Amazon-Konkurrenz vor Ort: Erster Online-Marktplatz will mit „Tante Emma“-Charme punkten

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Sandra Mangold bringt als Koordinatorin Händler und „Emma“ zusammen. Am Montag wurde der neue lokale Online-Marktplatz der Wirts
Sandra Mangold bringt als Koordinatorin Händler und „Emma“ zusammen. Am Montag wurde der neue lokale Online-Marktplatz der Wirtschaftsvereinigung in Laichingen vorgestellt. Der Rechtschreibfehler im Slogan „Emma bringts“ (ohne Apostroph zwischen t und s) ist übrigens Absicht. Dadurch sei die Eingabe im Internet einfacher. (Foto: rau)
Redaktionsleiter

Die Wirtschaftsvereinigung will mit Persönlichkeit punkten. Vor mehr als 100 Gästen hat sie den lokalen Online-Marktplatz für die Laichinger Alb vorgestellt. Und dafür viel Applaus bekommen. Angelehnt an frühere Tante-Emma-Läden heißt das neue Angebot „Emma bringts“ (das fehlende Apostroph ist Absicht). Hinter „Emma“ verbirgt sich ein Online-Portal, auf dem Händler Produkte und Dienstleistungen anbieten und Kunden diese bestellen können. Aber noch mehr soll „Emma“ der Region bringen.

Das Licht geht aus – eine Lasershow und Rockmusik prasseln auf die mehr als 100 Gäste im Auditorium der Volksbank Laichinger Alb ein. Sie dürften sich eher auf einem Stadion-Konzert gewähnt haben, kurz bevor der Vorhang fällt und der Star des Abends die Bühne betritt. Die Wirtschaftsvereinigung hatte sich einiges ausgedacht, um ihr „Baby“ am Montag im nüchternen Veranstaltungsraum im obersten Stock der Laichinger Volksbank der Öffentlichkeit vorzustellen. „Wie geil ist das denn?!“, entfährt es dem Nebensitzer.

Die Show hatte nicht zu viel versprochen. Als das Licht wieder anging, war das Staunen groß. Die Hüllen waren gefallen und vorne im Podiumsbereich stand eine Frau, schätzungsweise zwischen 40 und 50 Jahre jung, freundlich lächelt sie dem Publikum entgegen. Ihr Name: Emma. In Händen hält sie ein Schild, auf dem steht, worum es ihr und hier geht: „Emma bringts“. So heißt der neue Online-Marktplatz, der künftig Handel und Kunden zusammenbringen soll auf der Laichinger Alb.

Emma ist eine Kunstfigur, ersonnen in den vergangenen Wochen und Monaten von einem Lenkungskreis innerhalb der Wirtschaftsvereinigung. Auftrag dessen Mitglieder: dem neuen lokalen Online-Marktplatz Leben einhauchen. Der Eindruck am Montag: Dies ist pointiert und zugleich charmant gelungen.

Start: Ende Juni

Ende Juni soll „Emma bringts“ an den Start gehen. Ralf Schiffbauer informierte die Gäste – größtenteils Händler, Handwerker, Dienstleister – was Emma alles kann.

Im Kern gehe es darum, die so vielfältige Region der Laichinger Alb zusammenzubringen. Und wo? Auf dem Herzstück von „Emma bringts“, einer Plattform im Internet, die mehrere Dienste für den Kunden (User) bündelt. So kann sich dieser in einem Shop-Bereich über Produkte und deren Verfügbarkeit informieren und diese dann auch bestellen und sie sich sogar noch am selben Tag nachhause liefern lassen (wenn er bis zu einer bestimmten Uhrzeit geordert hat). Es gibt auch einen Service-Bereich und einen für „Aktuelles“. Die Wirtschaftsvereinigung kann sich eine tägliche Mittagstisch-Karte vorstellen, das tägliche Rezept, aber auch eine Ecke für Nachrichten und Veranstaltungen; kurzum: „Emma“ soll einen Abriss dessen liefern, was auf der Laichinger Alb los ist und was „mir“ diese Region als Bewohner oder Gast bieten kann. Ein Portal mit identitätsstiftenden Zügen.

Übersichtlich, klar, hochwertig

Um sich das Ganze vorstellen zu können, warf die Wirtschaftsvereinigung am Montag eine Demo-Version der „Emma bringts“-Startseite, wie sie später im Internet zu finden sein soll (Landingpage), per Beamer an die weiße Wand im Volksbank-Auditorium. Die Anmutung: übersichtlich, klar und hochwertig.

