Das Aus der Helfenstein Klinik in Geislingen ist fix

Sabine Grasner-Kühnle

Nach rund zweijährigem Ringen um die Helfenstein Klinik in Geislingen hat der Göppinger Kreistag nun mit großer Mehrheit deren Aus beschlossen. Die Stadt Geislingen sowie die Gemeinden im Unteren Filstal sind entsetzt. Geislingen befürchtet neben der dann eingeschränkten Patientenversorgung seinen Wirtschaftsstandort deutlich geschwächt und die Raumschaft im Unteren Filstal fühlt sich abgehängt.

Erst 2014 gingen die beiden Kliniken Helfenstein Klinik Geislingen und Klinik am Eichert Göppingen als die Alb-Fils-Kliniken einen neuen Weg: eine Klinik, zwei Standorte mit unterschiedlicher Konzeption. Mittlerweile befanden die Klinikbetreiber dieses Konzept als nicht mehr funktionsfähig, insbesondere aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit und fehlendem Fachpersonal. Basis für diese Argumente lieferten drei unterschiedliche Gutachten.

Schließungspläne sind zwei Jahre alt

Als die Betreiber vor rund zwei Jahren im Kreistag ihre schon länger währenden Schließungspläne offengelegt hatten, hat sich offener Widerstand in und um Geislingen gebildet. In sehr vielen Aktionen, Demonstrationen, offenen Briefen an Politiker und Verantwortliche haben sich Bürgermeister, Kommunen und Bürger gegen eine Schließung gewehrt. In Geislingen formierten sich die Verteidiger der Klinik in einem Aktionsbündnis und das bundesweit agierende Bündnis Klinikretter hatte sich eingeschaltet – alle mit dem Ziel, dieses Krankenhaus als Grund- und Regelversorger mit Notfallstufe 1 für die nähere Raumschaft zu erhalten.

Offener Brief an den Landrat

Auch ein offener Brief an Landrat Edgar Wolff und die Kreisräte vor der alles entscheidenden Sitzung, initiiert von Geislingens Oberbürgermeister Frank Dehmer, konnte den Hauptargumenten der Befürworter offensichtlich nichts entgegensetzen. Diesen Appell hatten weitere 15 Bürgermeister unterschrieben, darunter einige aus dem benachbarten Alb-Donau-Kreis, nämlich Johannes Raab für Amstetten, Jochen Ogger für Lonsee und Christoph Jung aus Nellingen. 36 von 50 Kreisräten votierten schließlich dennoch für die Schließung.

Kritische Stimmen aus Laichingen

Auch Laichingen sieht diese Entscheidung kritisch. „Die Helfenstein Klinik wird von unseren Bürgerinnen und Bürgern häufig in Anspruch genommen, weil sie neben Blaubeuren das nächstgelegene Krankenhaus ist“, sagt der stellvertretende Bürgermeister Ulrich Rößler. Er schätze zwar die stationäre Gesundheitsversorgung in den großen Krankenhäusern Ulms mit deren Zentral- und Maximalversorgung, könnte sich dort jedoch vorwiegend die Behandlung schwerer Krankheiten oder spezialisierter Eingriffe vorstellen. Die politisch gewollte Ausdünnung der Krankhauslandschaft werde auf dem Rücken der Landbevölkerung ausgetragen. „Bei einigem guten Willen ließen sich die Probleme der kleineren Krankenhäuser durchaus lösen und könnten so im Bestand erhalten werden“, ist Rößlers Überzeugung. Er bedauert den Beschluss des Göppinger Kreistags sehr.

Herbert Jung versteht das Vorgehen nicht

Aus Sicht der Bewohner des Filstals sowie aus dem Blick eines Laichinger Bürgers heraus übt auch Bad Ditzenbachs Bürgermeister Herbert Juhn harsche Kritik am Beschluss. Als Laichinger Bürger habe er schon einmal die Schließung eines kleinen Krankenhauses miterlebt. Er sieht die Schließung der Geislinger Klinik als herben Verlust, nicht nur für den Landkreis Göppingen.

