„Bankrott absehbar“: Stadtrat kritisiert Personalplanung der Stadt

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 Laichingen gibt immer mehr fürs Personal aus, auch für Erzieherinnen.
Laichingen gibt immer mehr fürs Personal aus, auch für Erzieherinnen. (Foto: Jens Büttner)
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Angesichts einer solchen Personalplanung zeichne sich der „Bankrott“ der Stadt am Horizont ab. Kein gutes Haar hat Stadtrat Uli Rößler am Stellenplan der Stadt Laichingen für 2019 gelassen. Dieser führt sieben Stellen mehr als noch im vergangenen Jahr auf. Und trotzdem spricht der Bürgermeister davon, dass die Verwaltung in einigen Bereichen unterbesetzt sei. Wie kann das sein?

Vor allem eine Abteilung der Stadt kann sich über zu wenig Arbeit nicht beklagen: das Stadtbauamt. Es sei schwer, die Aufgaben alle wie gewünscht abzuarbeiten, erklärte Bauamtschef Günter Hascher dem Gemeinderat bei dessen jüngster Sitzung. Es seien schlicht zu viele Maßnahmen im Hoch- und Tiefbau, die anlägen. Hascher sprach davon, dass „das Gleichgewicht“ nicht mehr gegeben sei zwischen Personal und Aufgaben.

Sieben Stellen mehr als 2018

Umso mehr zeigte sich Stadtrat Uli Rößler (BWV) verwundert – denn der Stellenplan der Stadt für 2019, den der Gemeinderat in seiner Sitzung im Mai absegnen soll, wies unterm Strich sieben Stellen mehr auf im Vergleich zu 2018. Wie kann das sein – mehr Stellen (insgesamt 131 für 2019) und trotzdem sollen Kapazitäten fehlen? Außerdem, so merkte Rößler an, sei die Zahl der Beamten gestiegen und an anderer Stelle schien ihm eine Stelle vergessen worden zu sein im vorgelegten Plan.

Sein Urteil: Das sei „keine Personalplanung, sondern Wildwuchs“. Gehe es so weiter – sprich: immer mehr ausgewiesene Stellen –, so sehe er schon, wie sich der „Bankrott“ abzeichne am Horizont. Rößler sah „kein Ende“ bei den Personalkosten. Diese sollen 2019 stolze 7,2 Millionen Euro betragen. Neuer Rekord!

Immer mehr Aufgaben, die die Kommunen zu bewältigen haben und der Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz sowie hohe Tarifabschlüsse führen aktuell zu dieser Situation.

Klaus Kaufmann, Bürgermeister

Und was sagt die Verwaltung? Auch sie stellt fest, dass fürs Personal immer mehr Geld ausgegeben werden muss. „Immer mehr Aufgaben, die die Kommunen zu bewältigen haben und der Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz sowie hohe Tarifabschlüsse führen aktuell zu dieser Situation“, sagt Bürgermeister Klaus Kaufmann. Was aber stimme: dass es an der ein oder anderen Stelle „eine Diskrepanz“ gebe, dies räumte in der Sitzung Hauptamtsleiter Stefan Binder ein. Zwar habe man in Ausnahmefällen „nicht ganz sauber geschafft“. Rechtlich jedoch sei alles in Ordnung, der Stellenplan nicht aufgebläht.

Kaufmann präzisiert gegenüber der SZ, dass die Irritationen in der Sitzung „der geänderten Darstellung“ im neuen Haushaltsplan geschuldet seien, der erstmals nach der Doppik erstellt wurde. Aber: Es erscheine nur so, dass die Stadt mehr Mitarbeiter beschäftigt, sie habe aber „nicht mehr Personal als im letzten Jahr“, so Kaufmann.

Beispiel: Bei Beschäftigten, die in Teilzeit arbeiten, werde die Stelle trotzdem mit 100 Prozent im Stellenplan aufgeführt – wenn sie früher zu 100 Prozent beschäftigt waren. Kaufmann verteidigte auch das Vorgehen, dass Mitarbeiter, die eine Schwangerschaftsvertretung übernehmen, danach nicht zwingend vor die Türe gesetzt, sondern – wenn Bedarf besteht – gehalten werden. Denen könne man nicht einfach „tschüss“ sagen, danke fürs Einspringen, aber jetzt haben wir keine Verwendung mehr für dich.

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