Das steckt hinter dem Projekt der Taschengeldbörse

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Die Hilfsanfragen an die Laichinger Taschengeldbörse nimmt Sibylle Meyer in der Regel dienstags telefonisch entgegen.
Die Hilfsanfragen an die Laichinger Taschengeldbörse nimmt Sibylle Meyer in der Regel dienstags telefonisch entgegen. (Foto: Schneider)
Schwäbische Zeitung

Die Sozialpädagogin Sibylle Meyer ist seit Mitte der 1990er-Jahre in ehrenamtlichen Projekten auf der Laichinger Alb aktiv. Vor fünf Jahren hat sie die Ehrenamtsbörse mola (für „motiviert in Laichingen“) mit aufgebaut. Das jüngste Projekt der 62-Jährigen unter dem Dach von mola ist die Laichinger Taschengeldbörse. Im Gespräch mit Redakteur Christoph Schneider erklärt sie, was das ist und wie das Projekt derzeit dasteht.

Frau Meyer, worum geht es bei der Taschengeldbörse?

Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren bieten gegen ein Taschengeld ihre Hilfe bei alltäglichen Verrichtungen an – daher der Name „Tachengeldbörse“.

Welche Verrichtungen sind das?

Dazu zählen beispielsweise Tätigkeiten wie Besorgungen machen, Gartenarbeiten oder Aufräumen, aber auch Vorlesen, den Hund gassi führen oder Babysitten. Es gibt aber Einschränkungen.

Was denn für Einschränkungen?

Das Jugendschutzgesetz gibt den Rahmen vor. Das bedeutet, dass die Jugendlichen keine gefährlichen Tätigkeiten ausüben dürfen, wie beispielsweise einen Baum mit der Motorsäge zu fällen. Außerdem dürfen sie nicht länger als zehn Stunden pro Woche arbeiten.

Sind die Jugendlichen denn versichert, wenn sie sich bei der Gartenarbeit beispielsweise in den Finger schneiden oder wenn sie einen Ast absägen, der beim Herunterfallen ein Auto beschädigt?

Bei der Taschengeldbörse handelt es sich um kein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. Deswegen greift auch keine Sozialversicherung bei einem Vorfall. Wenn einem der Jugendlichen bei einem Einsatz etwas passiert oder er einen Schaden verursacht, greifen aber die entsprechenden familiären Versicherungen. Für den Fall, dass der Familienrechtsschutz nicht ausreicht, hat die Stadt Laichingen eine besondere Versicherung für die Teilnehmer unseres Projekts abgeschlossen.

Warum war das notwendig?

Normalerweise sind Ehrenamtliche beim Land Baden-Württemberg beziehungsweise bei ihren Institutionen oder Vereinen versichert. Unsere Jugendliche fallen da aber heraus, weil sie ja „etwas verdienen“ – auch wenn es nur Taschengeld ist. Deswegen war es für unser Projekt zwingend notwendig, dass die Stadt Laichingen diese zusätzliche Versicherung abgeschlossen hat. Es war übrigens gar nicht so einfach, dieses Konstrukt umzusetzen und hat über ein Jahr gedauert. Man braucht eben einen langen Atem bei Ehrenamtsprojekten.

Wie funktioniert die Taschengeldbörse denn konkret?

Bei mir melden sich Menschen, die einen konkreten Bedarf haben. Vor wenigen Minuten rief beispielsweise eine Frau an, die nach einem Sturz in ihrer Mobilität eingeschränkt ist und daher Hilfe beim Einkaufen benötigt. Ich versuchen nun, aus dem Pool der Schülerinnen und Schüler eine passende Hilfsperson zu vermitteln. Es wäre zum Beispiel ganz geschickt, wenn er oder sie in der Nähe der Frau wohnt. Dann wären die Wege kurz.

Wie groß ist denn der Pool?

Derzeit sind bei uns knapp 20 Schülerinnen und Schüler aus allen in Laichingen vertretenen Schularten gelistet.

Was ist für die Schüler außer dem Taschengeld noch drin bei dem Projekt?

Sie können sich ihr soziales Engagement bescheinigen lassen. Die Hilfesuchenden tragen die geleisteten Stunden in ein Belegheftchen ein und ich stelle anhand dieser Einträge auf Wunsch Bescheinigungen für die Schüler aus. Das kann sich gut machen bei Bewerbungen.

Haben Sie zurzeit viele Anfragen?

Es könnten durchaus mehr sein. Ich habe den Eindruck, dass manche Ältere unsicher sind, wen sie sich da als Helfer ins Haus holen. Deswegen stelle ich den Jugendlichen Ausweise aus, die belegen, dass sie auch wirklich von der Taschengeldbörse kommen.

Welche Erfahrungen haben Sie in den vergangenen eineinhalb Jahren gemacht, in denen es die Laichinger Taschengeldbörse nun schon gibt?

Recht gute, manche Beziehungen zwischen Hilfesuchenden und Jugendlichen verselbstständigen sich, sodass wir gar nicht mehr als Vermittler auftreten müssen. So habe ich beispielsweise vor etwa einem Jahr eine blinde Dame mit einem Mädchen aus der Nachbarschaft zusammengebracht – zunächst zum Vorlesen. Inzwischen liest nicht nur das Mädchen vor, seine Mutter geht jetzt auch mal für die blinde Dame einkaufen – alles ohne unsere Vermittlung. Und das ist ja auch gut so.

Ansprechpartnerin

Kontakt zur Laichinger Taschengeldbörse nimmt man am besten dienstags auf. Dann ist die ehrenamtlich arbeitende Sibylle Meyer von 10 bis 13 Uhr im Laichinger mola-Büro, Am Marktplatz 23, unter der Telefonnummer 07333 / 942907523 zu erreichen. Ihre E-Mailadresse lautet sibylle.meyer@habila.de.

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