„Die Regionen wachsen zusammen, am besten erkennbar mit dem Verband Region Schwäbische Alb im Zusammenhang mit dem Bahnhof Merklingen“, sagt er. Der Verband denke innovativ, über wirtschaftliche Interessen hinaus. „Auch diese Raumschaft wird meines Erachtens durch die Klinikschließung erheblich geschwächt.“ Unverständlich für Juhn ist die Eile: „Weshalb konnte der Kreistag nicht die Bundestagswahl abwarten und sehen, in welche Richtung sich unser Gesundheitssystem entwickelt“, fragt er. Vieles, was heute den kleinen Krankenhäusern Probleme bereitet, könnte in naher Zukunft Vergangenheit sein.

Vergleich mit dem Alb-Donau-Kreis

Auch in Juhns Vergleich mit dem Alb-Donau-Kreis kommt der Kreis Göppingen schlecht weg: „Ich frage mich, weshalb ein verhältnismäßig kleiner Kreis, wie der Alb-Donau-Kreis, seit Jahrzehnten drei eigene Kliniken betreiben kann, der Kreis Göppingen dagegen kriegt das nicht hin.“ Seiner Überzeugung nach wurde die Helfenstein Klinik ausgeblutet. Mit dem Schließungsbeschluss werde er sich nicht zufrieden geben: „Ich beobachte genau was weiter passiert und werde meine Kritik weiterhin äußern“, verspricht Juhn. Sehr kritisch sah auch Hohenstadts Bürgermeister Günter Riebort die Umwandlung des Krankenhauses.

Landrat Edgar Wolff verteidigte derweil in einer Pressekonferenz die Entscheidung und war bemüht, die „Wogen zu glätten“. Denn was dem Geislinger Oberbürgermeister Dehmer zufolge nicht passieren dürfe, wäre eine Spaltung der Raumschaft Oberes und Unteres Filstal.

Helfenstein Klinik mit zwei Standorten

Die Helfenstein Klinik ist einer von zwei Standorten der Alb-Fils-Kliniken, geführt als hundertprozentige Tochter des Landkreises Göppingen. Zweiter Standort ist die Klinik am Eichert in Göppingen, die durch die Schließung gestärkt werden soll. Die Helfenstein Klinik sichert mit den Fachbereichen Innere Medizin, Chirurgie, Anästhesie und Intensivmedizin sowie Radiologie derzeit die Grund- und Regelversorgung der Bevölkerung in Geislingen, dem Oberen und Unteren Filstal. Insbesondere in der Onkologie und der Palliativversorgung eilt ihr ein guter Ruf voraus. Angegliedert sind das Gesundheitszentrum sowie diverse Arztpraxen, sie bilden das medizinische Versorgungszentrum der Alb-Fils-Kliniken. Die Helfenstein Klinik ist mit 130 Planbetten zudem Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Ulm. Die Klinik besteht seit mehr als 100 Jahren.

Wie es weitergehen soll

Was ist vorgesehen: Es soll eine sogenannte „Praxisklinik“ entstehen. Bestehende Praxen im Ärztehaus bleiben, weitere sollen hinzukommen. Möglichst erhalten will der Kreis das Ambulante Medizinische Versorgungszentrum mit den Fachrichtungen Innere Medizin, Onkologie und Chirurgie. Desweiteren soll die Notfallversorgung in den kommenden zwei Jahren auf 24 Stunden pro Tag ausgeweitet sowie vorübergehend ein stationärer Betrieb mit 30 internistischen und acht Palliativbetten eingerichtet werden. Eine Evaluierung ab 2023 soll die Nachfrage klären. Gewünscht ist ebenso eine Kurzzeitpflege sowie zwei Beatmungswohngemeinschaften. Dazu sind allerdings noch sehr viele Gespräche mit dem Sozialministerium, den Kostenträgern, niedergelassenen Ärzten und den Mitarbeitern notwendig.

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