Bahnhalt Merklingen – „ein sympathisches Projekt“

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Stefan Kielbassa (li.) hat den Bauhut auf auf der Baustelle der ICE-Neubautrasse zwischen Ulm und Stuttgart.
Stefan Kielbassa (li.) hat den Bauhut auf auf der Baustelle der ICE-Neubautrasse zwischen Ulm und Stuttgart. (Foto: rau)
Schwäbische Zeitung
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Im Schneckentempo zwar, aber unaufhaltsam kriecht die Baustelle der Neubautrasse der Bahn von Ulm hinauf auf die Laichinger Alb. Chef des Abschnittes ist der Ingenieur Stefan Kielbassa. Die SZ nahm er mit auf eine Reise im Geländewagen vom Tunnelportal in Ulm bis nach Widderstall. Zum Bahnhalt bei Merklingen hat er sich schon so seine Gedanken gemacht.

Es dürfte die für ihn bisher komplexeste Aufgabe sein: die Realisierung der ICE-Neubautrasse, auf der zwischen Stuttgart und Ulm Züge einmal mit Tempo 250 pendeln werden. 2021 soll es soweit sein. Der Braunschweiger Stefan Kielbassa ist der Projektleiter des Abschnittes vom neuen Gleisfeld in Ulm, den Albabstiegstunnel hindurch, über Dornstadt, entlang der neuen A8 bis nach Widderstall, wo derzeit ein beeindruckender Tunnel in offener Bauweise entsteht. Eine Milliarde Euro will die Bahn für diesen Abschnitt ausgeben, möglicherweise wird das Projekt sogar billiger. Es wäre dann auch Kielbassas Verdienst, der diesen Bereich verantwortet. Bevor er bei der Bahn anheuerte war er als Projektleiter schon in China, er ist Fachmann für komplizierte Vorhaben, bei denen viel Erde aufgewühlt wird.

Die Schwäbische Alb ist doppelt kompliziert. Denn das Karstgestein ist in sich nicht homogen, sondern spröde und es birgt Hohlräume. Dies ist auch der Grund, warum der Albabstiegstunnel hinunter nach Ulm nicht mit einer großen Tunnelbohrmaschine vorangetrieben wird, sondern mit Sprengungen. „Wenn wir mit dem Bohrer auf einen Hohlraum vor uns stoßen würden, dann hätten wir ein Problem. Dieser müsste aufgefüllt werde: Doch womit? Am Bohrer kommt man ja schlecht vorbei“, erklärt der Ingenieur.

Je mehr Platz, umso besser

Gegenüber Tunnels durch das verkarstete Alb-Gestein hindurch scheint ein möglicher Bahnhalt bei Merklingen ein recht einfaches Unterfangen, von der Ingenieurs-Warte betrachtet. Kielbassa selbst hält den Bahnhofs-Wunsch vieler für „ein sympathisches Projekt“. Kompliziert ist das Ganze jedoch, weil noch nicht feststeht: Ist der Bahnhalt förderfähig? Dies soll die aktuelle Machbarkeitsstudie zeigen, die sich aber abermals verzögern wird. Und natürlich: Wenn ja – wer trägt die Kosten?

Kielbassas Baustellen sind diese Fragen nicht. Doch er hat sich schon mit dem möglichen Merklinger Bahnhalt beschäftigt. Möglich vor allem, weil auf der Trasse eben auch Regionalzüge fahren werden. Rein technisch könnten diese ohne Probleme in Merklingen halten, um dann weiter nach Ulm oder Stuttgart zu düsen. Als deutschlandweit wohl eine der letzten Regionen mit rund 30 000 Einwohnern hätte dann auch die Laichinger Alb einen Anschluss an die Eisenbahn.

Auf der Motorhaube seines Geländewagens breitet Stephan Kielbassa einen großen Bauplan aus. Am Rand skizziert er mit einem Bleistift, wo der Bahnhalt am ehesten gut aufgehoben wäre. „Ich favorisiere den linken Bereich nord-westlich von Merklingen“, sagt Kielbassa. Hier sei mehr freie Fläche vorhanden, der Bahnhof brauche ja auch eine Bushaltestelle und Parkplätze für Autos. Im Gespräch für die beiden zusätzlichen Gleise und die beiden Bahnsteige ist auch ein Gebiet nordöstlich der Gemeinde. Möglicher weiterer Vorteil des linken Gebiets: Hier wird eine Überführung für die Landwirtschaft errichtet. Wäre es möglich, dass diese auch von den Fahrgästen, die die Schienen überqueren müssen, genutzt werden könnte? „Müsste man prüfen“, sagt Kielbassa.

Der Ingenieur hält sich mit Willensbekundungen zurück. Er baue nur, was ihm sein Auftraggeber vorgebe. Der Bahnhalt spiele hier aktuell keine Rolle. Käme jedoch grünes Licht, und das Land und die Bahn einigten sich, den Haltepunkt einzurichten, „dann würde ich das gerne machen“. Möglich sei der Bahnhofsbau aus seiner Sicht sogar, wenn die neue Trasse schon in Betrieb ist. „Machbar ist das“, sagt Kielbassa. Der Aufwand sei jedoch um ein Vielfaches höher. Und natürlich genauso die Kosten.

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