Verantwortlich für den Inhalt sind in erster Linie Betriebe und Firmen. Sie haben drei Möglichkeiten der Beteiligung. Sie können ein Basis-Paket buchen, wodurch sie in Form eines virtuellen Schaufensters auf „Emma bringts“ vertreten sein werden. Mit dem Basis-Plus-Paket können sie den Online-Shop für 20 ausgewählte Produkte nutzen, das Premium-Paket ermöglicht dann den unlimitierten Vertrieb der eigenen Produkte über „Emma bringts“. Dafür werden verschiedene Monatstarife fällig.

Das Pfiffige an der Plattform: Jeder Kunde hat nur einen einzigen Warenkorb, in den er aber Produkte verschiedener Händler packen kann. Sprich: Er zahlt alles auf einmal, und muss nicht einzeln bei den Firmen abrechnen; beispielsweise für die bei der Wäschekrone per Klick gekaufte Bettwäsche, die beim Gartenhaus Striebel erstandenen Blumen, die sich der Kunde vielleicht sogar liefern lassen möchte, und beim H-Markt, wo die Wahl auf Waschmittel und Äpfel gefallen ist. Emma bringt’s nicht nur, sondern sie verspricht auch einen übersichtlichen und bequemen Einkauf.

Als Ergänzung gedacht

Um den Händlern eine mögliche Angst zu nehmen, betonte Schiffbauer: „Emma“ sei als Ergänzung zum stationären Handel gedacht; über Angebote auf der neuen Plattform sollen Kunden auch wieder vermehrt in die Geschäfte gelockt werden. Bestärkt sieht sich die Wirtschaftsvereinigung hier durch eine Umfrage, die sie im Winter auf der Laichinger Alb durchführen ließ. Viele der befragten, potenziellen Kunden gaben an, dass sie auch künftig gerne in den Läden einkaufen möchten. Was allerdings praktisch sei: Wenn sie Produkte bei „Emma“ reservieren könnten, um den Weg ins Geschäft nicht „umsonst“ anzutreten.

Einzigartig im IHK-Gebiet

Die Macher hinter „Emma“: das ist in erster Linie der Wirtschaftsvereinigung in Person von Ralf Schiffbauer, Klaus Hübner und Vera Epple, Jürgen Rieck und Harry Titos, sowie Hans Werner Groß, Thorsten Mangold, Renate Schmid und Frank Kraaz; mit im Boot ist auch die IHK, Josef Röll stand beratend zur Seite. Er lobte die Anstrengungen auf der Laichinger Alb und betonte, dass „Emma bringts“ bislang einzigartig sei im Gebiet der Ulmer IHK, die die Landkreise Alb-Donau und Biberach sowie die Stadt Ulm abdeckt. Der neue Online-Marktplatz ist der erste in der Region. Unterstützung auch aus den Rathäusern, Laichingens Bürgermeister Klaus Kaufmann fehlte krankheitsbedingt am Montag. Vertreten wurde er von Sven Kneipp (Merklingen) und Bernd Mangold (Berghülen).

Das wichtigste Gesicht im „Emma“-Alltag wird aber Sandra Mangold sein. Sie ist als Koordinatorin das Bindeglied zwischen den Händlern und der neuen Plattform. Ihr zur Seite steht Ute Schiffbauer. Die beiden haben ein Büro in der Gartenstraße 6. Und noch ganz viele weitere Ideen, wie sie „Emma“ bis zum Start und darüber hinaus bekannt machen wollen. Aus allen zeitgemäßen Marketing-Rohren soll geschossen werden (Instagram, Facebook). Dass auch der „Look“ (die Optik) des Ganzen passt, dafür tragen ein eigens engagierter Fotograf sowie Mediengestalter Moritz Graf Sorge.

Wie viel Herzblut in „Emma“ steckt, war am Montag bei einer besonderen Einlage zu spüren. Harry Titos und Jürgen Rieck gaben in einem fast oscarreifen Anspiel ein in grummeliger Zuneigung einander verbundenes Paar. Doch die beiden hatten ein Problem: Besuch stand ins Haus und weder Rieck noch „seine Hilde“ (Titos) sahen sich darauf vorbereitet. Dann der Geistesblitz: Da gibt’s doch dieses neue Portal der Wirtschaftsvereinigung; sie bestellten (Wein, Knabbereien und noch was zum Anziehen) – und der Abend war gerettet.

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