Der Blumenhändler Muhittin L. hatte am 4. Oktober 2011 in Laichingen gerade frische Ware vom Lastwagen abgeladen. Als der 44-Jä
Der Blumenhändler Muhittin L. hatte am 4. Oktober 2011 in Laichingen gerade frische Ware vom Lastwagen abgeladen. Als der 44-Jährige kurz um die Ecke des Hauses ging, trafen ihn tödliche Schüsse. Ein Mitarbeiter fand den sterbenden Mann auf der Stra (Foto: Archiv)
Deutsche Presse-Agentur

Der NSU-Untersuchungsausschuss im Landtag geht dem bislang ungeklärten Mord an einem Laichinger Blumenhändler nach. An diesem Montag befragt das Gremium dazu in Stuttgart einen Polizisten, der mit den Ermittlungen in dem Fall betraut war.

Anfang Oktober 2011 war der kurdischstämmiger Händler nahe seines Ladens auf offener Straße in Laichingen (Alb-Donau-Kreis) mit mehreren Schüssen getötet worden. Nach zweieinhalb Jahren wurde der Fall ungelöst zu den Akten gelegt. Vermutungen, wonach der „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) etwas mit dem Fall zu tun haben könnte, bewahrheiteten sich in den Ermittlungen nicht.

Verdächtiger wieder freigelassen

Die Sonderkommission „Blume“ aus Ulm war zeitweise mit 50 Beamten im Einsatz. Ende 2011 war eine Tatverdächtige aus dem familiären Umfeld des Opfers wieder freigelassen worden. Anhaltspunkte für einen rassistischen oder politisch motivierten Hintergrund hätten sich nicht ergeben, hieß es damals. Insgesamt wurden bei den Ermittlungen mehr als 600 Vernehmungen, auch in der Türkei und Frankreich, geführt und deutlich mehr als 100 Spuren überprüft.

Den Rechtsterroristen des NSU werden zehn Morde von 2000 bis 2007 - an Kleinunternehmern ausländischer Herkunft und an der Polizistin Michele Kiesewetter in Heilbronn zugerechnet. Die Behörden — auch in Baden-Württemberg — hatten jahrelang nicht erkannt, dass es sich um eine rechte Terrorzelle handelte.

Zschäpe vor Gericht

Der NSU flog im November 2011 auf. Das mutmaßliche NSU-Mitglied Beate Zschäpe muss sich derzeit vor dem Oberlandesgericht in München verantworten. Die mutmaßlichen NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sind hingegen tot.

Der Untersuchungsausschuss geht der Frage nach, welche Verbindungen des rechtsterroristischen NSU zu Baden-Württemberg bestanden und ob es hier Helfer und Unterstützer gab. Deshalb soll am Montag auch die aus dem Südwesten stammende NPD-Politikerin Edda Schmidt in dem Gremium befragt werden. Zudem geht es den Abgeordneten auch noch einmal um den Mord an Kiesewetter.

Der Ausschuss will Hinweise überprüfen, wonach kurz vor dem Mord auf der Heilbronner Theresienwiese ein zweites Polizeiauto gesehen worden sein soll. Kiesewetter und ihr Streifenkollege waren während einer Pause in ihrem Dienstwagen angegriffen worden. Der Streifenpartner wurde schwer verletzt.

Der NSU-Prozess in Zahlen

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