Bauen ohne Konzept: Initiative erhöht den Druck auf die Stadt

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 Adelheid Merkle-Stumpp (li.) und Karin Schur-Neugebauer.
Adelheid Merkle-Stumpp (li.) und Karin Schur-Neugebauer. (Foto: Fotos: rau)
Schwäbische Zeitung

Von wegen „Sommerpause“. In einem offenen Brief an die Gemeinderäte und Laichingens Bürgermeister Klaus Kaufmann meldet sich abermals die „Initiative Innenstadtkonzept“ zu Wort, die sich für verbindliche Bau-Vorgaben im Zentrum einsetzt.

Adelheid Merkle-Stumpp und Karin Schur-Neugebauer erhöhen den Druck: Ohne gezielt gesammelt zu haben, habe die Initiative schon 700 Unterschriften beisammen. Sie widersprechen Kaufmann, der in der Vergangenheit stets um Geduld gebeten hatte: Es dürfe keine Zeit mehr verloren werden, ansonsten gebe es bald keine Ecken mehr, die noch entwickelt werden könnten.

Die Initiative für ein Innenstadtkonzept verspürt Rückenwind. „Inzwischen unterstützen uns fast 700 Laichinger Bürger. Die Unterschriften kamen zusammen, ohne dass wir gezielt Personen angesprochen haben“, heißt es in dem offenen Brief, der auch der SZ vorliegt.

Auf ihrer Seite sehen Merkle-Stumpp und Schur-Neugebauer unter anderem den Geschichtsverein, der sich zuletzt Gedanken gemacht hat um schützenswerte Gebäude.

 Die ehemalige Sonne (im Hintergrund) an der Schulstraße soll weichen. Im Bauausschuss entzündete sich eine Debatte darüber, ob
Die ehemalige Sonne (im Hintergrund) an der Schulstraße soll weichen. Im Bauausschuss entzündete sich eine Debatte darüber, ob das auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegende neue Mehrfamilienhaus (rechts) als Referenz herangezogen werden dürfe. Wenn ja, dann ist das geplante Mehrfamilienhaus zulässig, wenn nicht, dann nicht. (Foto: brück)

In einem Punkt widersprechen die Sprecherinnen der Initiative Bürgermeister Kaufmann. Dieser habe zuletzt immer wieder um Geduld gebeten. „Geduld ist aber in der jetzigen Situation nicht angebracht“, steht in dem Brief zu lesen. Adelheid Merkle-Stumpp und Karin Schur-Neugebauer behaupten, dass keine Zeit mehr sei, nun noch „jahrelang zu warten.“

Sie fordern, dass Planung und Bestandsaufnahmen parallel laufen, ansonsten würden in zwei bis drei Jahren „mehr als doppelt so viele Wohnblöcke in Laichingen stehen wie jetzt – hochverdichtet, unsensibel, ohne Rücksicht auf die nachbarschaftlichen und historischen Gegebenheiten“. Und dann würde es „wirklich bald keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr für öffentliche Freiräume, Grünflächen oder kulturelles Leben geben“.

Laut offenem Brief handele es sich derzeit um eine „Hochphase des Bauens“, die man nicht ungenutzt vorbeigehen lassen dürfe.

Weiter verweisen die Verfasserinnen des Briefs auf einen SZ-Artikel (6. August, „Blaubeuren möchte im Zentrum weiter gestalten“). Dieser würde bestätigen, „dass man in viel kürzerer Zeit die Voraussetzungen erlangen und Vorarbeiten für ein Stadtentwicklungskonzept erledigen kann“.

Gemeinden wie Merklingen und Blaubeuren seien weiter. Adelheid Merkle-Stumpp und Karin Schur-Neugebauer fragen sich, „warum in Laichingen eher eine Blockadepolitik betrieben wird?“

Auch gehen die beiden ein auf die Befürchtung, dass ein Bebauungsplan die Kreativität der Architekten oder Bauherren beeinträchtigen könnte. Aus ihrer Sicht sei dem „keineswegs so“. Denn durch einen Bebauungsplan habe die Stadt das Vorkaufsrecht. Sie könne die Flächen dann selbst nutzen und für öffentliche Räume oder auch zum Tausch in Reserve behalten. Außerdem habe ein solcher Plan „die Akzeptanz der Bürger“. Auch seien durch einen Plan die Stadträte vom Vorwurf der Befangenheit befreit.

Zum Schluss richtet die Initiative eine Bitte an die Stadt: „Wir wünschen uns, dass Sie in der nächsten Gemeinderatssitzung beschließen, Bebauungspläne und eine Stadtbildsatzung auf den Weg zu bringen, um die Möglichkeit einer Veränderungssperre in Anspruch nehmen zu können.“

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