Das schwierige Verhältnis zwischen Mutter und Tochter

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Mütter und Töchter haben es nicht immer einfach miteinander. Monika Ungers aus Merklingen erläutert in ihrem VHS-Vortrag, warum
Mütter und Töchter haben es nicht immer einfach miteinander. Monika Ungers aus Merklingen erläutert in ihrem VHS-Vortrag, warum das so ist und wie diese Beziehungsprobe gelingen kann. (Foto: Kriegler)
Jutta Kriegler

„Nie will ich wie meine Mutter sein!“ meinen viele Mädchen in der Pubertät. „Das ist nicht mehr meine Tochter!“ denken manche Mütter dann. Die Beziehung zwischen Müttern und Töchtern bleibt aber oft ein Leben lang schwierig. Wie diese Beziehungsprobe gelingen kann, erläutert Gestalttherapeutin Monika Ungers bei ihrem VHS-Vortrag in Laichingen am Donnerstag, 1. Februar, ab 19.30 Uhr. Was die Besucher(innen) erwartet.

Je enger die Beziehung, desto schmerzhafter die Ablösung in der Pubertät. Daher bietet die Mutter-Tochter-Beziehung jede Menge Sprengstoff. Die Ursachen liegen auf beiden Seiten, doch oft geht die Initiative von der Tochter aus, die sich von der Mutter abgrenzen muss, ihren eigenen Weg gehen will. Dabei prüfen sie sehr kritisch das Leben der Eltern und deren Authentizität: Wie echt ist das Familienglück, die Liebe zwischen den Eltern, das Verhältnis zu den Kindern? Wo wird nach Außen hin etwas anderes dargestellt als nach Innen? Wie glaubwürdig ist die Mutter als Person? Welche Rolle hat sie im Familiensystem? Was könnte man in den eigenen Lebensentwurf übernehmen und was nicht?

Perfekte Familien gibt es nicht. Konflikte und Probleme gehören dazu. Deshalb lautet die Frage, wie offen und offensiv Familien damit umgehen. Belastungen für die Mutter-Tochter-Beziehungen gibt es aber auch für Familien, die gut aufgestellt sind. Mütter in den Wechseljahren, im Scheidungsprozess oder Alleinerziehende haben es jedoch deutlich schwerer mit ihren Töchtern – und umgekehrt. Auch der finanzielle und soziale Hintergrund sind wichtig.

Die Rolle der Mutter hat sich seit den 80er Jahren verändert, doch noch immer wirkt der Mutter-Mythos nach: Die Liebe der Mutter ist unendlich, ihre Opferbereitschaft unbegrenzt. Doch auch Mütter haben ein Recht auf ein eigenes Leben, auf eigene Ziele, Individualität. Viele Mütter sind heute so attraktiv und erfolgreich, dass ihre Töchter sie als Rivalinnen empfinden.

Bei Schneewittchen war es noch umgekehrt. Auch diesen Aspekt wird Monika Ungers beleuchten. Glühend wird Schneewittchen von der Stiefmutter um ihre Schönheit beneidet. Der Blick in den Spiegel steht nicht nur für eine kritische Selbstprüfung. Symbolisch betrachtet drückt er den Wunsch nach Liebe, Erotik, Sexualität und Weiblichkeit aus. Je einsamer die Mutter, desto größer ist ihre Angst, diese Anziehungskraft zu verlieren – und ihre erwachsen werdende Tochter noch dazu. Doch Töchter können kein Partner-Ersatz sein. Auch Wegbeleiterinnen wie die „beste Freundin“ sollten Mütter und Töchter lieber in der eigenen Altersgruppe suchen, so zumindest Ungers.

Je enger die Mutterbindung, desto stärker die Rebellion der Tochter, die irgendwann eigenen Wege gehen will. Doch diese Probleme können abgeschwächt werden – zumindest teils. Einfühlsam und spannend will Monika Ungers die psychologischen Verstrickungen zwischen Mutter und Tochter schildern – und auch, wie man die Knoten wieder aufkriegen kann. Mögliche Lösungen? Zum Beispiel deeskalierende Kommunikationsregeln – und eine gute Portion Humor. Wenn es Müttern und Töchtern trotz Spannungen gelingt, auf Augenhöhe miteinander zu reden, ist viel gewonnen.

Der VHS-Vortrag über Mütter und Töchter findet am Donnerstag, 1.Februar, statt; von 19.30 bis 21 Uhr im Bürgersaal des Alten Rathauses, Eintritt: sechs Euro. Thema: „Beziehungsprobe?“ Welche Herausforderungen Mütter und Töchter heute haben.

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