und spiegeln ihre Zeit. Schlager konnten erst entstehen, als man sie massenhaft verbreiten konnte. Zunächst mittels Grammophon, später über das Radio, so Surek.

Anfang des 20. Jahrhunderts wollte man „das Volk“ unterhalten und von den wirtschaftlichen Problemen ablenken. Nach Ende des Ersten Weltkriegs kamen viele Soldaten ohne Berufsausbildung heim und verdingten sich als „Eintänzer“. Sie führten alleinstehende Damen zum Tanze und standen manchmal auch für weitere Dienste zur Verfügung. In dieser Zeit entstand das Lied „Schöner Gigolo...“. Anfang der 30er Jahre machte eine „Boygroup“ musikalisch Furore mit Liedern wie „Veronika, der Lenz ist da“ Furore: die Comedian Harmonists. Da drei Mitglieder des Sextetts Juden waren, mussten diese während der NS-Zeit ausscheiden. Die Gruppe formierte sich neu unter dem Namen „Meistersextett“; konnte aber nicht mehr an die alten Erfolge anknüpfen.

Während des Zweiten Weltkriegs sang Lale Andersen „Vor der Kaserne...“, das Goebbles zunächst verbieten wollte, von den Soldaten vieler Nationen jedoch geliebt wurde, da es die Sehnsucht nach Zuhause, das Heimweh und die Sehnsucht nach Liebe widerspiegelte. 1944 sang dann Zarah Leander Lieder wie „Davon geht die Welt nicht unter“ oder „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn“. Deutschland lag in Trümmern. Die Menschen sehnten sich nach Frieden.

Anfang der 50er Jahre erholte sich die Wirtschaft. Die Menschen wollten Unterhaltung, feiern und reisen. Catarina Valente, Marlene Dietrich und Freddy Quinn prägten die Schlagerszene bis 1955 mit Bill Haily und seinem „Rock around the Clock“ und später mit Elvis Presley die Welle des Rock’n’Roll von den USA nach Europa schwappte. Trotzdem packte Cornelia Froboess 1960 „die Badehose ein...“. In den 80er Jahren gewann Nicole 1982 mit „Ein bisschen Frieden“ den Eurovision-Song-Contest und Roy Black verzauberte die Herzen der Frauen mit dem Lied „Ganz in Weiß...“.

Heinz Surek spannte den Faden vom Anfang des Jahrhunderts bis zu den 80ern gekonnt, indem er immer wieder Lieder anspielte, die Gäste raten ließ, um welches Lied und welchen Interpreten es sich handelte und die Bewohner dazu animierte, mitzusingen.

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